Donnerstag, 23. Januar 2020

Indien/China Guru gegen Glückskeks

2. Teil: "Sie haben nur fünf Jahre in China"

mm.de: Und welche Vorsichtsmaßnahmen empfehlen Sie?

Indien, Klischee und Wirklichkeit: Ein Guru lässt das Gewicht eines Forschers in Gold aufwiegen
Weiler: Im Idealfall sollten deutsche Unternehmen dort kein Joint Venture eingehen, sondern versuchen, den Filialaufbau in Eigenregie zu bewältigen. Dazu gehört sicher Mut, und anfangs wird das teurer sein als eine Partnerschaft mit einem chinesischen Unternehmen. Lässt sich ein Joint Venture nicht vermeiden - etwa weil das deutsche Unternehmen zu klein ist, um das Projekt allein durchzuziehen -, dann sollte man die Rollen geschickt verteilen. Dabei geht es nicht um die Mehrheit in der Partnerschaft. Die deutsche Seite sollte für das Marketing verantwortlich sein, während die chinesische die Produktion verantwortet. Damit kann man zumindest eine Zeitlang den eigenen Markennamen und die eigenen Entwürfe sichern und erschwert die Schattenfertigung. Die wird hundertprozentig kommen, das sollte man wissen.

mm.de: Schattenfertigung - Sie sprechen von Plagiaten?

Weiler: Genau. Wichtig ist außerdem ein Konzept, mit dem man spätestens nach drei Jahren die Investitionen wieder raus hat und das in den folgenden zwei Jahren gute Gewinne beschert. Spätestens dann wird der chinesische Partner versuchen, Sie mit den eigenen Konstruktionen vom Markt zu verdrängen.

mm.de: Warum fünf Jahre?

Weiler: Das hat mit geltenden Steuervergünstigungen zu tun. Nach fünf Jahren sind alle Fristen abgelaufen und die chinesische Seite ist nicht mehr auf den deutschen Partner angewiesen. Das ist genügend Zeit, um das nötige Wissen für Kopien zu sammeln. Fünf Jahre - da können Sie die Uhr nach stellen.

mm.de: Sie verallgemeinern sehr stark.

Weiler: Ich spreche von mittelständischen Unternehmen, etwa bis 1000 Mitarbeiter, und für die sind derlei Erfahrungen nach meiner Beobachtung durchaus verallgemeinerbar. Anders sieht es bei Großkonzernen aus, wo die öffentliche Aufmerksamkeit, besonders außerhalb Chinas, größer ist und von deren Wohlwollen mehr Arbeitsplätze abhängen.

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung