Industrieschau Hannover-Messe startet

Am Montag öffnet die Hannover-Messe ihre Pforten für die Öffentlichkeit. Wer will, kann sich eine Woche lang über technische Neuerungen informieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan nutzen die Messe eher als politisches Podium.

Hannover - Die Hannover Messe 2007 steht ab heute für Besucher offen. Bei der bis Freitag dauernden Leistungsschau gehe es in diesem Jahr besonders um Energietechnik und Energieeffizienz, erklärten die Veranstalter. Weitere Themen seien Industrieautomation, Antriebs- und Fluidtechnik sowie Zukunftstechnologien. Partnerland der Messe ist die Türkei.

Die Hannover Messe vereint in diesem Jahr zeitgleich zwölf internationale Leitmessen, die Technologien und Know-how für alle wichtigen Industriebranchen präsentieren. Dazu zählen die Interkama für Prozessautomation, Factory Automation für Fertigungsautomation oder Digital Factory für integrierte Prozesse und IT-Lösungen.

Bereits am Sonntag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan die Messe offiziell eröffnet. Die Türkei ist mit 276 Ausstellern in diesem Jahr Partnerland der weltgrößten Technologie- und Industriemesse.

Bei der bis Freitag dauernden Schau geht es in diesem Jahr nach Veranstalterangaben besonders um Energietechnik und Energieeffizienz. Weitere zentrale Themen sind Industrieautomation, Antriebs- und Fluidtechnik sowie Zukunftstechnologien.

Insgesamt haben sich 6400 Aussteller aus mehr als 60 Nationen angesagt - mehr als in den Vorjahren. Größte Ausstellernationen sind nach Deutschland mit 3178 Ausstellern in diesem Jahr Italien, China und die Türkei. Erwartet werden mehr als 200.000 Besucher.

Demonstrative Einigkeit

Den Termin am Wochenende nutzen die Politiker, um Einigkeit zu demonstrieren. "Dass die EU und die Türkei enger zusammenrücken müssen, ist doch keine Frage", sagte Angela Merkel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz Erdogan, mit dem sie die Hannover Messe eröffnen wollte. Erdogan hatte unmittelbar vor seinem Deutschland-Besuch in einem Interview des "Spiegel" gesagt, er habe mehr von Deutschland erwartet und eine klare Perspektive für einen EU-Beitritt der Türkei verlangt.

Der religiös konservative Erdogan wiederholte seine Kritik in Hannover nicht. Vielmehr sagte er, es könne sich nur um einen Übersetzungsfehler handeln. "Man kann doch keinen Angriff gegen eine Dame starten." Allerdings zeigte er sich noch immer verärgert, dass die Türkei nicht zur 50-Jahresfeier der EU eingeladen worden sei, obwohl sie doch Kandidat sei. Derzeit laufen Beitrittsverhandlungen zwischen der EU und der Türkei. Merkel sagte dazu, der Gesamtprozess sei lang und ergebnisoffen. Die Beitrittsverhandlungen könnten in diesem Jahr aber Fortschritte machen. Ein Kapitel bei den Verhandlungen sei bereits abgeschlossen, sagte Merkel.

Wahrscheinlich könnten während der bis Ende Juni laufenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft zwei weitere eröffnet werden. Erdogan zeigte sich zuversichtlich, dass es sogar vier sein werden. "Wir sind auf einem schmalen Pfad, wir müssen geduldig sein", sagte Erdogan. "Wir sind aber zwei befreundete Länder." Die Bundesregierung ist in ihrer Haltung gegenüber einem Beitritt der Türkei zur EU gespalten. Während die Union eine schwächere Form der Anbindung über eine privilegierte Partnerschaft wünscht, hat sich die SPD mehrheitlich für eine Mitgliedschaft der Türkei ausgesprochen.

Am Samstag hatte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sein Ja zu einem EU-Beitritt in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" bekräftigt. "Wenn wir uns wirklich auf die Türkei einlassen, werden Sicherheit und Stabilität in Europa erhöht", hatte Steinmeier gesagt. Auch Ankaras Reformerfolge müssten "mehr und deutlicher" gewürdigt werden. "Meine Befürchtung ist, dass wir sonst jenen in der Türkei in die Hände arbeiten, die den Weg in die Moderne verhindern wollen", hatte Steinmeier gesagt. Merkel selbst hatte bei ihrem Türkei-Besuch im Herbst erklärt, als CDU-Vorsitzende trete sie für eine privilegierte Partnerschaft ein, als Kanzlerin fühle sie sich aber den im Koalitionsvertrag festgelegten ergebnisoffenen Beitrittsverhandlungen verpflichtet.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters

Mehr lesen über