Genting Hongkong Eigner der MV Werften droht mit Insolvenz

Trotz Gerichtsurteil ist der Streit zwischen dem Land Mecklenburg-Vorpommern und dem MV-Eigner Genting noch nicht beendet. Dieser droht nun selbst mit einem Insolvenzantrag, um die Auszahlung des Kredits noch zu erwirken. Die Grünen warnen vor "Mitnahmeeffekten".
Schieflage: Die MV Werften sind bereits insolvent, jetzt droht der Eigner Genting im Streit um Kredite selbst mit Insolvenzantrag

Schieflage: Die MV Werften sind bereits insolvent, jetzt droht der Eigner Genting im Streit um Kredite selbst mit Insolvenzantrag

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Der chinesische Eigentümer des insolventen Ostsee-Werftkonzerns MV Werften, Genting Hongkong, steht offenbar selbst vor der Pleite. Das Unternehmen bereite juristische Schritte für eine mögliche Abwicklung vor, teilte Genting am Dienstag mit. Der Konzern befinde sich nun in einer "unmittelbaren und signifikanten" finanziellen Notlage, hieß es weiter. Die Bestellung von vorläufigen Insolvenzverwaltern sei im besten Interesse des Unternehmens. Der Handel mit den Aktien des angeschlagenen Konzerns wurde erneut eingestellt.

Beobachter werten Gentings Ankündigung auch als unmissverständliches Zeichen an das Land Mecklenburg-Vorpommern, mit dem Genting seit Wochen um die Auszahlung eines Darlehens ringt. Am Vortag hatte das Landgericht in Schwerin den Eilantrag von Genting zur Auszahlung eines Darlehens des Landes Mecklenburg-Vorpommern abgelehnt. Der Konzern habe nicht hinreichend darlegen können, dass er ohne die Auszahlung der 78 Millionen Euro (88 Millionen Dollar) in einer existenziellen Notlage sei, sagte die Richterin. Um eine einstweilige Verfügung vor der Entscheidung in der Hauptsache zu erlangen, müsse eine solche existenzielle Notlage aber vorliegen.

"Die offene Drohung mit Insolvenzantrag von Seiten Gentings verschärft die Situation zusätzlich"

Dieter Janecek, wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Dieter Janecek (45), kritisierte die Äußerungen des Unternehmens. "Die offene Drohung mit der Stellung eines Insolvenzantrages von Seiten Gentings verschärft die angespannte Situation zusätzlich", sagte er dem "Handelsblatt". Von Seiten des Bundes und auch des Landes Mecklenburg-Vorpommern gebe es die Bereitschaft zur Unterstützung, aber eben nur, wenn klar erkennbar sei, dass der Investor auch selbst für die Zukunft der MV Werften kämpfe. "Mitnahmeeffekte bei öffentlichen Geldern müssen ausgeschlossen sein."

Kredite können nicht mehr bedient werden

Genting Hongkong hatte die Werften in Rostock, Wismar und Stralsund 2016 als Reaktion auf den damals boomenden Kreuzfahrtmarkt erworben, um dort für konzerneigene Reedereien Schiffe bauen zu lassen. Doch mit dem Einbruch der Branche infolge der Corona-Krise geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten, die bis heute anhalten. In den vergangenen Wochen hatten sich der Bund, das Land Mecklenburg-Vorpommern und Genting um eine Lösung der Finanzierungsprobleme bemüht, die letztendlich aber scheiterte. Am vergangenen Montag meldete Genting Insolvenz für die MV Werften mit ihren knapp 2000 Beschäftigten an. In den MV Werften wird das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, die "Global Dream", gebaut.

Genting hatte bereits vor ein paar Tagen eingeräumt, wegen der MV-Werfte-Pleite Kredite in Deutschland über 2,8 Milliarden Dollar nicht mehr bedienen zu können. Hinter dem verzweigten Konzern steht der malaysische Milliardär Lim Kok Thay, der Eigentümer des Tourismuskonzerns Genting Bhd ist.

"Keine positive Fortführungsperspektive"

Genting bestand nun aber trotz der Insolvenz auf die Auszahlung des Kredits, die das Land dem Konzern im Juni 2021 gewährt hatte, um eine für 2024/2025 prognostizierte Liquiditätslücke perspektivisch zu schließen. Genting meldete die Auszahlungsnotwendigkeit bereits im Dezember 2021 an, weil schon zu diesem Zeitpunkt eine Liquiditätslücke klaffe. Das Land verweigerte die Auszahlung des Kredits – auch mit der Begründung, dass die Zukunft der MV Werften nicht gesichert sei und Genting keine positive Fortführungsperspektive für die MV Werften gegeben habe.

Vier nicht-geschäftsführende Direktoren treten zurück

Neben der Gerichtsentscheidung verwies Genting am Dienstag auch auf andere Versuche, kurzfristig Geldmittel aufzutreiben, inklusive einer Liquiditätsreserve von 81 Millionen US-Dollar, die ebenfalls Teil der Finanzierungsvereinbarung des Kreuzfahrtschiffes "Global Dream" sei. "Bisher hat keine der beteiligten Banken einer Auszahlung zugestimmt", teilte das Unternehmen mit.

Zudem hieß es, dass vier der Vorstandsmitglieder als unabhängige, nicht-geschäftsführende Direktoren zurückgetreten seien. Gründe dafür wurden nicht genannt, es gebe jedoch keine Unstimmigkeiten mit dem Vorstand.

mg, rei/dpa-afx, Reuters