Peinlicher Fehler Morgan Stanley verhindert Aktionärsrevolte bei Aareal Bank

Morgan Stanley hat durch eine Panne die Aktionärsrevolte bei der Aareal Bank durchkreuzt und ein Tauziehen um neue Aufsichtsräte ausgelöst. Vorstand und Kontrollgremium haben sich dennoch für ein umstrittenes Übernahmeangebot ausgesprochen.
Aareal Bank: Gezerre um Übernahme - und um einen neuen Aufsichtsrat

Aareal Bank: Gezerre um Übernahme - und um einen neuen Aufsichtsrat

Foto: Jörg Puchmüller / Aareal Bank

Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat durch einen peinlichen Fehler die historische Aktionärsrevolte bei der Aareal Bank verhindert. Das führt zu einem Gerangel um neue Kontrolleure. Unabhängig davon preschen Vorstand und Kontrollgremium des Wiesbadener Immobilienfinanziers vor und empfehlen die Annahme eines umstrittenen Übernahmeangebots.

Das US-Institut hat bei der außerordentlichen Hauptversammlung der Aareal Bank vor knapp drei Wochen die Stimmen des Hedgefonds Teleios, der gut fünf Prozent der Bankanteile hält, nicht abgegeben. Dadurch fehlten entscheidende Prozente, um drei neue Aufsichtsratsmitglieder zu wählen, die kritische Aktionäre installieren wollten. Nach Informationen des manager magazins kam es zu Problemen bei der Abwicklung des Auftrags von Teleios.

Investoren Centerbridge und Advent planen Übernahme

Die Wahlniederlage hat zu einem äußerst kritischen Zeitpunkt ein Tauziehen um die Neubesetzung der leeren Sitze im Kontrollgremium ausgelöst. Die Bank steht kurz davor, von einer Investorengruppe um Centerbridge und Advent übernommen zu werden. Management und Aufsichtsrat unterstützen den Plan, dem Großaktionäre wie Teleios dagegen äußerst kritisch gegenüberstehen. Am Montag haben sich das unvollständige Kontrollgremium und der Vorstand auch offiziell für die Offerte ausgesprochen. Sie sei "strategisch vorteilhaft" und der Preis von 29 Euro je Aktie angemessen. Man habe diese Empfehlung jetzt abgeben müssen, um Fristen einzuhalten, und der Aufsichtsrat sei beschlussfähig - trotz der drei fehlenden Mitglieder, so die Bank.

Voraussichtlich am 19. Januar endet die Annahmefrist für das Übernahmeangebot. Kommen die Bieter ans Ziel, profitiert auch Morgan Stanley, da die Investmentbank bei der geplanten Übernahme zu den Beratern zählt und als zentrale Abwicklungsstelle für den Prozess fungiert.

Peinlicher Fehler sorgt für Kritik: James Gorman, CEO von Morgan Stanley, muss sich kritischen Fragen stellen

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Foto: Aaron Bernstein / REUTERS

Teleios ist einer von zwei aktivistischen Investoren, die Management und Aufsichtsrat der Aareal Bank seit längerem kritisieren und ihnen eine falsche Strategie, Geldverschwendung und Wertvernichtung vorwerfen. Angeführt wird die Revolte von Petrus Advisers mit einem Anteil von mehr als zehn Prozent. Petrus fordert ebenfalls eine Abspaltung der Software-Tochter Aareon, die der Immobilienfinanzierer bisher ablehnt.

Petrus Advisers führt Revolte an

Seit September hat die Bank einen neuen Chef: Der Ex-Commerzbanker Jochen Klösges (57) hat Hermann Merkens (55) abgelöst, der sich wegen Krankheit zurückzog. Ende November trat auch Marija Korsch (73) als Aufsichtsratsvorsitzende zurück – kurze Zeit nach der Übernahmeofferte der Finanzinvestoren. Sie wollte aber als einfaches Aufsichtsratsmitglied an Bord bleiben.

Doch Petrus wollte mehr als nur einen neuen Oberkontrolleur. Der Investor hat daher bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 9. Dezember durchgesetzt, Korsch und zwei ihrer Kollegen aus dem Kontrollgremium abzuberufen. Das wichtigste Ziel, mehr Einfluss auf Entscheidungen der Bank durch den vorgeschlagenen Ersatz zu bekommen, haben die Aktivisten jedoch nicht erreicht. Die drei von Petrus vorgeschlagenen Personen – der ehemalige Unicredit-Manager Heinz Laber, die Ex-Commerzbank-Bereichsvorständin Marion Khüny und der einstige JP-Morgan-Banker Joachim Sonne – verfehlten die nötige Mehrheit.

Das wäre voraussichtlich anders ausgegangen, wenn Morgan Stanley die Teleios-Stimmen auftragsgemäß abgegeben hätte, heißt es aus Kreisen, die damit vertraut sind. "Die Ersatzkandidaten hätten mit Hilfe von Teleios die nötige Mehrheit erreicht", so ein Insider. Finanzkreisen zufolge haben jedoch auch andere, kleinere Investoren ihre Stimmen verspätet angemeldet. Es ist unklar, wie sich das auf das Abstimmungsergebnis ausgewirkt hätte, wenn das nicht passiert wäre.

Jetzt entscheidet das Amtsgericht

Wer jetzt in den Aufsichtsrat nachrücken darf, entscheidet das Amtsgericht Wiesbaden. Teleios hat in einem Brief, den der Investor unter anderem an die Bank schickte und darin die Panne bei Morgan Stanley beschrieb, dafür plädiert, dem Gericht die Petrus-Kandidaten für den Aufsichtsrat vorzuschlagen. Das Finanzinstitut reagiert darauf mit Verwunderung: Warum sollte man diejenigen nominieren, die bei der Hauptversammlung keine Mehrheit erhalten hätten, so ein Sprecher.

Die Bank hat offenbar andere Kandidaten ins Rennen gebracht als die von Petrus Genannten, darunter einen Banken-Experten und einen IT-Spezialisten. Noch ist unklar, wann genau das Wiesbadener Amtsgericht die neuen Kontrolleure bestellen wird und wer es am Ende wird.

"Morgan Stanley hat zur Destabilisierung der Bank beigetragen"

Morgan Stanley ist durch die Panne beim Abstimmungsprozess massiv in die Kritik gekommen. "Durch ihren Riesen-Sorgfaltsfehler, die in einer so wichtigen Situation eigentlich nicht passieren darf, hat Morgan Stanley zu einer Destabilisierung der Aareal Bank beigetragen", so ein Investor. Da die Investmentbank bei der Übernahmeofferte beratend eingebunden sei und sich auch um die Abwicklung kümmere, stelle sich die Frage nach einem potenziellen Interessenskonflikt.

Morgan Stanley wollte sich dazu nicht äußern. Auch Teleios und Petrus lehnten eine Stellungnahme ab.

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