Bilanzen Zypries will Mittelstand entlasten

Die Justizministerin schlägt eine Reform des Bilanzrechts vor. Als Reaktion auf die Finanzkrise sollen Risiken außerhalb der Bilanz stärker aufgedeckt werden. Andererseits will Brigitte Zypries viele Vorschriften lockern. Besonders kleine Betriebe würden entlastet.

Berlin - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will durch eine Reform des Bilanzrechts den Mittelstand entlasten und mehr Transparenz in Konzernabschlüssen erzwingen. Kleinere Betriebe sollten vollständig von der handelsrechtlichen Bilanzierungspflicht befreit werden, schlug sie am Dienstag vor.

Den Eckpunkten ihres Gesetzentwurfes zufolge sollen bei größeren Firmen die Vorschriften gelockert werden. Außerdem will sie das Bilanzrecht stärker den internationalen Standards anpassen. So müssten die im Zuge der Bankenkrise in die Kritik geratenen Zweckgesellschaften in den Konzernabschluss aufgenommen werden, wenn sie unter einheitlicher Leitung des Mutterkonzerns stehen. Ihre Risiken ließen sich damit nicht mehr so einfach verbergen. Im Zuge der US-Hypothekenkrise hatten sich die Sachsen LB und die Mittelstandsbank IKB bei Geschäften über ausländische Zweckgesellschaften verspekuliert.

Zypries will nun alle Unternehmen verpflichten, im Anhang ihres Konzernabschlusses über Art, Zweck und finanzielle Auswirkungen nicht bilanzierter Geschäfte zu berichten. Außerdem wird eine detailliertere Risikoeinschätzung gefordert. Das neue Bilanzrecht soll nach dem Willen der Ministerin für die Geschäftsjahre in Kraft treten, die im Kalenderjahr 2009 beginnen. Der Bundesrat muss der Reform zustimmen.

Mit ihren Plänen will Zypries auch innovativen Unternehmen entgegenkommen: Sie sollen Patente und Know-How künftig in der Bilanz ansetzen und sich damit besser darstellen können. Die Firmen würden damit ihre Eigenkapitalbasis ausbauen und hätten so die Möglichkeit, sich am Markt billiger zusätzliches Kapital zu besorgen. Änderungen sind auch bei Rückstellungen geplant: Künftige Lohn-, Preis- oder Personalentwicklungen sollen stärker als bisher berücksichtigt werden, um zu einer realistischen Bewertung zu gelangen. Zumindest bei den Pensionsrückstellungen dürfte dies nach Einschätzung des Ministeriums zu einer Erhöhung führen. Außerdem sollen Aktien, Fondsanteile und Derivate in Zukunft mit ihrem Zeitwert in der Bilanz erscheinen.

Größte Einsparungen für Mittelstand erwartet

Vor allem aber der Mittelstand kann nach den Zypries-Plänen mit einer Entlastung rechnen. Erwartet werden eine Milliarde Euro Einsparungen allein dadurch, dass die Bilanzierungspflicht für Einzelkaufleute und Personenhandelsgesellschaften wegfällt, die nicht mehr als 500.000 Euro Umsatz oder 50.000 Euro Gewinn erwirtschaften. Außerdem sollen die Schwellenwerte angehoben werden, die darüber entscheiden, wie ausführlich die Bilanz eines Unternehmens auszufallen hat.

Damit kämen mehr Unternehmen in den Genuss der Erleichterungen, die für kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften gelten. Ungefähr 20 Prozent der großen und mittelgroßen Unternehmen könnten mit einer Herabstufung rechnen und zusammen 280 Millionen Euro sparen, erklärte das Justizministerium. Auch große Kapitalgesellschaften könnten dank der Reform die Kosten drücken, da die Doppelbilanzierung nach internationalem und deutschem Standard vereinfacht wird: Erstellt der Konzern einen Jahresabschluss nach internationalem IFRS-Standard, reicht künftig ein Anhang mit Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung nach HGB-Bilanzrecht aus.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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