Private Equity Heuschrecke oder Honigbiene?

Sind mittelständische Unternehmen bloß leichte Beute für Private Equity-Fonds? Von Ausverkauf könne keine Rede sein, so die Experten des Frankfurter Eigenkapitalforums. Die Beteiligten müssten jedoch Verständigungsprobleme überwinden: Auch ein Harvard-Absolvent sollte wissen, wie ein deutscher Mittelständler tickt.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Vollkommen ernst kann die Private Equity-Expertin und Professorin Ann-Kristin Achleitner dann doch nicht bleiben. Die Podiumsdiskussion während des Deutschen Eigenkapitalforums in Frankfurt leitet sie mit der Wortschöpfung des Tages ein: Der "veritablen Honigbiene" Private Equity.

Es geht um den Mittelstand und um die Rolle, die Beteiligungsfirmen und insbesondere Buyout-Fonds für das Rückgrat der deutschen Wirtschaft spielen. Führt Private Equity zum Ausverkauf des Mittelstandes oder zu dessen Rettung? Die Professorin spitzt die Frage zu und bedient sich in der Wortwohl beim ehemaligen SPD-Chef Franz Müntefering: "Ist der Mittelstand bloß Futter für die Heuschrecke?"

"Wir stehen erst am Anfang"

Für den Mittelstandsexperten Professor Brun-Hagen Hennerkes kann davon keine Rede sein. Für ihn ist Beteiligungskapital ein hochinteressanter Finanzierungsansatz für die rund 12.000 bis 15.000 klassischen Familienunternehmen in Deutschland. "Beim Thema Private Equity und Mittelstand stehen wir erst am Anfang", fügt Hennerkes hinzu.

Die Zahlen geben ihm recht. Nur etwa die Hälfte der 60 größeren Buyout-Transaktionen in Deutschland betrafen bislang die mittelständischen Familienunternehmen. "Ein Ausverkauf hat nicht einmal ansatzweise begonnen", meint auch Stephan Krümmer, Geschäftsführer von 3i in Deutschland.

Kernproblem Eigenkapital

Die Podiumsteilnehmer lassen keinen Zweifel daran, dass sich daran nicht so schnell etwas ändern wird. Nicht nur, weil das Problem der Unternehmensnachfolge ihrer Ansicht nach den Mittelstand keineswegs in die Arme von KKR & Co. treiben wird. "Das Nachfolgeproblem ist doch nur ein Gimmick", meint Apax-Partner Peter Blumenwitz. Das Nachfolgeproblem werde von denjenigen Beratern gebetsmühlenhaft wiederholt, die Geschäfte machen wollten.

"Private Equity bedeutet in erster Linie Eigenkapital", unterstreicht der Apax-Partner. Eigenkapital sei auch das wichtigste Thema, wenn mittelständische Unternehmen mit Private-Equity-Unternehmen verhandeln.

Eigenkapital sei zwar für den Mittelständler unverzichtbar, wenn er Wachstumschancen nutzen und durch Investitionen sein Unternehmen fit für die nächste Generation machen wolle. Aber dem Eigenkapital werde trotz der oftmals bitteren Erfahrungen mit der Kreditvergabe der Banken noch immer ein zu geringer Stellenwert eingeräumt.

Angst vor Kontrollverlust

Angst vor Kontrollverlust

Die Skepsis der Mittelständler entsteht dadurch, dass sie bei der Aufnahme von Beteiligungsfonds nicht mehr alleine die unternehmerischen Entscheidungen fällen können.

Private-Equity-Managern fehle es im Gegenzug oft an Wissen über die Natur des mittelständischen Unternehmers: Dies räumen Krümmer und Blumenwitz auch ein. Zwei unterschiedliche Kulturen prallen bei dieser Begegnung aufeinander. Die großen Konzerne seien mittlerweile daran gewöhnt, dass die Harvard-Absolventen mit elitärem Habitus einfliegen würden, um Geschäfte zu machen, erklärt Krümmer. Aber bei einem Mittelständler komme man damit nicht weit. Die Branche brauche exzellente Berater mit einem guten Auftritt.

Erst kommt die Liquidität

Nach Ansicht von Hennerkes fehlt es Private Equity-Managern gelegentlich nicht nur an Branchenkenntnis, sondern vor allem am Verständnis, wie ein Mittelständler denkt. "Der Familienunternehmer denkt in erster Linie an die Liquidität in seinem Unternehmen. Sie ist für ihn der Atem", so Hennerkes.

Erst in zweiter Linie werde an die körperliche Konstitution und damit ans Eigenkapital gedacht. Außerdem definiere sich der Mittelständler in erster Linie über sein Produkt und nicht über Finanzkennziffern, wie sie Private-Equity-Manager lieben. Bei der Akquise werde zudem häufig wenig professionell vorgegangen. Das mache es den Haus- und Hofberatern leicht, die Private Equity-Manager vom Hof zu jagen.

Das aber werde sich angesichts des großen Wertschöpfungspotenzials und des Kapitalbedarfs vieler mittelständischer Unternehmen ändern. Viele Unternehmer werden sich daran gewöhnen, dass manches Private-Equity-Unternehmen auch Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen ausüben wird - es muss nicht einmal ein schlechter sein. "Ich bin sich, dass in den nächsten drei bis fünf Jahren eine Brücke zwischen Unternehmern und Private Equity-Managern geschlagen wird", meint Hennerkes.

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