Mittelstand Stimmungstief? Von wegen!

Ölpreis hin, Finanzkrise her: Die mittelständischen Unternehmen lassen sich ihre gute Laune nicht verderben. Das fand die DZ Bank in einer Umfrage heraus - und widerspricht damit dem Ergebnis eines renommierten Wirtschaftsinstituts.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Ölpreis und Euro steigen auf Rekordstände und die Folgen der Subprime-Krise sind noch nicht in ihrer ganzen Breite absehbar. Dennoch ist der deutsche Mittelstand einer Studie zufolge bester Laune. "Trotz der Belastungen ist der Aufschwung noch nicht zu Ende", fasst Hans Jäckel von der DZ Bank das Ergebnis der Herbstumfrage zusammen. 1500 Mittelständler mit einem Umsatz zwischen 500.000 Euro und 125 Millionen Euro sind im September dieses Jahres von der Genossenschaftsbank befragt worden.

Die Unternehmen schätzen demnach die Geschäftslage noch besser ein als im Frühjahr 2007. Rund 85 Prozent der Befragten (im Frühjahr 84 Prozent) bezeichnen die Geschäftslage als gut oder sehr gut. Am besten ist die Stimmung in der Industrie und im Dienstleistungssektor. Das ist das beste Ergebnis seit dem Beginn der DZ-Bank-Umfrage im Jahr 1995. "Der Mittelstand hat sich durch die Finanzkrise nicht verunsichern lassen", kommentiert Jäckel. Die Erwartungen zur Kreditvergabepolitik der Banken hat das Genossenschaftsinstitut nicht erfragt.

Die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate sind weiterhin deutlich nach oben gerichtet, wenngleich weniger optimistisch als im Frühjahr. 43 Prozent (Frühjahr 49 Prozent) erwarten eine Verbesserung. Vor allem die Elektro- und Elektronikbranche sowie der Agrarsektor haben hohe Erwartungen an die kommenden sechs Monate.

Das Ergebnis der Umfrage steht im Gegensatz zu anderen Umfragergebnissen. Die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen beurteilen die Geschäftslage seit geraumer Zeit schlechter. Im Oktober war der Ifo-Geschäftsklimaindex um 0,3 Punkte auf 103,9 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit Februar 2006 gesunken.

9 Prozent planen Entlassungen

9 Prozent planen Entlassungen

Jäckel führt die unterschiedlichen Ergebnisse auf den Befragungsrhythmus zurück. Während das Ifo-Institut die Unternehmen monatlich abfragt, führt die DZ Bank die Umfrage im Frühjahr und im Herbst durch. "Die Unternehmen beantworten dadurch die Fragen weniger vom Tagesgeschäft her beeinflusst und mehr aus der Lage des Unternehmens heraus", erklärte Jäcker.

Schließlich wollen die Mittelständler laut DZ-Bank-Umfrage weiterhin Mitarbeiter einstellen, obwohl die Dynamik etwas nachlässt. 27 Prozent (Frühjahr 28 Prozent) der befragten Firmen planen die Aufstockung ihres Personalbestands im kommenden halben Jahr. Am stärksten bauen sehr große Gesellschaften ihren Personalbestand aus. 9 Prozent der Befragten planen dagegen Entlassungen.

Die DZ Bank hebt hervor, dass sich der Mittelstand trotz des wachsenden Fachkräftemangels zum Standort Deutschland bekennt. 94 Prozent der Firmen schließen eine Verlagerung von Unternehmensteilen ins Ausland aus. Dabei sehen sich 54 Prozent der befragten Betriebe vom Fachkräftemangel betroffen.

Als kritisches Ergebnis beurteilt die DZ Bank dagegen, dass die mittelständischen Unternehmen insbesondere wegen der weiter steigenden Öl- und Lebensmittelpreise nach wie vor steigende Absatzpreise erwarten. Das habe entsprechend vor allem im Agrarsektor und im Ernährungsgewerbe ein "beunruhigendes Ausmaß" erreicht, meinte Jäckel. Denn dies berge Risiken für die Inflationsentwicklung. Die Europäische Zentralbank habe deshalb gegenwärtig allen Grund, "besonders wachsam" zu sein. Ein Drittel der Befragten rechnet mit steigenden Preisen, dagegen nur 7 Prozent mit sinkenden.

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