Stellenabbau und Investitionen ins Online-Geschäft C&A plant Neuausrichtung mit Jobabbau

Nach fast einem Jahr an der Spitze will die neue C&A-Chefin Giny Boer den kriselnden Modekonzern C&A neu ausrichten. Um ins Online-Geschäft investieren zu können, muss sie Stellen in der Zentrale streichen.
Krempelt die Modekette kräftig um: C&A-Chefin Giny Boer

Krempelt die Modekette kräftig um: C&A-Chefin Giny Boer

Foto:

C&A

C&A-Europachefin Giny Boer (59) greift durch. Fast ein Jahr nach Amtsantritt steht fest, wie die langjährige Ikea-Managerin den kriselnden Modekonzern neu ausrichten will. Eckpfeiler der Agenda sind nach Informationen von manager magazin Investitionen ins bislang vernachlässigte Online-Geschäft sowie die Zentralisierung wesentlicher Aufgaben in der Verwaltung, um Abläufe zu beschleunigen und Personalkosten zu sparen. Demnach werden am heutigen Mittwoch die Sozialpartner informiert. Wie viele Stellen wegfallen, ist offenbar noch unklar und abhängig von den nun beginnenden Verhandlungen. Eine Sprecherin bestätigt die Informationen auf Anfrage.

Die anstehenden Gespräche könnten sich als zäh entpuppen, schließlich hatten auch Boers Vorgänger mehrfach Personalkosten gekürzt.

Trotzdem leistet sich C&A noch immer zwei Hauptverwaltungen, eine in Brüssel und eine in Düsseldorf. Künftig dürfte der Standort Düsseldorf gestärkt werden, die Zentrale in Belgien könnte, so schätzen Insider, wegfallen. Die Länderorganisationen werden ebenfalls neu geordnet. Der wichtigste Markt Deutschland bleibt als separate Organisation erhalten, die übrigen Märkte werden zusammengefasst: in Mittelosteuropa, Benelux und Südeuropa.

Zuständig für die zentralen Bereiche in der Geschäftsführung sind künftig neben CEO Boer, Birgit Kretschmer (CFO), Eric Brenninkmeijer (Clusters & Countries), Martijn Van der Zee (Merchandise & Sustainability), Joris Van Rooy (Digital & Consumer), Jean Sebastien Guy (People & Culture) und Betty Kiess (Corporate Communications).

C&A leidet seit Jahren an der zunehmenden Konkurrenz durch Discounter wie Primark und Aldi und den sinkenden Besucherfrequenzen in den Innenstädten. An der Neuausrichtung haben sich bereits viele Manager versucht, zuletzt der frühere Rewe-Chef Alain Caparros, dessen Bilanz verheerend ausfiel. Laut Insidern soll der Franzose allein Personalkosten im hohen zweistelligen Millionenbereich verursacht haben.

Boer erneuert C&A-Führungsteam fast komplett

Laut der jüngsten verfügbaren Bilanz hat C&A im Geschäftsjahr 2019/2020, das Ende Februar 2020 und damit vor den flächendeckenden Lockdown-Maßnahmen, abgeschlossen wurde, allein im Kernmarkt Deutschland einen Jahresfehlbetrag von 93,6 Millionen Euro angehäuft. Der Umsatz sank um 2,26 auf 2,16 Milliarden Euro.

Pandemiebedingt dürfte die Bilanz für das Geschäftsjahr 2020/2021 noch wesentlich verheerender ausgefallen sein.

Seit Januar dieses Jahres soll Boer für die Wende sorgen. Zuvor stand die 59-Jährige fast ein Vierteljahrhundert in Diensten des schwedischen Möbelkonzerns Ikea, den sie im Dezember 2018 verlassen hat. Wie viele ihrer Vorgänger hat sich Boer für die Herkulesaufgabe fast ein komplett neues Team zusammengestellt. Personalchef Guy kam von Ikea, Digitalchef Van Rooy von Nike, Finanzerin Kretschmer von Adidas und Kommunikationschefin Kiess von Eon.

C&A betreibt 1400 Filialen in 18 europäischen Ländern und beschäftigt 23.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen gehört dem deutsch-niederländischen Brenninkmeijer-Clan, dessen milliardenschweres Vermögen in diesem Jahr  auch wegen der Geschäftsentwicklung bei C&A geschrumpft sein dürfte. Allerdings hat das Unternehmen für die Familie zuletzt stark an Bedeutung verloren. Bereits 2018 sollen die Brennikmeijers versucht haben, C&A an ein chinesisches Unternehmen zu verkaufen, später brachte die Familie die brasilianische Tochter an die Börse, im Vorjahr wurde das China-Geschäft an einen Investor verkauft. Geblieben ist das Europageschäft – und eine gewaltige Aufgabe für Boer.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.