Investivlohn Für wen sich die Beteiligung der Mitarbeiter lohnt

An steigenden Gewinnen der Unternehmen teilhaben: Die Koalition will die Mitarbeiterbeteiligung stärken, ist aber über eine Minimalförderung nicht hinausgekommen. manager-magazin.de nennt die Schwachstellen des Konzepts - aber auch die Chancen, die sich für Unternehmen durch Beteiligung ihrer Mitarbeiter bieten.

Hamburg - Ein großer Wurf sieht anders aus. Eine "Gesellschaft von Teilhabern" wollte die Koalition mit ihrem Konzept zur Mitarbeiterbeteiligung langfristig schaffen. Wenn eine möglichst große Zahl von Beschäftigten an den künftigen Gewinnen ihrer Unternehmen direkt beteiligt ist, so die kühne Kalkulation, dann lässt sich auch dem Problem der ungleichen Vermögensverteilung langfristig beikommen.

Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler outeten sich bereits 2006 als Beteiligungsfans. Mit dem Zauberwort "Mitarbeiterbeteiligung" lässt sich trefflich Wahlkampf machen, vor allem dann, wenn die Firmengewinne wie derzeit schneller steigen als die Löhne. Niemand soll abgehängt werden, das klingt doch vielversprechend.

Das Konzept, das die Arbeitsgruppe der Bundesregierung unter Leitung von Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) vorgestellt hat, wird der Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland jedoch kaum zum Durchbruch verhelfen. Nur 2 Prozent der deutschen Unternehmen beteiligen ihre Angestellten derzeit direkt am Firmenkapital, das ergibt knapp 2,5 Millionen Teilhaber. Damit hinkt Deutschland weit hinter den meisten europäischen Nachbarn hinterher.

Drei Schwachpunkte des neuen Förderkonzepts sorgen dafür, dass Deutschland beim wichtigen Thema Beteiligung weiterhin zurückbleiben wird. Das Konzept ist erstens zu zaghaft, weil es nicht wirklich etwas kosten darf und die minimale steuerliche Förderung damit eher symbolischen Charakter hat. Es geht zweitens an der Realität der kleinen und mittleren Betriebe vorbei und verfehlt damit die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland. Und es schafft mit seinem viel diskutierten Branchenfonds ein Instrument, das schon in seiner Geburtsstunde an Bürokratie und mangelnder Flexibilität zu ersticken droht.

Beteiligungen beleben

Dabei lohnen sich Mitarbeiterbeteiligungen - für den Mitarbeiter wie für das Unternehmen. "Eine direkte Beteiligung am eigenen Unternehmen bringt zahlreiche Vorteile: Motivation, eine stärkere Bindung ans Unternehmen und meist auch mehr Innovationen", sagt Heinrich Beyer, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft "Partnerschaft in der Wirtschaft" (AGP), im Gespräch mit manager-magazin.de. Die AGP vertritt rund 250 Betriebe mit unterschiedlichen Beteiligungsmodellen und dient als Austauschplattform für praktische Erfahrungen. Die Spanne reicht von Belegschaftsaktionären bis zu stillen Gesellschaftern und Inhabern von Genussrechten.

Und Belebung tut Not, wenn deutsche Unternehmen im Innovationswettlauf bestehen wollen. In einer Gallup-Umfrage unter deutschen Arbeitnehmern gaben knapp 70 Prozent der Befragten an, lediglich "Dienst nach Vorschrift" zu leisten. Ein Beteiligungsmodell, das auf gelebte Partnerschaft zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitern setzt, ist nach Ansicht von Beyer ein hervorragendes Gegenmittel gegen solch eine innere Lähmung.

Höhere Freibeträge und ein Branchenfonds

Höhere Freibeträge und die Angst der Sozialkassen

Die Eckpunkte des Gesetzentwurfs: Die Koalition will den Steuerfreibetrag für direkte Beteiligungen ab Januar 2009 von 135 auf 360 Euro pro Jahr anheben. Diese Summe bleibt jedoch nur dann steuer- und abgabenfrei, wenn sie ein freiwilliger Zuschuss des Arbeitgebers ist: Sie darf nicht aus dem steuer- und sozialversicherungspflichtigen Einkommen des Beschäftigten stammen.

Das bedeutet: Steuervorteile gibt es nur, wenn der Arbeitgeber die Summe freiwillig drauflegt. Sie darf auch kein Ersatz für sonstige Leistungen des Arbeitgebers, zum Beispiel das Angebot einer Entgeltumwandlung zum Zwecke der Altersvorsorge, sein. Mit diesen Einschränkungen will die Koalition sicherstellen, dass den Renten- und Sozialkassen kein Cent verloren geht: Angesichts des ohnehin geringen, eher symbolischen Freibetrags von 360 Euro pro Jahr ein schon rührendes Unterfangen.

Selbst wenn im kommenden Jahr eine Million Beschäftigte in Deutschland zusätzlich in die Mitarbeiterbeteiligung einsteigen und die volle Förderung erhielten, würde das den Fiskus rund 150 Millionen Euro und die Sozialversicherungen keinen Cent kosten, hat die AGP. "Bei der neuen Förderung der Mitarbeiterbeteiligung handelt es sich um eine fast kostenneutrale Symbolik", sagt AGP-Geschäftsführer Beyer.

Anders gesagt: Die Koalition will damit werben, sie habe das Thema Mitarbeiterbeteiligung "angepackt". Aber kosten darf es den Fiskus so gut wie nichts. Die Initiative müssen also weiterhin die Firmen übernehmen.

Branchenfonds als Angebot für den Mittelstand

Mit der gewünschten direkten Beteiligung am Unternehmen ist das allerdings so eine Sache. Da die meisten mittelständischen Unternehmen keine Kapitalgesellschaften, sondern Personenunternehmen oder GmbHs sind, können sie auch keine Aktien an ihre Beschäftigten ausgeben.

Ein Unternehmen soll deshalb alternativ dazu die Möglichkeit haben, den gleichen Betrag steuer- und abgabenfrei in einen sogenannten Branchenfonds einzuzahlen. Diese neu zu schaffenden Fonds müssen 75 Prozent ihres Vermögens in diejenigen Unternehmen investieren, aus denen sie ihr Geld bekommen. Ein Unternehmen kann also seinen Beschäftigten statt einer direkten Kapitalbeteiligung am eigenen Unternehmen auch Branchenfondsanteile anbieten.

Die Beteiligung über einen Branchenfonds ist vor allem für mittelständische Unternehmen gedacht, die Mitarbeiter zwar grundsätzlich stärker als bisher am Unternehmenserfolg beteiligen, aber keine Belegschaftsaktien und auch keine entsprechenden Mitbestimmungsrechte ausgeben wollen.

Arbeitsminister Scholz hofft, dass sich über den Umweg Branchenfonds die Zahl der "Teilhaber" in Deutschland von derzeit rund 2,5 Millionen mittelfristig auf 3 bis 3,5 Millionen Beschäftigte erhöht. Doch der Weg dorthin ist steinig, wie ein Blick auf die in Deutschland praktizierten Beteiligungsmodelle zeigt.

Belegschaftsaktien für die Großen

Belegschaftsaktien: Steuervorteil für die Großen

Rund eine Million Beschäftigte in Deutschland sind Belegschaftsaktionäre und damit direkte Teilhaber ihres Unternehmens. Bei großen Aktiengesellschaften wie RWE , Allianz , Siemens  oder BASF  ist es jahrzehntelange Tradition, eigene Aktien zu vergünstigten Kursen an Mitarbeiter auszugeben.

Die große Mehrzahl der Dax-30-Unternehmen legt inzwischen solche direkten Beteiligungsprogramme für ihre Mitarbeiter auf, die Rabatte auf die aktuellen Kurse an der Börse betragen in der Regel deutlich mehr als 10 Prozent.

Wären etwa bei der BASF  alle Beteiligungsprogramme seit den 60er Jahren voll gezeichnet worden, besäßen die Beschäftigten jetzt ein Drittel des Unternehmens, berichtet der ehemalige BASF-Vorstand Max Dietrich Kley.

Über die Kursentwicklung und die gezahlten Dividenden ihrer Aktien sind Belegschaftsaktionäre auf leicht nachvollziehbare Weise am künftigen Erfolg oder Misserfolg ihres Unternehmens beteiligt. Die Ausgabe von Mitarbeiteraktien ist ein Königsweg der direkten Mitarbeiterbeteiligung, der jedoch vor allem von den großen Kapitalgesellschaften genutzt wird.

Die größten Gewinner des Konzeptes zur Stärkung der Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland sind ausgerechnet die Unternehmen, die ihre Mitarbeiter ohnehin schon aus langer Tradition über Belegschaftsaktien beteiligen. Ob man den Kreis der Mitspieler damit vergrößert, bleibt fraglich.

Das Konzept der Koalition wendet sich vor allem an die Beschäftigten von Aktiengesellschaften, wendet denn auch BDI-Präsident Jürgen Thumann ein. Auf diese Weise würden vor allem große börsennotierte Konzerne steuerlich begünstigt. Gleichzeitig gehe das Konzept an den meisten Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Deutschland vorbei, die eben keine Wertpapiere als einfachste Beteiligungswährung ausgeben.

Warum der Mittelstand skeptisch ist

Mittelstand: Skepsis vor direkten Beteiligungen

Kleinere und mittlere Betriebe sind aus verschiedenen Gründen zurückhaltend gegenüber direkten Beteiligungen am Betrieb. "Direkte Beteiligungen bedeuten Informationspflichten für das Unternehmen und bringen in einigen Fällen auch weitergehende Mitbestimmungsrechte für die Beschäftigten mit sich", erläutert Beyer.

Die Vorstellung, der "Belegschaft von Teilhabern" regelmäßig die Zahlen des Unternehmens offenlegen zu müssen, dämpft bei vielen Firmenlenkern die Begeisterung für derlei Modelle. Die Aussicht, bei wichtigen strategischen Entscheidungen auf die Zustimmung der Mitarbeiter angewiesen zu sein, wirkt ebenfalls nicht gerade als Ansporn für eine neue Struktur.

Viele Mittelständler greifen daher auf Genussrechte, Mitarbeiterdarlehen oder stille Beteiligungen zurück, erklärt Beyer. Es sind Instrumente, die den Beschäftigten zwar finanziell beteiligen, aber nicht in die Entscheidungen des Unternehmens einbinden.

Gewinnbeteiligung beliebt, aber nicht gefördert

Deutlich beliebter als die direkte Beteiligung ist bei kleineren und mittleren Unternehmen die Gewinnbeteiligung, ergab eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Etwa jedes zehnte Unternehmen in Deutschland schüttet am Ende eines erfolgreichen Geschäftsjahres eine Prämie oder einen festgelegten Anteil am Gewinn an die Mitarbeiter aus. Für die Betroffenen ist das erfreulich - da sie jedoch keine Firmenanteile erwerben, sind sie damit noch nicht an den künftigen Gewinnen des Unternehmens beteiligt.

Für die im Mittelstand bevorzugte Gewinnbeteiligung gibt es daher keine steuerlichen Vorteile. Sie gilt laut Konzept der Koalition als nicht förderungswürdig, da sie Mitarbeiter nicht zu dauerhaften Teilhabern macht.

Branchenfonds als Brücke?

Branchenfonds als Brücke?

Auch die Koalition hat das Problem erkannt, dass ihre offizielle Zielgruppe Mittelstand von einer leicht verbesserten steuerlichen Förderung nichts hat - schlicht aus dem Grund, weil die meisten Mittelständler keine direkten Beteiligungen anbieten können oder wollen. Hier sollen die neuen Branchenfonds eine Lösung bieten: Deren Anteile als Beteiligungswährung anerkannt und steuerlich gefördert werden.

Ein Unternehmer zum Beispiel aus der Maschinenbaubranche kann also seinen Beschäftigten derlei Fondsanteile anbieten, ohne den Mitarbeitern gleichzeitig tieferen Einblick in die Bücher geben zu müssen. Anteile bis zu 360 Euro im Jahr bleiben für ihn dennoch steuer- und abgabenfrei.

Der Fonds soll ein "unbürokratisches, modernes Instrument" werden, das für den Arbeitnehmer "leicht handhabbar" und eine "mittelstandsfreundliche Lösung" isei, warb Scholz. Er hoffe, dass jetzt neben die Aktiengesellschaften auch viele mittelständische Unternehmen träten, die bisher in puncto direkter Beteiligung "fast gar nichts gemacht haben".

75 Prozent fließen zurück in Geberunternehmen

Eine kühne Wette. Denn die künftigen Fondsmanager müssen 75 Prozent des eingesammelten Kapitals wieder in eben jene Unternehmen investieren, aus denen die am Fonds beteiligten Arbeitnehmer kommen. Sie sind in der Auswahl ihrer Investitionsziele stärker eingeschränkt als ihre Kollegen aus einem beliebigen "freien" Branchenfonds. Ob sie trotz dieser Restriktionen eine vergleichbare oder bessere Rendite erzielen als diejenigen, die mehr Auswahl haben, ist zweifelhaft.

Zudem muss der Gesetzgeber die Branchenfonds, die er steuerlich besser stellt, auch regelmäßig kontrollieren - dies klingt nicht nach einfacher, unbürokratischer Lösung. Ob ein Branchenfonds sein wichtigstes Ziel erfüllt, nämlich die Bindung und Motivation der Mitarbeiter an ihr Unternehmen zu erhöhen, bleibt fraglich: Schließlich fließt das investierte Geld nur über einen Umweg zurück.

Branchenfonds gibt es am Kapitalmarkt bereits wie Sand am Meer. Zu einer einfachen, breiten Förderung bestimmter Fondsprodukte konnte sich die Koalition jedoch nicht durchringen, da sie ihr Prinzip der "direkten Beteiligung" aufrechterhalten will. Gefördert werden nur neue Fonds, die neu geschaffen werden und nach eigenen Regeln spielen müssen.

Förderung bleibt inkonsequent

Förderung bleibt inkonsequent

Die Förderung bleibt damit inkonsequent. Mit Einführung der Abgeltungsteuer greift der Fiskus ab 2009 kräftig bei Aktien- und Vorsorgesparern zu.

Der Staat mindert die Attraktivität einer Aktienanlage erheblich - obwohl er Bürger doch angeblich stärker an Unternehmensgewinnen beteiligen will. Gleichzeitig definiert er eine neue, winzige Nische im Fondsuniversum, die unter bestimmten Bedingungen steuerlich gefördert werden soll. Für Branchenfonds gibt es kleine Freibeträge, bei fast allen übrigen Fonds schlägt die Steuer künftig stärker zu.

Der im Konzept vorgestellte Branchenfonds ist außerdem nicht in der Lage, das gefürchtete "Klumpenrisiko" aus dem Weg zu räumen. Vor allem Gewerkschaften haben sich in der Vergangenheit häufig gegen direkte Kapitalbeteiligungen am eigenen Unternehmen ausgesprochen: Geht der Betrieb pleite, verliert der Betroffene nicht nur seinen Arbeitsplatz, sondern möglicherweise auch viel Kapital.

Die Insolvenz und das "Klumpenrisiko"

Das Gegenrezept, das Geld in möglichst viele verschiedene Firmenbeteiligungen zu investieren, würde ein breit gestreuter Fonds am ehesten erfüllen - doch auch diese fallen durch das Raster des Gesetzgebers. Auch AGP-Geschäftsführer Beyer befürchtet, dass die bislang favorisierten Branchenfonds einen "hohen Verwaltungsaufwand" bedeuten. Er würde eine direkte Beteiligung am Unternehmen stets vorziehen, da er die Diskussion um "Klumpenrisiken" und eine mögliche Insolvenz des Unternehmens für "völlig überzogen" hält.

"Erstens bleibt die Beteiligung freiwillig, und zweitens handelt es sich in den allermeisten Fällen um überschaubare Beträge in Höhe von 500 bis 1000 Euro pro Jahr", sagt Beyer. Wahrscheinlich hätten Inhaber der "Volksaktie" Deutsche Telekom  in den vergangenen Jahren mehr Geld verloren als alle beteiligten Mitarbeiter zusammen, die in den vergangenen 50 Jahren von der Insolvenz ihres Unternehmens betroffen waren.

Zumindest einen Versuch sei der Branchenfonds wert. "Solange ein Branchenfonds die Möglichkeit einer direkten Beteiligung nicht ersetzt und es beim Prinzip der Freiwilligkeit bleibt, ist es zumindest einen Versuch wert", ergänzt der Beteiligungsexperte. Er warnt jedoch vor einer zu starken Reglementierung der Fondsmanager: "Der soll Rendite erwirtschaften."

"Steuervorteile sind nur Begleitmusik"

Klassischer Mix: Stille Beteiligungen und Genussrechte

Gut möglich, dass Mittelständler auch künftig auf Mischformen der Beteiligung setzen und nicht auf den Branchenfonds wechseln. Etwa 1000 Betriebe in Deutschland haben einen Teil ihrer Beschäftigten zu stillen Gesellschaftern gemacht, berichtet Beyer. Damit sind sie zwar am Kapital der Gesellschaft mit allen Chancen und Risiken beteiligt, nicht aber an den Entscheidungen der Geschäftsführung.

Eine weitere Variante ist die Ausgabe von Genussrechten: Für ihr eingezahltes Geld bekommen die Angestellten regelmäßige Ausschüttungen, deren Zinssatz sich am Unternehmenserfolg orientiert und der meist deutlich höher ist als eine klassische Bankverzinsung. Rund 500.000 Beschäftigte in Deutschland sind derzeit über Genussrechte, Firmenkredite oder als stille Gesellschafter an ihren Unternehmen beteiligt.

"Diese Art der Beteiligung kann auch bedeuten, dass der Mitarbeiter in schlechten Jahren Verluste des Unternehmens ebenfalls mitträgt", sagt Beyer. In diesem Fall wird das von den Mitarbeitern zur Verfügung gestellte Kapital als Eigenkapital gewertet und dient häufig der Verbesserung des Kreditratings. "Die Möglichkeiten der Beteiligung sind extrem vielfältig - hat man sich grundsätzlich für eine Beteiligung entschieden, findet man früher oder später auch das passende Modell."

"Steuervorteile sind nur Begleitmusik"

"Der entscheidende Impuls, Beteiligungmodelle einzuführen, muss von Mitarbeitern und Unternehmern kommen", meint der Experte der AGP. "Und zwar aus der Einsicht heraus, dass von solch einer gelebten Partnerschaft im Betrieb Mitarbeiter, Gesellschafter und Geschäftsführer gleichermaßen profitieren."

Beteiligung bedeute Motivation, Mitdenken und eine bessere Unternehmenskultur: "Die steuerliche Förderung ist nur Begleitmusik, die nimmt man mit, aber richtet nicht alles danach aus."

Der auf 360 Euro erhöhte Freibetrag sei zwar im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarn sehr bescheiden. Doch da auch die vermögenswirksamen Leistungen (400 Euro VWL pro Jahr) nebst leicht erhöhter Arbeitnehmer-Sparzulage (80 Euro) in direkte Beteiligungen am Unternehmen investiert werden können, ergebe sich theoretisch immerhin ein Betrag von bis zu 840 Euro pro Jahr. Diese Rechnung setzt voraus, dass der Mitarbeiter seine gesamten VWL freiwillig nebst Sparzulage in Unternehmensanteilen anlegt und der Arbeitgeber freiwillig 360 Euro Investivlohn drauflegt. "

Natürlich könne man sich auch einfachere Förderungen der Mitarbeiterbeteiligung vorstellen, zum Beispiel einen generellen Steuerfreibetrag von 1000 Euro für betriebliche Anlagen, sagt Beyer. Doch es sei zumindest positiv, dass die Koalition die Bedeutung der Mitarbeiterbeteiligung als "wichtiges Instrument der Unternehmensführung" anerkannt habe.

Die Chance, das Förderungswirrwar zu entrümpeln und mit einfachen Lösungen zu werben, hat die Koalition mit ihrem aktuellen Entwurf jedoch verpasst. Offenbar war die Angst, eine Konkurrenz zur betrieblichen Altersvorsorge zu schaffen, größer als die Lust, einen wirklich großen Schritt in Richtung "Gesellschaft von Teilhabern" zu tun.

Investivlohn: Eine 140-jährige Debatte

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