Triumph-Adler "Eine unüberschaubare Holding"

Der Firmenname Triumph-Adler ist so bekannt, wie die Konsummarken Persil oder Nivea. Dennoch steckt der ehemalige Schreibmaschinenhersteller in Schwierigkeiten. Vorstandschef Robert Feldmeier sagt im Gespräch mit manager-magazin.de, was in den vergangenen Jahren schiefgelaufen ist - und wie er die Wende schaffen will.
Von Karsten Stumm

mm.de: Herr Feldmeier, Ihr Unternehmen hat wirtschaftliche Schwierigkeiten, jetzt sollen sogar Führungskräfte auf Urlaub verzichten. Steht es so schlecht um Triumph-Adler?

Feldmeier: Unsere Manager haben das selbst vorgeschlagen, wir haben sie nicht dazu gedrängt. Es war ihr freiwilliger Beitrag zu unserem laufenden Sparprogramm.

mm.de: Ungewöhnlich ist so ein Urlaubsverzicht aber schon, oder? Gab es keine andere Möglichkeit?

Feldmeier: Na, ein so großer Verlust ist es für einige unserer Manager in der zweiten Führungsebene nicht gewesen. Sie hatten teils so viel Resturlaub, dass sie die Tage ohnehin nicht mehr nehmen konnten.

mm.de: Die Frage zielte auch in eine andere Richtung. Ist Ihre Lage so verzweifelt, dass Sie selbst solche Sparmöglichkeiten ausschöpfen müssen? Viel Geld wird damit doch nicht zusammengekommen sein, oder?

Feldmeier: Sie ist alles andere als verzweifelt, und der Resturlaubsverzicht ist ja auch nur ein kleines Element unseres größeren Sanierungsplans.

mm.de: Was hat denn größeren Einfluss auf die Lage Ihres Unternehmens als der Resturlaubsverzicht Ihrer zweiten Managementebene?

Feldmeier: Triumph-Adler war zwischenzeitlich eine unüberschaubare Holding mittelgroßer Firmen. Wir haben uns von mehr als 40 Beteiligungen getrennt …

mm.de: … und damit einen großen Teil Ihres Umsatzes und Ihrer Mitarbeiter verloren.

Feldmeier: Richtig, von 700 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2000 sind wir jetzt bei rund 400 Millionen Euro, von einst 4800 Leuten beschäftigen wir jetzt nur noch knapp 1500. Dafür aber klar fokussiert auf ein einziges Kerngeschäft: Lösungen für das Document Business.

mm.de: Reicht die Radikalkur, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben? 2005 fiel immer noch ein Fehlbetrag von gut drei Millionen Euro an.

Feldmeier: Zuletzt haben wir auch deshalb eine ganze Reihe von Regionalgesellschaften zusammengelegt, um insgesamt günstiger arbeiten zu können. Das sollte zusammen mit dem geplanten Umsatzwachstum reichen, um in diesem Jahr ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von mehr als zwölf Millionen Euro und einen Jahresüberschuss zu erwirtschaften.

Radikalkur und Übernahmen

mm.de: Gemessen an der historischen Größe Ihres Unternehmens ist das eher bescheiden, oder? Der Markenname Triumph-Adler ist noch heute ein Begriff für Schreibmaschinen, obwohl niemand mehr auf den Klappergerätschaften rumtippt, sondern mit Computern arbeitet.

Feldmeier: Die Zeiten sind endgültig vorbei, und die Assoziation mit Schreibmaschinen nutzt uns kaum etwas.

mm.de: Obwohl der Name Triumph-Adler fast so bekannt ist, wie Nivea ein Begriff für Hautpflegemittelchen ist?

Feldmeier: Mit dem Pfund allein können wir nicht wuchern. Unsere Kunden sind fast ausschließlich Großabnehmer, für die Leistung und Markenname wichtig sind. Triumph-Adler ist auf dem Weg zu einer Gesellschaft, die anderen Firmen Komplettlösungen anbietet, um ihre Druckkosten zu senken. Die Leistung stimmt also schon, jetzt werden wir die Marke entsprechend repositionieren.

mm.de: Unter Marketingexperten gilt kaum etwas als schwieriger, als einem eingeführten Markennamen ein neues Image zu verpassen. Daran sind in der Vergangenheit viele Firmen gescheitert. Warum glauben Sie, dass Sie das hinbekommen?

Feldmeier: Weil wir unseren Markenkern definiert haben und ein eindeutiges Nutzenversprechen abgeben: Unsere Arbeit wirkt positiv auf das Betriebsergebnis unserer Kunden. Diese Botschaft tragen wir bald aggressiv nach außen. Ich glaube, dass wir so tatsächlich das Profil unserer Marke schärfen.

mm.de: Wie groß muss Triumph-Adler wieder werden, um auf seinem neuen Markt dauerhaft mehr Geld zu verdienen?

Feldmeier: Sicher größer als heute. Ein erster Schritt dazu war die strategische Partnerschaft, die wir mit dem japanischen Konzern KyoceraMita eingegangen sind.

mm.de: Wann folgt der zweite Schritt?

Feldmeier: Alles, was wir jetzt tun, sind Schritte in diese Richtung. Wir stehen zum Beispiel kurz vor dem Kauf einer größeren Firma aus dem deutschsprachigen Raum.

mm.de: Wie groß wird der Zukauf ausfallen?

Feldmeier: Es geht um ein Unternehmen mit einstelligem Millionenumsatz.

mm.de: Sind Sie sicher, dass Triumph-Adler dieses Mal die richtige Gesellschaft übernimmt? Sie hatten schon einmal viele ganz verschiedene im Portfolio …

Feldmeier: Diese wird uns sicher helfen, unser Kerngeschäft weiter voranzutreiben. Wissen Sie, die alte Dame Triumph-Adler hat in den vergangenen 110 Jahren immer wieder ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, sich neu zu orientieren und zu verändern. Ich werde Triumph-Adler zum kundenorientiertesten und profitabelsten Unternehmen im Document Business machen.

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