IFRS-Bilanzierung Wenige Mittelständler wollen umstellen

Während die Bilanzierung nach den internationalen IFRS-Regeln für kapitalmarktorientierte Unternehmen bald zur Pflicht wird, bleibt sie für die meisten Mittelständler freiwillig. Entsprechend gering ist deren Interesse, die neuen Regeln anzuwenden, ergab jetzt eine Studie. Sie fürchten vor allem zusätzlichen Aufwand und Kosten.

Frankfurt am Main - Im deutschen Mittelstand halten die internationalen Bilanzregeln nur langsam Einzug. Während zwei Drittel der Dax-Konzerne schon für die Bilanz 2004 die so genannten IFRS-Standards verwendet haben, ist der Anteil bei den Mittelständlern weitaus geringer. Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC) unter 600 mittelständischen Unternehmen ergab, dass rund 80 Prozent der Unternehmen derzeit nicht vorhaben, ihre Rechnungslegung auf IFRS-Standards umzustellen.

Gerade einmal 8 Prozent der Befragten setzten diese internationalen Bilanzierungsmethoden bereits ein, so das Ergebnis. Rund 11 Prozent hätten konkrete Umstellungspläne. Auch wenn sich der Studie zufolge rund 60 Prozent der Unternehmer mit der Frage auseinander gesetzt haben, ob eine Umstellung auf IFRS für sie in Frage kommt, bleibt das konkrete Interesse noch gering.

Eine Überraschung ist das nicht. Denn während die IFRS-Standards für kapitalmarktorientierte Unternehmen wohl spätestens 2007 zur Pflicht werden, bleibt ihre Anwendung für die meisten Mittelständler freiwillig. Und mehr noch: Die Einzelabschlüsse müssen auch in Zukunft nach den Richtlinien des Handelsgesetzbuches (HGB) aufgestellt werden. Eine IFRS-Bilanzierung entbindet die Unternehmer nicht von dieser Pflicht, sondern bedeutet vor allem zusätzlichen Aufwand.

Ein großer Teil der mittelständischen Unternehmen schreckt denn auch aus genau diesem Grund vor der Anwendung der neuen Regeln zurück. Knapp 80 Prozent der Befragten kritisierten, der Umstellungs- und Folgeaufwand sei zu hoch, ergab die DIHK-Studie. Immerhin 50 Prozent befürchten demnach höhere Personalkosten, 57 Prozent rechnen mit höheren Kosten für externe Berater. Knapp die Hälfte der Unternehmen kritisierte die IFRS-Vorschriften als zu komplex.

Mehr Umsatz, mehr Interesse

Mehr Interesse bei größeren Unternehmen

Allerdings verweisen zahlreiche Unternehmer der Studie zufolge auch auf die Vorteile der neuen Bilanzregeln. So sähen sie beispielsweise bei der Vergleichbarkeit von Tochterunternehmen großen Sinn in der Anwendung der IFRS-Regeln, heißt es. Knapp die Hälfte aller befragten Unternehmen hebe die bessere Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage hervor. Zudem rechne sich rund ein Fünftel der Befragten positive Effekte beim Rating durch die Hausbank aus, 12 Prozent hoffen einen leichteren Zugang zum Kapitalmarkt. 14 Prozent erwarten der Studie zufolge Vorteile im internationalen Wettbewerb.

Auffällig ist ein großer Zusammenhang von Unternehmensgröße und dem Interesse an den IFRS-Regeln, den die Studie hervorhebt. Unter jenen Unternehmen, die bereits jetzt nach IFRS bilanzierten fänden sich überproportional viele mit einem Umsatz von mehr als 60 Millionen Euro, schreiben die Unternehmensberater. Auch bei jenen Firmen, die eine Umstellung konkret planen, erzielten mehr als die Hälfte einen Umsatz von mehr als 60 Millionen Euro.

Im Gegenzug zeigten Unternehmen ohne Konzernbindung mit geringen Auslandserlösen und einem Umsatz von höchstens 32 Millionen Euro deutlich weniger Interesse an den internationalen Bilanzstandards. "Unternehmen mit größerem Auslandsumsatzanteil neigen eher als jene mit geringer Auslandsorientierung zu einer IFRS-Bilanzierung. Gleichwohl bilanzieren immerhin etwa 5 Prozent der ausschließlich im Inland tätigen Gesellschaften nach den IFRS-Regeln", erläutert Axel Nitschke, Chefvolkswirt beim DIHK.

Angesichts des noch verhaltenen Interesses der mittelständischen Unternehmer rät Norbert Winkeljohann, PwC-Vorstand für den Mittelstandsbereich, denn auch zu sorgfältiger Überlegung: "Unternehmen sollten die Umstellung der Rechnungslegung auf IFRS immer als betriebswirtschaftliche Investition verstehen und die möglichen Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen."

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