Inflation Rückversicherer pochen auf steigende Prämien

Inflation, steigende Zinsen, drohende Rezession – der Ausblick auf die Konjunktur ist nicht rosig. Das erschwert auch die Verhandlungen der Rückversicher über neue Verträge mit den Erstversicherern. Gleichwohl erwarten Munich Re und Co steigende Preise.
Monte Carlo im Fürstentum Monaco: Nach zwei Jahren Unterbrechung wegen der Pandemie sind die Vertreter der weltgrößten Rückversicherer und ihre Kunden, Makler sowie die Erstversicherer wie Allianz, wieder an der Cote d'Azur, um neue Verträge auszuhandeln.

Monte Carlo im Fürstentum Monaco: Nach zwei Jahren Unterbrechung wegen der Pandemie sind die Vertreter der weltgrößten Rückversicherer und ihre Kunden, Makler sowie die Erstversicherer wie Allianz, wieder an der Cote d'Azur, um neue Verträge auszuhandeln.

Foto: Mark Thompson/ Getty Images

Die großen europäischen Rückversicherer wollen für das nächste Jahr erneut höhere Preise bei ihren Kunden durchsetzen. Swiss Re, Hannover Rück und Munich-Re verwiesen zu Beginn des Branchentreffens in Monte Carlo vor allem auf die Inflation und die kostspieligen Folgen des Klimawandels. Wenn die Preise nicht angepasst würden, drohen sich die Rückversicherer zumindest teilweise aus der Absicherung bestimmter Großrisiken zurückzuziehen.

Für Naturkatastrophen in Florida etwa – dort häufen sich Hurrikane und Überschwemmungen – werde das Angebot bereits knapp. Auch Hannover Rück bremst dort. "In der Schaden-Rückversicherung sind weitere risikoadjustierte Ratenerhöhungen deshalb unvermeidbar", sagte Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz (58) am Montag. Zum Teil könnten diese zweistellig ausfallen, machten die Rückversicherer klar.

Mit dem "Rendezvous de Septembre" in Monte Carlo beginnen traditionell die Verhandlungen mit Versicherern und Maklern über die Preise für die zum Jahreswechsel zu erneuernden Verträge. In den vergangenen Jahren hatten die Rückversicherer bereits regelmäßig höhere Preise durchgesetzt - im Branchenjargon ist das ein "harter Markt".

Diesmal steht die Frage im Mittelpunkt, ob sie ausreichen, um die sprunghafte Inflation auszugleichen. Analysten der Ratingagentur S&P erwarten im Schnitt einen Preisanstieg um etwa 5 Prozent. "Es ist keine einfache Zeit", sagte Henchoz. Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek (61) sagte: "Die nächste Erneuerungsrunde wird viel, viel herausfordernder als die letzte." Den Rückversicherern falle es angesichts der zahlreichen Unsicherheitsfaktoren schwer, verlässliche Annahmen zu treffen.

Preise auch für Kfz-Versicherungen dürften steigen

"Zusätzlich zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und den steigenden Schäden aus Naturkatastrophen ist die Rück- und Versicherungsbranche nun auch mit Themen wie Inflation, Rezessionsrisiko und geopolitischen Spannungen konfrontiert", erklärte Moses Ojeisekhoba, Rückversicherungs-Chef von Swiss Re. Höhere Risiken und die steigende Nachfrage dürften sich in steigenden Tarifen niederschlagen, glaubt der Manager.

Hannover Rück nennt auch die Kfz-Versicherung in Deutschland. Hier kämen mehr Unfälle nach dem Ende der Pandemie und höhere Reparaturkosten zusammen. Auch die Erstversicherer müssten die Prämien erhöhen. Ähnlich sei es bei Betriebsunterbrechungs-Versicherungen, wo gestörte Lieferketten das Angebot an Rohstoffen und Baumaterial verknappt, was zu längeren Stillständen führt.

Lieferketten, Cyber-Kriminalität und Energiekrise könnten für Wachstum sorgen

Zugleich sieht die Branche Wachstumschancen. Energieschocks, Cyber-Bedrohungen, Unterbrechungen von Lieferketten und andere Folgen geopolitischer Spannungen sowie die Auswirkungen des Klimawandels dürften laut Swiss Re die Nachfrage ankurbeln.

Der Züricher Konzern erwartet nach eigenen Schätzungen im Zeitraum 2022 bis 2026 in den gewerblichen Sparten weltweit einen Anstieg des Prämienvolumens um 33 Milliarden Dollar, unter anderem weil Produktionskapazitäten ins Inland zurückgeholt werden. Und sollten die geplanten Kapazitäten für erneuerbare Energien realisiert werden, dürften im Energiesektor bis 2035 zusätzliche Prämien in Höhe von 237 Milliarden Dollar generiert werden.

Munich Re rechnet vor allem wegen der hohen Inflation mit weiter steigenden Preisen für Rückversicherungsschutz. "Unser Prämienvolumen wird wachsen, allein schon wegen der Inflation", sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek (61). Zudem träfen wachsende Risiken durch den Klimawandel auf ein geschrumpftes Angebot an Rückversicherungsschutz. Auch dies spricht für höhere Prämien.

Die Volkswirte der Munich Re gehen davon aus, dass der weltweite Schaden- und Unfallrückversicherungsmarkt bis 2024 inflationsbereinigt um 2 bis 3 Prozent wachsen wird. Zwischen 2019 und 2021 waren es 6 Prozent, das Marktvolumen liege bei rund 309 Milliarden Euro.

Nach zwei Jahren Unterbrechung wegen der Corona-Pandemie treffen Vertreter der Branche seit diesem Wochenende wieder im Fürstentum Monaco an der Cote d'Azur mit ihren Kunden zusammen. Mit diesen Erstversicherern wie Allianz und Axa loten sie dort die Konditionen für die Vertragserneuerung zum kommenden Jahreswechsel aus.

rei/Reuters/dpa-afx
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