Investitionen Die neuen Geldquellen

Der Ton zwischen Hausbank und Unternehmen wird rauer. Firmenlenker gehen daher neue Wege, um sich Geld fürs Wachstum und mehr Eigenkapital zu verschaffen. Dabei müssen sie noch nicht einmal Entscheidungsgewalt an Private-Equity-Investoren abgeben: Helfen kann neben dem boomenden Mezzanine-Markt auch ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell.

Hamburg - Wer glaubt, die "Heuschrecken"-Debatte hätte das Geschäft der Private-Equity-Investoren in Deutschland gebremst, irrt. Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung wenden sich immer mehr mittelständische Unternehmen hilfesuchend eben diesen zu: Die Investitionen europäischer Private-Equity-Fonds (PE) haben sich binnen zehn Jahren mehr als versechsfacht. Auch in Deutschland wächst der Markt - Haupttreiber dieser Entwicklung sind nach einer Studie der Unternehmensberatung KPMG vor allem mittelständische Unternehmen, die nach Alternativen zum Hausbankkredit suchen.

Dazu haben sie guten Grund. Die schärferen Richtlinien zur Kreditvergabe (Basel II) werden spätestens ab 2007 die Finanzierung vieler mittelständischer Unternehmen erschweren. Die Kreditwürdigkeit des Unternehmens (Bonität), die Höhe des Eigenkapitals und die Transparenz in der Bilanz werden darüber entscheiden, ob und zu welchen Zinssätzen kleinere und mittlere Unternehmen noch Kredite von der Bank bekommen. Da die Eigenkapitaldecke vieler mittelständischer Unternehmen dünn ist, werden Kredite von der Hausbank in vielen Fällen teurer - wenn sie überhaupt gewährt werden.

Jenseits vom Bankkredit: Wie man neue Quellen anzapft

Zeit, sich nach Alternativen zum klassischen Bankkredit umzusehen. Gefragt sind vor allem jene Finanzierungsquellen, die nicht nur für die nötige Liquidität sorgen, sondern gleichzeitig auch die Eigenkapitalausstattung des Unternehmens verbessern. Auf diese Weise erhält der Unternehmer nicht nur frisches Geld für Investitionen, sondern stärkt auch seine Bonität und damit die Chancen auf weitere Kredite. Der Report "Frisches Geld für's Unternehmen" von "Fuchsbriefe" legt deshalb einen Schwerpunkt auf neue Kapitalquellen abseits des Hausbankkredits: Möglichkeiten, sich Eigenkapital zu besorgen, rücken in den Vordergrund.

Welche Vor- und Nachteile diese Finanzierungswege bieten, sollen folgende Auszüge aus dem "Fuchs-Report"  zeigen. Der Überblick zeigt auch, für welche Unternehmen Instrumente wie Private Equity, Venture Capital, Mezzanine oder Mitarbeiterbeteiligung in Frage kommen. Müssen Mittelständler etwa Private-Equity-Investoren ein hohes Maß an Mitspracherecht einräumen, bleiben sie bei einer Mezzanine-Finanzierung meist Herr im Haus. Besonders für Familienunternehmen ist diese Aussicht attraktiv.

Eigenkapital, so ein Ausblick des Reports, wird in den kommenden Jahren gegenüber Fremdkapital an Gewicht in der Bilanz gewinnen. Der Markt biete inzwischen viele Möglichkeiten, die Eigenkapitalbasis zu stärken: Um diese Geldquellen zu nutzen, müssen mittelständische Unternehmen jedoch mehr Transparenz zeigen und ihre Finanzkommunikation verbessern: "Ohne Transparenz gibt's kein Geld", so der Report.

Private Equity - Geld gegen Mitsprache

Private Equity: Geld gegen Mitsprache

Dass Beteiligungsgesellschaften "abgrasen und weiterziehen", wie es der SPD-Politiker Franz Müntefering in der "Heuschrecken"-Debatte formulierte, trifft sicher nur für einen Teil der gescholtenen PE-Gesellschaften zu. Für viele mittelständische Unternehmen ist dagegen die Aussicht sehr verlockend, dass PE-Gesellschaften durch ihre Beteiligung am Unternehmen neben dem eigenen Know-how auch frisches Geld bringen - und das auch noch in Form des dringend benötigten Eigenkapitals.

Im Gegenzug verlangen die PE-Kapitalgeber weitgehende Mitspracherechte bei der Unternehmensführung. Darauf muss sich der Unternehmer einlassen, heißt es im "Fuchs-Report". Das bringe jedoch auch Vorteile: Manager der Beteiligungsgesellschaften verfügten neben dem eigenen Know-how auch über ein umfangreiches Kontaktnetzwerk, das insbesondere jungen Firmen entscheidend weiterhelfen könne.

Checkliste Private Equity

Geeignet
für
Kleine bis große Unternehmen mit einer gewissen Ertragsstärke und Wachstumspotenzial. Das Unternehmen muss Mitsprache der Investoren zulassen
Zweck Wachstumsfinanzierung, Management-Buy-out oder Buy-in, Veränderungen im Gesellschafterkreis, Nachfolgeregelung, IPO-Vorbereitung
Merkmale  Stärkung des Eigenkapitals ab ca 150.000 Euro aufwärts. Investor bringt Know-how und Netzwerk mit. Laufzeit meist
zwei bis sechs Jahre
Vorteile Steigerung EK-Quote, Cashflow wird geschont, hohe Finanzierungssummen möglich
Nachteile Unternehmer verliert seine unabhängige Entscheidungsgewalt
Wer berät Unabhängige PE-Gesellschaften sowie Beteiligungs-
gesellschaften der Banken und Sparkassen, IHK vor Ort, Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK)
Quelle: Fuchs-Report:

Da PE-Gesellschaften eine überdurchschnittliche Rendite anstreben, fürchten viele Unternehmer harte Einschnitte im Betrieb wie eine kurzfristige Effizienzsteigerung durch Stellenabbau. Andererseits wäre eine Beteiligungsgesellschaft schlecht beraten, dem Unternehmen durch derlei Maßnahmen Wachstumschancen zu nehmen. Viele Unternehmen vereinbaren mit ihren Kapitalgebern daher langfristige Beteiligungen, die erst nach Ablauf mehrerer Jahre wieder gelöst werden können.

Venture Capital - Starthelfer müssen passen

Venture Capital: Starthelfer müssen passen

Wagniskapital ist eine besondere Form der Eigenkapitalfinanzierung für junge, innovative Unternehmen. Die VC-Geber werden Gesellschafter des Unternehmens mit entsprechendem Mitspracherecht. Die VC-Finanzierung bietet sich insbesondere für Firmen an, die eine innovative Geschäftsidee in einem Wachstumsmarkt haben, aber nicht ausreichend Geld für die Umsetzung oder Vermarktung investieren können. Für viele junge Unternehmen ist die Managementberatung und Unterstützung durch erfahrene VC-Geber sogar willkommen.

Checkliste Venture Capital

Geeignet
für
Existenzgründer sowie junge, innovative Firmen. Das Geschäftsmodell verspricht dynamisches Wachstum, ist aber mit höherem Risiko verbunden
Zweck Startfinanzierung, Vermarktung innovativer Produkte, Umstrukturierung von Unternehmen auf neue Produkte und Märkte, MBO, MBI, Vorbereitung eines Börsengangs
Merkmale  Hohes Risiko bei hohem Ertragspotenzial. Finanzierungs-
volumen ab ca 20.000 Euro, Laufzeit zwei bis sieben Jahre
Vorteile Echtes Eigenkapital, Hilfe beim Markteintritt, Überbrückung einer anfänglichen Verlustphase
Nachteile VC-Investoren bestimmen mit, hohe Renditeerwartung der Investoren
Wer berät VC-Gesellschaften, KfW, Business Angels
Quelle: Fuchs-Report:

Bei der Auswahl des VC-Gebers kommt es laut "Fuchs-Report" nicht in erster Linie darauf an, wer am meisten Geld einbringt, sondern wer als Partner am besten dazu beitragen kann, den Start des Unternehmens erfolgreich zu gestalten. Die Chemie zwischen Firmeninhabern und Kapitalgebern muss - ähnlich wie bei Private Equity stimmen. Ziel der VC-Investoren ist es, nach in der Regel zwei bis sieben Jahren mit einem Gewinn auszusteigen, der für das eingegangene Risiko entschädigt: Als Ausstiegsmöglichkeit (Exit) bietet sich für die Investoren meist ein Börsengang oder ein Verkauf an andere Investoren an.

Mezzanine - Handlungsfreiheit behalten

Mezzanine: Eigenkapital ohne Mitspracherecht

Steigen VC-Geber oder Private-Equity-Gesellschaften bei einem Unternehmen ein, stärken sie sowohl das Eigenkapital als auch das Netzwerk des Kreditnehmers. Andererseits haben sie damit auch ein Mitspracherecht: Viele mittelständische Unternehmen und insbesondere Familienbetriebe wollen sich aber von außen nicht hereinreden lassen. Die Lösung bietet die so genannte Mezzanine-Finanzierung (italienisch Zwischengeschoss): Es ist eine Finanzierung, die zwischen Fremd- und Eigenkapital steht. Mezzanine kann die Eigenkapitalquote des Unternehmens erhöhen, kommt aber wie das Fremdkapital ohne Mitentscheidungsrechte der Kapitalgeber aus.

Die Mezzanine-Finanzierung kann laut "Fuchs-Report" individuell auf das kapitalsuchende Unternehmen zugeschnitten werden. Banken und bankenunabhängige Anbieter stellen dabei vor allem Privatplatzierungen (Private Placements) in den Vordergrund: Dies ist ein öffentliches Angebot durch einen Beteiligungsverkaufsprospekt außerhalb der Börse. Verkauft werden können dabei Aktien, Genussscheine, Anleihen oder Inhaber-Schuldverschreibungen.

Checkliste Mezzanine-Finanzierung

Geeignet
für
Kleine bis mittlere Unternehmen mit gutem Wachstumspotenzial. Die Gesellschafterstruktur soll unverändert bleiben, der Unternehmer will Eigenkapitalbasis stärken, aber selbst Herr im Haus bleiben. Der Verschuldungsgrad kann relativ hoch sein, die Ertragsentwicklung muss aber stabil sein
Zweck Wachstumsfinanzierung, Investitionen in neue Anlagen, Maschinen oder Werke. Investition, um Wettbewerber oder andere Unternehmensteile zu kaufen, MBO, MBI, Abspaltung von Konzernteilen, Umfinanzierung
Merkmale  Wirtschaftliches oder bilanzielles Eigenkapital, ohne Mitspracherechte von außen zulassen zu müssen. Volumen meist etwa ein bis 30 Millionen Euro. Laufzeit fünf bis zehn Jahre
Vorteile EK-Quote wird verbessert, individuell gestaltbar, keine Entscheidungsrechte der Kapitalgeber, Sicherheiten werden nicht verlangt
Nachteile Mezzanine-Finanzierung kann je nach Bonität des Unternehmens und Risiko der Kapitalgeber (Nachrangigkeit, Verlustbeteiligung) auch deutlich mehr als 10 Prozent pro Jahr kosten
Wer berät Banken, Sparkassen, Unternehmensberater, unabhängige Finanzdienstleister
Quelle: Fuchs-Report:

Außerdem können bei Mezzanine-Finanzierungen stimmrechtslose Firmenbeteiligungen (etwa stille Beteiligungen in Form von Genussrechten) ausgegeben werden. Mit wachsendem Erfolg: Im Jahr 2004 flossen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 23 Milliarden Euro in Form von Privatplatzierungen in Unternehmensbeteiligungen.

Mitarbeiterbeteiligung - Deutscher Nachholbedarf

Mitarbeiterbeteiligung: Deutscher Nachholbedarf

Arbeitnehmer sollten angemessen am Ertrag ihrer Betriebe teilhaben, schlug Bundespräsident Horst Köhler Ende 2005 vor. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel griff das Thema Mitarbeiterbeteiligung im Frühjahr 2006 wieder auf: Die CDU-Kommission "Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand" soll bis zum Sommer Vorschläge zur Beteiligung von Beschäftigten ausarbeiten.

In Deutschland sind weniger als 10 Prozent der abhängig Beschäftigten an "ihren" Unternehmen beteiligt. In England sind es nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP) 24 Prozent, in Frankreich sogar 43 Prozent. Beteiligung von Mitarbeitern ist in Deutschland nicht nur politisch gewollt: Sie ist für den Unternehmer auch eine Möglichkeit, die Motivation der Mitarbeiter zu erhöhen und sich zusätzliches Eigenkapital zu beschaffen.

Checkliste Mitarbeiterbeteiligung

Geeignet
für
Alle Unternehmen, die auf eine starke Bindung ihrer Mitarbeiter zum Betrieb Wert legen sowie Unternehmen, die neben der Motivation der Mitarbeiter auch die EK-Basis stärken wollen
Zweck Wachstumsfinanzierung/Finanzhilfe in Krisensituationen, Stärkung der EK-Basis, MBO in Fällen der Nachfolgeregelung
Merkmale  Langfristiger Aufbau von Eigenkapital, stärkere Bindung der MA, Laufzeit meist zehn Jahre und länger, Volumen ab 100.000 Euro aufwärts
Vorteile Als Eigenkapital gestaltbar, meist ohne (oder nur stark eingeschränkte) Mitspracherechte, keine Sicherheiten nötig, stärkere Identifikation erhöhte Wirtschaftlichkeit im Betrieb
Nachteile durch langsamen Kapitalaufbau kurzfristig nur geringe Finanzierungssumme, langfristig ist das Kapitalvolumen durch die Zahl der Mitarbeiter begrenzt
Wer berät Unternehmensberater, Gesellschaft für innerbetriebliche Zusammenarbeit (GIZ)
Quelle: Fuchs-Report:

Mitarbeiterbeteiligungen sind keineswegs nur etwas für große, börsennotierte Unternehmen, die ihre Mitarbeiter zum Beispiel in Form von Belegschaftsaktien beteiligen. Dass Mitarbeiterbeteiligungen ein größeres Gewicht im Mittelstand bekommen sollten, hängt nach Einschätzung des "Fuchs-Reports" mit der Diskussion um zusätzliche private Altersvorsorge sowie mit dem wachsenden Problem der Nachfolgeregelung in Familienunternehmen zusammen.

Für den Mittelstand geeignete Beteiligungsmodelle sind neben der Erfolgsbeteiligung und dem Mitarbeiterdarlehen vor allem Kapitalbeteiligungen in Form von stillen Beteiligungen und Genussrechten: Diese Finanzierungsformen sind flexibel einsetzbar, können die Eigenkapitalbasis stärken und bedeuten in der Regel auch keinen Verlust der Entscheidungsgewalt im Unternehmen.

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