Comeback der Kultmarke Russland präsentiert den neuen Moskwitsch

Nach rund 20 Jahren Pause hat Russland den neuen "Moskwitsch 3" präsentiert. Das Auto rollt in chinesischem Design in einer ehemaligen Renault-Fabrik vom Band – und hat mit seinem Vorgänger kaum noch etwas gemeinsam.
Moskwitsch 3 (nach chinesischem Vorbild): Für Russland vor allem ein symbolischer Erfolg

Moskwitsch 3 (nach chinesischem Vorbild): Für Russland vor allem ein symbolischer Erfolg

Foto: IMAGO/Anton Novoderezhkin / IMAGO/ITAR-TASS

2006 ging der "russische Wartburg" in die Insolvenz, 16 Jahre später ist die Automarke Moskwitsch mit einem neuen Modell wieder da. Am Mittwoch präsentierte der russische Autobauer Avtovaz den "Moskwitsch 3", der ab Dezember in einem ehemaligen Renault-Werk in Moskau vom Band rollen soll.

Mit seinem Vorgänger hat das Auto nicht mehr viel gemeinsam, stattdessen erinnert der Moskwitsch 3 stark an den Crossover "Sehol X4" des chinesischen Autobauers JAC. Nach Informationen von Reuters ist der neue Moskwitsch auf der gleichen Plattform wie sein asiatisches Pendant entstanden, zahlreiche Teile wurden aus China geliefert.

Wiedergeburt in ehemaliger Renault-Fabrik

Die Wiedergeburt des Sowiet-Klassikers ist auch eine Folge des Krieges in der Ukraine. Autobauer Renault hatte seine Geschäfte in Russland nach dem Überfall Putins auf die Ukraine gestoppt. Sämtliche Anteile an Renault Russland würden an die Stadt Moskau verkauft, die Beteiligung an dem russischen Hersteller Avtovaz gehe an das Zentralinstitut zur Entwicklung von Automobilen und Motoren (Nami), wie Renault-Generaldirektor Luca de Meo (54) im Mai erklärte.

Sowohl die Renault-Fabrik in Moskau wie auch die Beteiligung an Avtovaz wurden nach Informationen von Reuters für jeweils einen Rubel verkauft, allerdings sicherte sich Renault ein Rückkaufrecht binnen sechs Jahren.

Kurz darauf kündigte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin (63) in der "Moscow Times" an, die Produktion in Moskaus ehemaligem Renault-Werk unter der historischen Marke Moskwitsch wieder aufnehmen zu wollen. Die Fabrik wurde unbenannt in "Moskauer Moskwitsch-Automobilfabrik". Dass die Bänder in der Fabrik unter russischer Regie wieder laufen, ist aber vor allem ein symbolischer Akt.

Viel Symbolik, doch kein Gamechanger

Ein wirklicher Gamechanger für die darbende russische Autoindustrie wird der neue Moskwitsch kaum werden. In diesem Jahr dürften nicht mehr als 600 Modelle des Moskwitsch 3 vom Band rollen. Russlands Autoindustrie wird in diesem Jahr aller Voraussicht nach weniger als eine Million Fahrzeuge verkaufen – so wenig wie seit mehr als 50 Jahren nicht mehr.

Retro-Moskwitsch: Die russische Kultmarke war vor rund 20 Jahre Pleite gegangen

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Foto: Sergei Fadeichev / imago/ITAR-TASS

Selbst das Ziel der russischen Regierung, jährlich 100.000 Moskwitsch herzustellen (ein Teil davon auch elektrisch), bleibt unter den üblichen Produktionszahlen einer Autofabrik zurück. Zum Vergleich: Tesla fertigt in Shanghai rund 22.000 Fahrzeuge pro Woche.

Die ersten Moskwitsch 3 sollen ab Dezember vom Band rollen, wie Avtovaz und Technologiepartner Kamaz am Mittwoch erklärten. Für die russischen Autobauer bleibt die Herausforderung, neue Lieferketten mit lokalen Bauteilen aufzubauen, da die alten wegen der Sanktionen des Westens zusammengebrochen sind. Bis Ende 2023 sollen die lokalen Lieferketten stehen, versprach Handelsminister Denis Manturov (53). Bei voller Auslastung soll das Moskwitsch-Werk Arbeitsplätze für rund 40.000 Menschen schaffen.

la/reuters
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