Sonntag, 22. September 2019

Sparverhalten Deutsche verschenken 17 Milliarden pro Jahr

Die Deutschen könnten ihre private Altersrente aufbessern, wenn sie Aktien mehr Vertrauen schenken würden. Doch der Fiskus hält dagegen: Wer dem Sparbuch treu bleibt, wird entlastet, während auf Aktiensparer Belastungen zukommen. Dies hat Folgen für die Altersvorsorge und für die deutschen Unternehmen.

Hamburg - Sparen die Deutschen richtig? Fast jeden zweiten Euro, so die Statistik, stecken die Bundesbürger in bescheiden verzinste Sparbücher, Geldmarkt- und Festgeldkonten oder in festverzinsliche Rentenpapiere. Weitere 24 Prozent der Geldanlagen fließen in Lebens- und Rentenversicherungen: Der Anteil von Aktien und Investmentfonds liegt lediglich bei rund 21 Prozent und ist damit nicht einmal halb so hoch wie in den USA.

Defensive Deutsche: Geldanlagen privater Haushalte
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Defensive Deutsche: Geldanlagen privater Haushalte

Das Sicherheitsbedürfnis ist groß bei den Deutschen, die 2006 insgesamt noch einmal rund 150 Milliarden Euro auf die hohe Kante legen und erneut eine Sparquote von mehr als 10 Prozent des frei verfügbarem Einkommens erreichen werden.

Damit zählen die deutschen Haushalte, deren Geldvermögen inzwischen auf rund 4,2 Billionen Euro gewachsen ist, zu den sparfreudigsten der Welt. Statistisch gesehen verfügt jeder deutsche Haushalt über rund 108.000 Euro Geldvermögen.

Verzicht auf 17 Milliarden Euro - pro Jahr

Doch der Preis der sicheren Geldanlage ist eine vergleichsweise magere Rendite. Würden die Deutschen ebenso stark auf Aktien und Investmentfonds setzen wie die US-Bürger, könnten sie nach Berechnungen des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) rund 56 Milliarden Euro mehr an jährlicher Rendite erzielen.

Natürlich ist es unrealistisch, dass die Deutschen sich über Nacht zu Wall-Street-Playern wandeln. Eine radikale Umstellung ihrer Anlagestrategie ist nicht einmal nötig: Selbst wenn die Bundesbürger behutsam und schrittweise den Anteil ihrer Dividendenpapiere erhöhten, etwa um 10 Prozent pro Jahr, könnten sie nach Berechnungen von Allianz Dresdner Economic Research pro Jahr rund 17 Milliarden Euro mehr einstreichen.

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