Dienstag, 25. Juni 2019

Unternehmensteuer Finnische Alternative zur SPD

"Eine starke Wirtschaft, deren Erträge fair verteilt werden", heißt es im Wahlmanifest der SPD. Schwer zu sagen, was damit gemeint ist - die Erlösung vom deutschen Steuerübel offenbar nicht. Eine Alternative für Unternehmen wäre Finnland: ein guter Sozialstaat, eine schwarz-rote Koalition am Ruder und prima Unternehmensteuern.

Das erste Ziel im Wahlmanifest der SPD ist "eine starke Wirtschaft, deren Erträge fair verteilt werden". Also: Die Wirtschaft erwirtschaftet Erträge - bis dahin noch nichts Überraschendes - und dann werden sie verteilt. Wie? Fair! Klingt gut. Fragt sich nur, von wem an wen?

Justus Fischer-Zernin ist Rechts- und Fachanwalt der Sozietät Hanselaw Hammerstein und Partner in Hamburg. Er ist aus diversen Fachveröffentlichungen zum Thema Wirtschaftsrecht und Steuern bekannt.
Weiterlesen könnte helfen. "Geld soll nicht die Welt regieren", heißt es - klar, schließlich soll es ja verteilt werden. Der "Volksentscheid" wird gefordert - soll das Volk entscheiden, wie verteilt wird? Lustige Idee, am besten live im Fernsehen: "Die deutsche Wirtschaft hat letztes Jahr 1527 Milliarden Euro Erträge erwirtschaftet. Wir beginnen jetzt mit dem Televoting über die Verteilung", vielleicht auch mit Jackpot und Saalwette; Thomas Gottschalk könnte moderieren. So scheint es aber nicht gemeint zu sein, also weiter suchen.

Your Mountains so lofty, your Treetops so tall

"Arbeit gewinnt wieder stärker an Bedeutung", steht da; 19.47 Uhr und noch immer am Schreibtisch löst bei mir keine Begeisterungsstürme aus. Aber - aufatmen! - offenbar bin ich nicht gemeint, denn es geht um "Nano- und Optotechnik sowie Bio- und Gentechnologie, um bei der ökologischen Modernisierung unsere weltweite Vorreiterrolle auszubauen". Wahlprogramme haben etwas Rührendes, da werden erhabene Gipfel erstürmt und die Bäume wachsen in den Himmel. Nur unsere Frage, wer was verteilt (und vor allem: Was kriegen wir ab?), wird leider nicht beantwortet.

Alter Indianertrick - kannst du die Frage nicht beantworten, stürze dich auf eine Vorfrage. Zum Beispiel: Wenn die Wirtschaft etwas erwirtschaftet und jemand anders das verteilen soll, muss der andere der Wirtschaft das Erwirtschaftete erst einmal wegnehmen. Die Taschen von Spendierhosen wollen schließlich gefüllt sein, bevor es ans Spendieren geht. Und wenn es in Wahlprogrammen ums Wegnehmen geht, sind wir bei unserem Steuerthema; und wenn es um die Erträge der Wirtschaft geht, steuern wir hart auf die SPD-Vorstellungen zu Unternehmensteuern zu. Ein origineller Vorschlag: gerechte Steuern.

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