Mittwoch, 19. Februar 2020

Private Equity Heuschrecke oder Honigbiene?

Sind mittelständische Unternehmen bloß leichte Beute für Private Equity-Fonds? Von Ausverkauf könne keine Rede sein, so die Experten des Frankfurter Eigenkapitalforums. Die Beteiligten müssten jedoch Verständigungsprobleme überwinden: Auch ein Harvard-Absolvent sollte wissen, wie ein deutscher Mittelständler tickt.

Kreditklemme: Der Mittelstand braucht Eigenkapital, doch Basel II hat die Kreditvergabe der Banken erschwert. Private Equity-Fonds könnten ein Ausweg sein

Frankfurt am Main - Vollkommen ernst kann die Private Equity-Expertin und Professorin Ann-Kristin Achleitner dann doch nicht bleiben. Die Podiumsdiskussion während des Deutschen Eigenkapitalforums in Frankfurt leitet sie mit der Wortschöpfung des Tages ein: Der "veritablen Honigbiene" Private Equity.

Es geht um den Mittelstand und um die Rolle, die Beteiligungsfirmen und insbesondere Buyout-Fonds für das Rückgrat der deutschen Wirtschaft spielen. Führt Private Equity zum Ausverkauf des Mittelstandes oder zu dessen Rettung? Die Professorin spitzt die Frage zu und bedient sich in der Wortwohl beim ehemaligen SPD-Chef Franz Müntefering: "Ist der Mittelstand bloß Futter für die Heuschrecke?"

"Wir stehen erst am Anfang"

Für den Mittelstandsexperten Professor Brun-Hagen Hennerkes kann davon keine Rede sein. Für ihn ist Beteiligungskapital ein hochinteressanter Finanzierungsansatz für die rund 12.000 bis 15.000 klassischen Familienunternehmen in Deutschland. "Beim Thema Private Equity und Mittelstand stehen wir erst am Anfang", fügt Hennerkes hinzu.

Die Zahlen geben ihm recht. Nur etwa die Hälfte der 60 größeren Buyout-Transaktionen in Deutschland betrafen bislang die mittelständischen Familienunternehmen. "Ein Ausverkauf hat nicht einmal ansatzweise begonnen", meint auch Stephan Krümmer, Geschäftsführer von 3i in Deutschland.

Kernproblem Eigenkapital

Die Podiumsteilnehmer lassen keinen Zweifel daran, dass sich daran nicht so schnell etwas ändern wird. Nicht nur, weil das Problem der Unternehmensnachfolge ihrer Ansicht nach den Mittelstand keineswegs in die Arme von KKR & Co. treiben wird. "Das Nachfolgeproblem ist doch nur ein Gimmick", meint Apax-Partner Peter Blumenwitz. Das Nachfolgeproblem werde von denjenigen Beratern gebetsmühlenhaft wiederholt, die Geschäfte machen wollten.

"Private Equity bedeutet in erster Linie Eigenkapital", unterstreicht der Apax-Partner. Eigenkapital sei auch das wichtigste Thema, wenn mittelständische Unternehmen mit Private-Equity-Unternehmen verhandeln.

Eigenkapital sei zwar für den Mittelständler unverzichtbar, wenn er Wachstumschancen nutzen und durch Investitionen sein Unternehmen fit für die nächste Generation machen wolle. Aber dem Eigenkapital werde trotz der oftmals bitteren Erfahrungen mit der Kreditvergabe der Banken noch immer ein zu geringer Stellenwert eingeräumt.

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