Freitag, 23. August 2019

Arag-Chef "Die Allfinanz-Mode ist erledigt"

3. Teil: Neue Partnerschaft mit der Wiener Städtischen

mm.de: Auch die Belegschaft musste für den Erfolg der Arag einstehen. In den vergangenen Jahren haben sie rund ein Viertel der Beschäftigten entlassen. Kommt Ihr Haus in den Augen mancher Bürger vielleicht deshalb derzeit nur wenig besser weg als die oft gescholtenen Großkonzerne?

Kooperation beschlossen: Arag arbeitet in Osteuropa künftig mit der Wiener Städtischen Versicherung zusammen
Robert Newald
Kooperation beschlossen: Arag arbeitet in Osteuropa künftig mit der Wiener Städtischen Versicherung zusammen
Faßbender: Ja, wir verdienen mit unserem operativen Versicherungsgeschäft gutes Geld. Das ist in der Branche nicht gerade die Regel. Die unternehmerische Substanz hat bei uns absoluten Vorrang. Dazu müssen die Mitarbeiter und auch die Eigner ihren Beitrag leisten. Grundsätzlich glaube ich aber, dass Familienunternehmen in den vergangenen Jahren geradezu wiederentdeckt worden sind. Wurden sie mit ihrer Vorsicht noch kürzlich belächelt, zeigen sie jetzt ihre Solidität.

mm.de: Warum aber beherrschen denn dann die großen Publikumsgesellschaften das Wirtschaftsgeschehen und nicht die Familienbetriebe, wenn diese doch so viel weitsichtiger agieren?

Faßbender: Weil sie in den Jahren der übertriebenen Renditeanforderungen mit ihren weniger spektakulären Weiterentwicklungen eben nicht so stark gewachsen sind, wie die Konkurrenz. Familienunternehmen wachsen eher organisch. Jetzt zeigt sich aber, dass das kein Nachteil sein muss, sondern eher ein Zeichen für Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit.

mm.de: Können Sie von der Solidität denn jetzt ganz zählbar profitieren? Etwa, in dem Sie schwächere Unternehmen günstig übernehmen?

Faßbender: Ich gehe davon aus, dass sich in unserer Kernsparte, der Rechtschutzversicherung, noch Kaufgelegenheiten ergeben werden. Und wir haben auch die Mittel dazu: Wir übererfüllen Eigenkapitalanforderungen. Und es kann gut sein, dass sich Großkonzerne, die sich zuletzt etwas verhoben haben, derzeit nicht so stark als Konkurrenten bemerkbar machen können.

mm.de: Wollen Sie die günstige Zukauflage auch international nutzen?

Faßbender: Zumindest Kooperationen wird es schon kurzfristig international geben, ja. Ich kann heute ankündigen, dass wir konkret über ein Joint Venture mit der Vienna Insurance Group (VIG) verhandeln, das uns gerade in Zentral- und Osteuropa ein großes Stück voranbringen wird.

mm.de: Was haben Sie denn genau gemeinsam vor - und halten Sie die Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen?

Faßbender: Unsere Planungen sehen vor, dass die VIG ihren österreichischen Rechtsschutzbestand in die Arag Österreich vollständig einbringen wird. Damit würden wir einen neuen Marktführer auf dem auf dem österreichischen Rechtsschutzmarkt schaffen. Das ist dann die richtige Ausgangsbasis, um in einem zweiten Schritt den zentral- und osteuropäischen Raum mit unserem Joint Venture zu erschließen. Alles Weitere werden wir in den kommenden Wochen mit VIG klären.

mm.de: War das dann vorerst der letzte Schritt in der Internationalisierung der Arag?

Faßbender: Nein, die Arag wird in einigen Jahren sicher noch deutlich internationaler sein als jetzt schon. Speziell in Amerika, auch in Südamerika und ausgewählten asiatischen Ländern sehe ich große Wachstumschancen. Sei es durch eigene Markteintritte oder Zukäufe.

mm.de: Wie wird die Arag in zehn Jahren aussehen?

Faßbender: Gut wird sie aussehen: Noch internationaler; ein gutes Stück größer als heute mit etwa 1,3 Milliarden Euro Prämieneinnahmen pro Jahr und weiterhin unabhängig als deutsches Familienunternehmen.

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