Mittelstand Stimmung steigt in Rekordtempo

Die Erholung des deutschen Mittelstands hat sich im August beschleunigt. Der von KfW und Ifo-Institut veröffentlichte Geschäftsklimaindex stieg so stark wie noch nie. Dennoch bleibt der Indikator negativ.

Berlin - Das Geschäftsklima hellte sich zum fünften Mal in Folge auf, wie die staatliche KfW-Bankengruppe am Montag in Frankfurt berichtete. Der Zuwachs bei den Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate sei der stärkste seit Beginn der Erhebungen 1991. Die Erwartungen hätten damit "nahezu wieder ihr langfristiges Durchschnittsniveau" erreicht.

Die KfW ermittelt den Indikator gemeinsam mit dem Münchener Ifo-Institut. Besonders erfreulich sei, dass zum Klimaanstieg im Mittelstand im August neben den Geschäftserwartungen zum zweiten Mal in Folge auch die verbesserte Einschätzung der Geschäftslage beigetragen habe.

"Das August-Ergebnis ist rundum erfreulich", sagte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch. Gleichzeitig betonte er: "Man darf allerdings nicht vergessen, auf welch niedrigem Niveau die Anstiege aufsetzen."

Für die kommenden Monate sieht Irsch zwar eine positive konjunkturelle Entwicklung. Die negativen Folgen der Rezession für Beschäftigung und Staatsfinanzen stünden aber noch bevor: "Auch Rückschläge sind möglich, vor allem, wenn die Stimuli aus den Konjunkturprogrammen auslaufen, die globale Nachfrage sich nicht so durchgreifend erholt, dass sie die bislang noch von der Kurzarbeit getragene Stabilisierung auf dem Arbeitsmarkt auffangen kann, oder wenn sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen weiter verschlechtern", warnte der KfW-Chefvolkswirt.

Das KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer ist eine Auswertung des großen Ifo-Geschäftsklimaindex nach verschiedenen Größenklassen der Firmen. Grundlage sind monatliche Angaben von rund 7000 Unternehmen zu ihrer wirtschaftlichen Lage.

Die Unternehmen beurteilten vor allem ihre Geschäftsaussichten für das kommende halbe Jahr deutlich optimistischer. Aber auch ihre gegenwärtige Lage schätzten sie besser ein. Der Indikator stieg um 5,5 Zähler auf minus 6,8 Punkte; das ist der fünfte Anstieg in Folge und das stärkste Plus seit Beginn der Zeitreihe 1991.

Das Teilbarometer für die Geschäftsaussichten sprang um 8,2 Punkte und erreichte mit minus 1,4 Zählern fast wieder das langfristige Durchschnittsniveau. Der Lageindex legte um 3,2 Zähler auf minus 11,9 Punkte zu.

Die Stimmung bei den Großunternehmen hellte sich der Studie zufolge ebenfalls auf, der Index stieg um 4,5 Punkte auf minus 17,7 Zähler. "Damit blieb der Zuwachs jedoch deutlich hinter dem Rekordwert der kleinen und mittleren Unternehmen zurück", hieß es. Am besten ist das Geschäftsklima wie schon im Juli im Einzelhandel.

Eigentlich relevant für Großunternehmen aber ist der Ifo-Index, der sich zuletzt auch nach oben bewegt hat. Aber auch im verarbeitenden Gewerbe und im Großhandel zog das Barometer an. In beiden Branchen bewegten sich die Klimaeinschätzungen wieder auf dem Niveau von Oktober 2008, als der tiefe Fall begann. Die deutsche Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal überraschend aus der tiefsten Rezession seit Gründung der Bundesrepublik befreit. Experten erwarten auch für das laufende Sommerquartal eine deutliche Konjunkturbelebung. Zuletzt sammelte die Industrie im Juli mehr Aufträge ein.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

Mehr lesen über Verwandte Artikel