Freitag, 15. November 2019

Sammelklage IKB kommt nicht an US-Prozess vorbei

Die Mittelstandsbank IKB muss sich einer Sammelklage von Investoren in ihre riskanten Finanzprodukte in den USA stellen. Die Kläger werfen dem deutschen Institut vor, die Zweckgesellschaft Rhinebridge bewusst mit Schrottpapieren befüllt zu haben. Auch Ex-Chef Stefan Ortseifen muss sich erneut verantworten.

New York - Eine Richterin am Bezirksgericht im New Yorker Stadtteil Manhattan wies den Antrag der Bank auf Abweisung der Klage am späten Dienstagabend zurück. In dem Verfahren geht es um die Zweckgesellschaft "Rhinebridge", die die IKB im Juni 2007 gegründet hatte - einen Monat, bevor sie selbst gerettet werden musste. Rhinebridge, in der riskante Subprime-Immobilienkredite geparkt waren, brachte nicht nur die IKB in der Finanzkrise an den Rand des Zusammenbruchs, sondern auch Investoren um Hunderte Millionen Dollar.

Betrugsopfer oder Betrüger? Die IKB legte "den kurzlebigsten Investmentfonds mit Triple-A-Rating in der Geschichte der Unternehmensfinanzierung" auf - den Schaden hatten US-Gemeinden und -Studentenfinanzierer, aber auch die Bank selbst
In der Klage wird der IKB vorgeworfen, sie habe von vornherein gewusst, dass das Investment-Vehikel wahrscheinlich zusammenbrechen werde. Vor einer Woche hatte Richterin Shira Scheindlin im gleichen Verfahren die Anträge der Ratingagenturen Moody's und Standard & Poors' (S&P) abgelehnt, sie aus dem Verfahren zu entlassen. Die Kläger haben sie im Visier, weil sie Rhinebridge Spitzennoten gegeben hatten. Die Kläger nannten Rhinebridge in der Klage "den kurzlebigsten Investmentfonds mit Triple-A-Rating in der Geschichte der Unternehmensfinanzierung". Die IKB wollte zu dem Richterspruch zunächst nicht Stellung nehmen.

"Rhinebridge" musste im August 2008 mit großen Verlusten für die Anleger abgewickelt werden. Von ihren 1,1 Milliarden Dollar konnten sie nur 55 Prozent retten. Die Klage war im Oktober 2009 vom King County, einem Bezirk im US-Bundesstaat Washington, eingereicht worden, der das Geld von mehr als 100 staatlichen Einrichtungen verwaltet. Die Iowa Student Loan Liquidity Corp, die Studentendarlehen vergibt, hatte sich später angeschlossen.

Die IKB hatte die Zuständigkeit des US-Gerichts bestritten, weil sie in New York, wo Rhinebridge gegründet worden war, gar nicht tätig gewesen sei. Das ließ die Richterin nicht gelten. Die Bank habe bewusst New York als "Hauptstadt der US-Märkte" als Sitz von Rhinebridge gewählt.

Neben der IKB ist auch ihr damaliger Vorstandschef Stefan Ortseifen beklagt, der sich derzeit auch einem Strafverfahren in Düsseldorf wegen seiner Rolle bei dem Beinahe-Zusammenbruch der Bank stellen muss. Er hatte in dem US-Verfahren erklärt, er sei nach der Gründung von Rhinebridge gar nicht in New York gewesen und habe auch sonst keine Beziehung zu der Metropole. Nun haben die Streitpartien 90 Tage Zeit zu klären, ob er im Verfahren bleiben soll.

manager magazin mit Material von reuters

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung