Werttreiber "Powerpoint reicht nicht aus"

Wer Geld für Wachstum braucht, muss möglichen Kreditgebern den Wert des Unternehmens darstellen - inklusive einer Strategie, wie sich dieser Wert steigern lässt. Die meisten Unternehmen sind sich über die aktuell wichtigsten Werttreiber einig, so das Ergebnis einer Studie. Doch dann fängt die Arbeit erst an.

Hamburg/Bonn - In Zeiten knapper Kredite muss man zeigen, was man kann und was man hat. Nachdem faule Kreditpakete in Milliardenhöhe geplatzt sind und tiefe Löcher in den Bankbilanzen hinterlassen haben, interessieren sich Kreditgeber wieder sehr genau für den Wert und das Steigerungspotenzial eines Unternehmens.

Wer darauf keine detaillierten Antworten parat hat, muss für seinen Kredit in der Regel mehr Geld bezahlen. Anders gesagt: Wer sich mit dem Thema "Werttreiber im Unternehmen" früh genug beschäftigt, dem fällt künftiges Wachstum operativ wie auch finanziell leichter.

Doch wie bemisst man den Wert eines nicht börsennotierten Unternehmens? Viele kleine und mittlere Unternehmen greifen bei der Bewertung unter anderem auf Branchenkennzahlen, die Marktstellung im Vergleich zur Konkurrenz sowie die eigene Produkt-Pipeline zurück. Auch die Innovationskraft fließt in die Berechnung ein: Transferraten geben zum Beispiel Auskunft darüber, in welchem Maße neue Entwicklungen nach einer bestimmten Zeit zur Umsatzentwicklung beigetragen haben.

Innovationen werden derzeit als der wichtigste Hebel gesehen, um den Wert eines Unternehmens zu steigern. Die große Mehrheit (87 Prozent) der 115 befragten Vorstände, Geschäftsführer und Bereichsleiter gab an, dass Innovationen eine hohe bis sehr hohe Bedeutung haben, zeigte eine Studie des MBA-Forschungszentrums der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg zum Thema "Werttreiber in Unternehmen".

Mit der Auflistung neuer Produkte ist das Thema Innovation jedoch nicht erledigt. "Im globalen Wettbewerb ist es längst nicht mehr ausreichend, mithilfe deutscher Ingenieurskunst eine überlegene Produktqualität zu liefern", sagt Christoph Wamser, MBA-Studiengangsleiter an der FH und Autor der Studie. Deutsche Unternehmen müssten darüber hinaus ihre Prozesse verbessern und auf diese Weise die Wertschöpfung optimieren: Auch auf dieser Ebene sei Innovation "ein entscheidender Faktor", sagt Wamser.

Gefährliches Herrschaftswissen

Gefährliches Herrschaftswissen

Weitere wichtige Werttreiber sind Vertrieb, Marketing und Service, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchung. Bei dem Ziel, Vertrieb und Marketing zu verbessern, spielen laut Wamser die Themen Schnelligkeit und Individualisierung eine bedeutende Rolle.

"Im Vertriebsprozess geht es vor allem darum, den Kunden schneller zu bedienen und dabei gleichzeitig sein individuelles Kundenprofil, seine Wünsche und Anforderungen zu berücksichtigen", erklärt der Autor der Studie.

Bei Mailing- und Vertriebsaktionen sowie auch im Callcenter eines Unternehmens sollte das individuelle Geschäftskundenprofil abrufbar sein. Eine beschleunigte und gleichzeitig personalisierte Interaktion mit dem Kunden setzt jedoch eine enge Zusammenarbeit in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Service voraus.

"Solange Mitarbeiter dieser Bereiche bestimmte Informationen als 'Herrschaftswissen' für sich behalten, wird sich dieses Ziel nicht erreichen lassen", meint der Studienleiter. Zumal der gesamte absatzbezogene Prozess künftig nicht nur schneller und individueller, sondern nach Möglichkeit auch effizienter und zu geringeren Kosten ablaufen soll.

Bei der Umsetzung dieser ehrgeizigen Ziele ist es also unverzichtbar, die betroffenen Mitarbeiter in den Abteilungen einzubeziehen und gemeinsam mit ihnen die Abläufe zu verändern.

Softwareprogramme, welche das Zusammenspiel mit den Kunden verbessern sollen, erleben derzeit einen Nachfrageboom, sind aber nur die halbe Miete. "Die schönste Powerpoint-Präsentation reicht nicht aus, wenn die als Werttreiber identifizierten Ziele nicht auch in den Köpfen der Mitarbeiter ankommen", fasst Wamser zusammen.

Das Drama der Umsetzung

Das Drama der Umsetzung

Es hapert also an der Umsetzung. Während Konzerne häufig ganze Strategieabteilungen mit der Aufgabe des Change Managements beschäftigen, fällt es kleineren und mittleren Unternehmen schwerer, die neuen Schwerpunkte in den täglichen Arbeitsprozess einzugliedern. Es geht darum, die als nötig und wichtig eingestuften Veränderungen in der Praxis abzuarbeiten.

Auch in der Studie der FH Bonn-Rhein-Sieg wird diese "Umsetzungslücke" deutlich. Zwar messen knapp 90 Prozent der Befragten dem Thema Innovation eine hohe bis sehr hohe Bedeutung bei, doch nur knapp 60 Prozent sehen sich in der Lage, die zur Umsetzung erforderlichen Instrumente in ausreichendem Maß zu nutzen.

"Change Management ist unterbewertet"

"Das Thema Change Management wird damit unterbewertet und müsste in den Unternehmen eine Aufwertung erfahren", folgert Wamser. Unternehmensberater könnten zwar analysieren und mögliche Veränderungen vorschlagen: "Doch nur interne Mitarbeiter können Veränderungen auch in die Praxis umsetzen."

Der Druck, Werte zu heben und die Wertsteigerungsstrategien mit verschiedenen Kreditgebern zu diskutieren, wird nach Einschätzung von Wamser zunehmen - und zwar unabhängig von der Eigentümerstruktur. Selbst wenn ein Unternehmen noch kein Private-Equity-Unternehmen an Bord hat, käme es nicht umhin, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.

Das Thema Wertsteigerung werde in den kommenden Jahren an Bedeutung zunehmen, ist die Mehrheit (61 Prozent) der befragten Unternehmer überzeugt. "Der Druck von außen wächst, doch viele Unternehmer sehen das sportlich", sagt Wamser. "Wer damit richtig umgeht, bleibt fit für den weltweiten Wettbewerb."

Unternehmenserfolg: Die vier wichtigsten Werttreiber

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