Mittelstandskredite Das Ende sportlicher Konditionen

Commerzbank-Vorstand Martin Blessing tritt Befürchtungen entgegen, dass die deutschen Finanzhäuser den Kredithahn zudrehen. Eine Kreditverknappung werde es nicht geben. Allerdings müssen sich vor allem größere Unternehmen auf höhere Zinsen einrichten.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Ein Zudrehen des Kredithahns für den deutschen Mittelstand könne für die deutschen Banken kein Instrument sein, mit dem diese aus der rauen See an den Kreditmärkten rauskommen könnten, sagte der bei der Commerzbank  für das Mittelstandsgeschäft zuständige Vorstand Martin Blessing anlässlich der Präsentation einer Studie.

"Und ich kann auch nicht feststellen, dass irgendwo auch nur ansatzweise eine Kreditverknappung beim deutschen Mittelstand zu beobachten ist", schob er nach. Zu einer Kreditverknappung werde es nicht kommen. Blessing trat damit Befürchtungen entgegen, dass die deutschen Geldhäuser im Gefolge der Vertrauenskrise an den Kapitalmärkten Kredite an Firmenkunden restriktiver vergeben könnten.

Bis zum Ende der Vertrauenskrise der Banken untereinander wird es laut Blessing jedoch noch etwas dauern. "Einen gewisse Verspannung am Geldmarkt wird man noch bis in das nächste Jahr hinein sehen", erwartet der Banker. Der Markt werde zunächst die Bilanzen der Banken für dieses Geschäftsjahr abwarten. Mit einer schrittweisen Beruhigung der Geldmärkte sei dann in den nächsten Monaten zu rechnen.

Allerdings räumte der Commerzbank-Vorstand ein, dass die Banken die Preise für Kredite in den nächsten Monaten tendenziell "leicht" anheben werden. "Die Risikoaufschläge werden leicht steigen", kündigte Blessing an. Dies werde dann zu höheren Margen für die Kreditgeber führen. Die Commerzbank geht davon aus, dass sie im Mittelstandsgeschäft im laufenden Jahr ein operatives Ergebnis von mehr als eine Milliarde Euro erzielen wird.

Von den höheren Kreditzinsen werden vor allem die sehr großen Gesellschaften betroffen sein. Denen, so Blessing, wird das Geld nicht mehr mit "so sportlichen" Konditionen zur Verfügung gestellt.

Mittelständler scheuen Gang ins Ausland

Mittelständler scheuen Gang ins Ausland

Die Verfügbarkeit der Banken an der Seite des deutschen Mittelstands ist dagegen bei der Expansion ins Ausland durchaus ein Problem. 38 Prozent der im Auftrag der Commerzbank von TNS Infratest befragten Mittelständler haben angegeben, dass die Hausbanken nicht gut genug gerüstet seien, um ihnen bei der Internationalisierung des Geschäfts zu helfen. Von Juni bis Anfang August hat TNS eine Umfrage unter rund 4000 mittelständischen Unternehmen ab 2,5 Millionen Euro Umsatz durchgeführt.

Insgesamt scheuen die Mittelständler nach wie vor den Gang ins Ausland. Fast die Hälfte der von TNS befragten Gesellschaften ist bisher nur auf dem deutschen Markt aktiv, woran auch jeder Vierte nichts ändern will. "Es hat uns selbst überrascht, dass ein großer Teil der mittelständischen Unternehmen sein gutes Potenzial für eine internationale Expansion ganz offensichtlich nicht nutzt", kommentierte Blessing das Ergebnis.

Als Haupthindernis für eine Internationalisierung des Geschäfts nennen die mittelständischen Firmen Probleme bei der Rechtssicherheit, bestehende Handelsbarrieren und fehlende Kenntnisse über ausländische Märkte. "Es scheint fast so, als hätten sie Angst vor der eigenen Courage", meint der Bankvorstand. Nicht handfeste betriebswirtschaftliche Gründe stünden der Internationalisierung im Wege, sondern eher das "Bauchgefühl", nicht optimal für den Gang ins Ausland gerüstet zu sein.

Allerdings erwarten immerhin 44 Prozent der Unternehmen Probleme bei der Finanzierung einer Internationalisierungsstrategie. Der Commerzbank-Vorstand verteidigte höhere Finanzierungskosten für Auslandsgeschäfte damit, dass die Risiken größer seien als im Inland. "Das muss sich auch in den Finanzierungskonditionen abbilden", verteidigt Blessing die Banken.

Dennoch aktiv im Ausland wird laut Umfrage die Mehrheit der Mittelständler meist erst dann, wenn die wichtigsten Kunden oder Abnehmer den Schritt über die Grenzen bereits vollzogen haben. "Die Unternehmer hierzulande denken oftmals nicht geostrategisch. Sie sind eher Getriebene als Treiber für die Internationalisierung", so der Banker.

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