Donnerstag, 17. Oktober 2019

Wirtschaftsspionage Der unsichtbare Feind

Der Maschinen- und Anlagenbau verliert durch Raubkopierer jährlich Umsätze in Milliardenhöhe. Auch sensible Geschäftsbereiche sind oft kaum abgesichert - der technische Schutz vor Plagiaten sollte daher bereits in der Produktentwicklung verankert sein.

Hamburg - Jährlich erstellt das US-Magazin "Forbes" das Ranking der reichsten Menschen der Welt. Auf Platz 79 landeten im vergangenen Jahr die Eigentümer des Automobilzulieferers INA, Maria-Elisabeth Schaeffler und Sohn Georg Schaeffler, mit einem geschätzten Vermögen von 6,8 Milliarden Dollar.

Zum Firmenimperium gehört auch der Wälzlagerhersteller INA Schaeffler KG. Wälzlager sind Produkte, die wenig sexy sind und nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Aber sie sorgen dafür, dass die Endprodukte unterschiedlicher Branchen von der Automobil-, über die Druck- bis hin zur Konsumgüterindustrie reibungslos funktionieren. Das Know-how steckt im Innern. Wälzlager sind robuste Hightech und halten enormen Kräften stand. Originalteile sind nur über zertifizierte und lizenzierte Händler erhältlich. Produktfälschungen sind in der Regel von außen kaum erkennbar.

Kürzlich ging der in Schweinfurt angesiedelte Wälzlagerhersteller Schaeffler KG an die Öffentlichkeit und sagte den Produktpiraten den Kampf an. Die Zukunft des Unternehmens und seiner Hightech-Produkte hängt auch davon ab, ob es gelingt, den schwunghaften Handel mit Fälschungen und Nachahmerprodukten wirksam einzudämmen.

Rund 40 Tonnen gefälschte Wälzlager vernichteten die Schaeffler Gruppe, die SKF GmbH und das FAG-Werk in Schweinfurt - mit einem geschätzten Marktwert von acht Millionen Euro. "Mit dieser gemeinsamen Aktion machen wir darauf aufmerksam, dass Marken- und Produktpiraterie kein Phänomen ist, das sich auf China oder Südosteuropa beschränkt, sondern hier vor unserer Haustür stattfindet", erklärt Hans-Jürgen Goslar, Mitglied der Schaeffler-Geschäftsleitung.

Längst seien es nicht mehr ausschließlich gefälschte Luxus- oder Konsumgüter, die den deutschen und europäischen Markt überschwemmten, sondern zunehmend auch sicherheitsrelevante Industrieprodukte wie eben Wälzlager, bekräftigt Goslar. Pikant an dem Fall ist, dass die vom Unternehmen beauftragten Wirtschaftsdetektive die gefälschten Produkte mit den Markenaufdrucken INA, FAG und SKF nicht nur im fernen Osten aufspürten, sondern auch bei einem fränkischen Wälzlagerhändler dingfest machten.

Doch sind derartige Erfolge nur ein schwacher Trost. Raubkopierer und Produktpiraten scheuen kaum mehr den offenen Konflikt, beispielsweise, indem sie für kopierte Produkte sogar das Recht auf Patentschutz einklagen. Angesichts der drohenden Eskalation auf dem internationalen Parkett nützt es wenig, wenn das Thema wieder einmal ganz oben auf politischer Ebene diskutiert wird, etwa im Juni beim G8-Gipfel in Heiligendamm oder beim "3. Weltkongress gegen Produktfälscherei", der im Januar in Genf stattfand.

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung