Dienstag, 20. August 2019

Arag-Chef "Die Allfinanz-Mode ist erledigt"

2. Teil: Verkauf aus Imagegründen

mm.de: Auf welchen Umsatz werden sie somit verzichten - und wie viele Mitarbeiter werden die Arag voraussichtlich verlassen müssen?

Faßbender: Wir haben uns bereits in den vergangenen Jahren von Teilen unserer IT und von einem großen Immobilienbestand getrennt, den wir jetzt nicht mehr verwalten müssen. Die großen Schnitte haben wir hinter uns. Ich gehe eher von kleineren Bereinigungen aus.

Arag-Versicherung: Familienunternehmer Faßbender sorgt sich um das Image der Branche
mm.de: Könnten Sie vielleicht auch Vertrauen zurückgewinnen, indem Sie das Kleingedruckte in den Verträgen durchforsten und umschreiben lassen? Und zwar soweit, bis die meisten Kunden verstehen, was ihr persönlicher Risikoschirm denn nun leistet?

Faßbender: Das ist eine weitere Lehre aus der Krise, wie ich finde. Es ist ganz wesentlich, klar verständliche Produkte zu entwickeln und die Rechte und Pflichten der Kunden daraus klar aufzuzeigen. Produkte also, die jedermann durchschaut. Das wird auch zur neuen Vertrauensbildung gehören. Im Rahmen der Vermögensberatung wurden zu vielen Menschen in den vergangenen Jahren komplizierte Geldanlagen verkauft, mit denen sie dann Verluste gemacht haben.

mm.de: Millionen Deutsche haben auch Lebensversicherungen gekauft, um damit selbst Krisenzeiten sicher durchzustehen. Können Sie Ihr Renditeversprechen denn jetzt halten, wenn es darauf ankommt - nämlich in der Krise?

Faßbender: Neue Finanzinvestments fallen uns zwar derzeit genauso schwer wie allen, die im größeren Stil Geld anzulegen haben. Der Markt gibt für Neuanlagen derzeit wenig her. Aber wir halten die Überschussbeteiligung mit 4,0 Prozent wie bisher angekündigt aufrecht, ja.

mm.de: Hat es Sie überrascht, dass der Vertrauensverlust der Bundesbürger Ihr Haus als Familienunternehmen genauso trifft, wie Großkonzerne? Konkurrenten also, die mit Managern an der Spitze agieren, die im Moment ohnehin nicht das beste Image haben?

Faßbender: Ich glaube, nach Jahren der Übertreibung wird nicht mehr so fein unterschieden. Aber viele Bürger wenden sich durchaus wieder konservativen Werten zu. Und tatsächlich wirtschaften wir anders als große Aktiengesellschaften, die vielfach eher auf den kurzfristigen Gewinn aus sind. Wir planen dagegen über Generationen. Dividendenwünsche der Familie beispielsweise haben stets hinter dem Unternehmenserfolg zurückzustehen. Vielleicht stehen wir als Familienunternehmen deshalb derzeit sogar ein wenig besser da, als es vielleicht vielfach wahrgenommen wird.

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