Dienstag, 24. September 2019

Commerzbank Fokus auf den Mittelstand

Die Commerzbank demonstriert Selbstbewusstsein und will ihre neu eroberte Position als zweitgrößte deutsche Bank weiter ausbauen. Nach der Übernahme des Immobilienfinanzierers Eurohypo, die Ende März abgeschlossen sein soll, seien weitere Akquisitionen nun vor allem im Privatkunden- und Mittelstandsgeschäft von Interesse.

Frankfurt am Main - "Wir wollen keine Immobilien-Spezialbank sein", betonte Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller am Mittwoch bei der Bilanzvorlage in Frankfurt. Die Commerzbank Börsen-Chart zeigen hatte tags zuvor mitgeteilt, dass der Jahresüberschuss 2005 auf 1,165 Milliarden Euro mehr als verdreifacht worden sei.

"Keine Spezialbank":
Die Commerzbank im Frankfurter Bankenviertel
Das Kreditinstitut ist nun nach der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen die klare Nummer zwei in Deutschland und im Gegensatz zu HypoVereinsbank Börsen-Chart zeigen und Dresdner Bank, die Töchter der Finanzkonzerne Unicredit Börsen-Chart zeigen beziehungsweise Allianz Börsen-Chart zeigen sind, weiterhin unabhängig. Nach Einschätzung von Analysten bleibt die Möglichkeit, dass auch die Commerzbank zum Beispiel von einer ausländischen Großbank übernommen wird, dennoch bestehen. "So paradox das klingt: Diese Gefahr ist kleiner geworden, und gleichzeitig hat sie zugenommen", meint Analyst Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck.

Vor einigen Jahren sei die Commerzbank zwar billig zu haben gewesen, galt aber wegen fehlender Erträge als wenig attraktiv. Inzwischen habe sie aus eigener Kraft die Profitabilität kräftig gesteigert. Allerdings sei sie nach der Übernahme der Eurohypo Börsen-Chart zeigen für einen Interessenten auch "schwerer zu verdauen", meint Becker. Denn ein anderes Kreditinstitut werde sich vermutlich entweder für das Privatkunden- und Firmengeschäft oder die Immobiliensparte erwärmen, nicht aber für beides.

Die Dividende für die Commerzbank-Aktionäre soll auf 50 Cent je Aktie verdoppelt werden. Auch würden die Mitarbeiter ab sofort an den steigenden Gewinnen beteiligt. Für das abgelaufene Geschäftsjahr betrage die Erfolgsprämie pauschal ein halbes Bruttomonatsgehalt, ab 2006 soll sie leistungsbezogen gestaffelt werden. Die um Sondereffekte bereinigte Eigenkapitalrendite der Commerzbank lag 2005 bei 9,6 Prozent nach Steuern und damit über dem von Müller vorgegebenen Ziel von 8 Prozent. Für 2006 würden mehr als 10 Prozent und bis 2010 sogar 15 Prozent angepeilt.

Im Vordergrund der Expansionsstrategie stehe Mittel- und Osteuropa, sagte Müller. Allerdings sei die Commerzbank nicht bereit, überhöhte Preise zu zahlen, wie sie in Russland oder auf dem Balkan derzeit gefordert würden. In Deutschland hatte die Commerzbank als einer von 22 Interessenten ein Angebot für die Berliner Bank abgegeben. Theoretisch sei man auch am Deutschland-Geschäft der HVB interessiert, falls es denn einmal zum Verkauf stehen solle, meinte der Commerzbank-Chef.

Die Tochter Eurohypo soll mit Beginn des zweiten Quartals in den Commerzbank-Konzern integriert werden, jedoch als eigene Gesellschaft und Marke erhalten bleiben. Zum 31. März würden die restlichen 49 Prozent der Anteile übernommen, Details zur künftigen Zusammenarbeit sollen bis Ende April vorliegen. "Wenn gleichzeitig die allgemeine wirtschaftliche Dynamik anhält, werden wir zu den großen Nutznießern einer Erholung des deutschen Immobilienmarktes gehören", meinte Müller.

Im vergangenen Geschäftsjahr profitierte die Commerzbank auch von Erlösen aus Anteilsverkäufen an Industrieunternehmen und anderen Banken. Den größten Ergebnisbeitrag leistete 2005 mit 408 Millionen Euro die Mittelstandsbank für deutsche Firmenkunden. Insgesamt stieg das operative Ergebnis um 70 Prozent auf 1,717 Milliarden Euro. Die Commerzbank beschäftigte zum Jahresende 33.056 Mitarbeiter, davon 25.304 in Deutschland.

Alexander Missal, dpa

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