Slowakei Star Wars und platte Steuern

Quälender als die Besteuerung ist oft die Steuerdebatte, die wir im kommenden Wahlkampf erneut ertragen müssen. In seiner Serie über 15 Steuerstandorte stellt der Anwalt Justus Fischer-Zernin die Slowakei vor: Sie bietet nicht nur eine "flat tax", sondern verschont Unternehmer auch mit wirtschaftspolitischen Sonntagsreden.
Von Justus Fischer-Zernin

Kaum war "Star Wars Episode III" in den Kinos angelaufen, brach bei uns überraschend der Bundestagswahlkampf los, womit natürlich einige Verwirrung entstand. Das Wichtigste vorab: Bei "Skarpelis-Sperk" und "Ypsilanti" handelt es sich weder um abgelegene Galaxien noch um Commander von imperialen Sturmtruppen, sondern um SPD-Politikerinnen.

Das macht die Sache allerdings nicht leichter, denn anders als beim Krieg der Sterne sagen die Matadore unseres Wahlkampfs nicht, ob sie zur Dunklen Seite der Macht gehören. Das muss jeder selbst herausfinden und dabei sollen öffentliche Debatten helfen.

Das Thema Steuern dürfte mal wieder einen Spitzenplatz einnehmen, was daran liegt, dass über kaum etwas ein so breiter Konsens besteht, wie über die Aussage, daß unser Steuersystem grottenschlecht sei. An Ideen, was daran nun bitteschön flugs zu ändern sei, herrscht kein Mangel und so fühlt sich ein jeder berufen, hierzu wichtige Beiträge zu leisten. Am meisten Wirkung haben natürlich Statements im Fernsehen.

Steuern und Aliens - Begegnung mit Außerirdischen

Neulich wurde Guido Westerwelle von Michel Friedmann interviewt und der FDP-Vorsitzende zögerte nicht, seine zentrale Idee zur Rettung des deutschen Steuerstandorts vorzutragen: Die Einkommensteuer soll nicht wie bisher langsam ansteigen von 15 bis 42 Prozent, sondern in drei Stufen (15, 25 und 35 Prozent) erhoben werden.

Sichtlich beeindruckt fragte Herr Friedmann, ob Herr Westerwelle die Chancen für einen solchen steuerpolitischen Befreiungsschlag nicht zu optimistisch einschätze, worauf der FDP-Chef souverän mit ein paar Allgemeinplätzen über Subventionsabbau reagierte. Steuerpraktiker, die schon mehrere Begegnungen mit Außerirdischen hinter sich haben, werden entspannt lächeln und freundliche, beruhigende Worte für den Reformprotagonisten finden.

Let's talk about Sex

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Steuerpraktiker ohne Alien-Erfahrung werden bei der Idee, mit dem von FDP und Union propagierten Stufentarif bei der Einkommensteuer irgendein wichtiges Problem unseres Steuerchaos lösen zu wollen, völlig entgeistert und nervös reagieren. Genauso geht es ihnen bei vielen anderen Steuerkonzepten in der öffentlichen Debatte.

Auch in der Steuerdiskussion geht es meist um die Frage, wie Unternehmen dazu zu bewegen seien, mehr Mitarbeiter einzustellen oder weniger Mitarbeiter zu entlassen. Wer dabei öfter zuschaut, bekommt Störgefühle und irgendwann kommt man dahinter, warum. Überwiegend reden dort Politiker und Professoren oder Verbandsvertreter. Fast ausschließlich Personen, die noch nie auf eigene Rechnung und bei Risiko für das eigene investierte Geld Mitarbeiter eingestellt haben, und die dies auch nicht vorhaben.

Sie haben noch einige der so heiß begehrten Arbeitsplätze abgekriegt und breiten dann ihre großartigen Ideen darüber aus, wie und warum andere nun in Deutschland Arbeitsplätze schaffen sollen. Die ganze Show wirkt, wie wenn Mitglieder der päpstlichen Kongregation über den besten Weg zu einem erfüllten Sexualleben diskutieren.

Eine Weile mag das ganz lustig sein, aber Jahr ein Jahr aus? Für deutsche Unternehmer, die schon deswegen am meisten von dem Irrsinn unseres Steuersystems betroffen sind, weil vor allem sie sich mit einer Vielzahl verschiedener Steuern herumschlagen müssen und überdies auch noch Steuerangelegenheiten ihrer Angestellten übernehmen dürfen, kann irgendwann der Punkt erreicht sein, dass sie sich dem nicht mehr aussetzen mögen. Aber was kann man dagegen tun?

Die Steuerdebatten - Vermeidungsstrategie

Die Steuerdebatten - Vermeidungsstrategie

Da hilft eigentlich nur eins: Gehen Sie mit Ihrem Unternehmen in ein Land, dessen Sprache Sie nicht verstehen! Da kann in Nachrichten, Talkshows und Zeitungen passieren, was will - Sie verstehen kein Wort und brauchen sich über nichts zu ärgern. Verlagern Sie Ihr Unternehmen in die Slowakei.

Dort spricht man slowakisch, so dass jedenfalls für deutsche Unternehmer das Risiko, sich über steuerpolitischen Unfug in den Medien zu ärgern, deutlich entschärft ist. "Verstehen Sie?" heißt auf Slowakisch "rozumiete?". Dieser Hinweis sollte reichen, um der Versuchung slowakisch zu erlernen, zu widerstehen. Mit Englisch sollten Sie jedenfalls für die geschäftlichen Dinge klar kommen.

Flat Tax = Platte Steuer

Die Wirtschaft der Slowakei boomt wegen der gewaltigen Investitionen ausländischer Unternehmen und nicht zuletzt wegen des slowakischen Steuersystems. In der Slowakei gilt nämlich die so genannte Flat Tax.

"Flat" ist englisch und laut Webster's Unabridged Dictionary hat "Flat" 16 unterschiedliche Bedeutungen. Was mit Flat Tax gemeint ist, lässt sich daher nicht so ohne weiteres sagen.

Wer schon einmal im angloamerikanischen Sprachraum gereist ist, weiß aber, dass "Flat Tyre" "platter Reifen" heißt, also übersetzen wir - zwecks Steigerung der Vorfreude - "Flat Tax" hier mal mit "platte Steuer".

Slowakei - es sind immer 19 Prozent

Es sind immer 19 Prozent

Und in der Tat, in der Slowakei sind die Steuern angenehm platt. Einkommensteuer: 19 Prozent, und zwar für alle und auf alles; keine Stufensätze, keine progressiven Sätze, es sind immer 19 Prozent.

Vielverdiener zahlen natürlich schon deshalb mehr, weil 19 Prozent von 1 Million 190.000 sind. Wenigverdiener zahlen weniger, weil 19 Prozent von Tausend nur 190 sind.

Gewinne von slowakischen GmbHs werden auch mit dem Einheitssatz von 19 Prozent besteuert. Werden die Gewinne an slowakische Gesellschafter ausgeschüttet, sind sie von der slowakischen Einkommensteuer befreit, denn die 19 Prozent sind ja bereits - mit der Körperschaftsteuer - von der Gesellschaft bezahlt.

Das sind dann schon die wichtigsten Bestandteile einer Flat Tax; aber weil es so schön ist, hat die Slowakei noch eins draufgesetzt: Auch der Mehrwertsteuersatz liegt bei einheitlich 19 Prozent.

Nach fünf Verlustjahren ist Schluss

Wird nicht nur das Unternehmen in der Slowakei errichtet, sondern wandert der deutsche Unternehmer - getreu dem obigen Rat - gleich mit aus, ist damit zur slowakischen Besteuerung das Wesentliche gesagt. Die Rechnerei hält sich in Grenzen; am Ende kommen immer 19 Prozent heraus.

Vielleicht noch ein Wermutstropfen: Verlustvorträge sind in der Slowakei auf fünf Jahre beschränkt; mehr als fünf aufeinander folgende Verlustjahre führen daher zu Steuernachteilen, die bei 19 Prozent Gewinnsteuer allerdings leichter zu verkraften sind, als die Gemeinheiten, die unsere "Mindestgewinnbesteuerung" nach teuren Verlustjahren bescheren kann.

Für deutsche Investoren einfach und niedrig

Slowakische Steuern einfach und niedrig

Auch wer nicht persönlich in die Slowakei auswandert - etwa weil ihn deutsche Fernseh-Talkshows nicht stören oder er sich seines Fernsehapparates in alter Rockstar-Manier mit einem Wurf vom Balkon entledigt - kann von den Vorteilen des slowakischen Steuersystems profitieren.

Errichtet ein deutscher Einzelunternehmer oder eine deutsche Personengesellschaft eine Niederlassung in der Slowakei oder gibt es eine Beteiligung an einer slowakischen Personengesellschaft, werden auf die dortigen Gewinne auch die 19 Prozent slowakische Steuern erhoben. Aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens mit der Slowakei bleiben diese Gewinne in Deutschland steuerfrei, auch wenn sie hier ausgezahlt werden.

Etwas anderes gilt, wenn eine Beteiligung an einer slowakischen GmbH besteht oder eine deutsche GmbH in der Slowakei eine Niederlassung hat. Die slowakischen Gewinne werden dort mit 19 Prozent besteuert, aber spätestens wenn sie von der slowakischen oder deutschen GmbH als Dividenden an die deutschen Beteiligten ausgeschüttet werden, kommt hier noch einmal das Halbeinkünfteverfahren zur Anwendung, womit bei hoher deutscher Einkommensteuer insgesamt 37 Prozent slowakische und deutsche Steuern auf die Uhr kommen können - immer noch deutlich weniger als bei einem deutschen Unternehmen.

Und es geht noch platter

Die beim deutschen "Jobgipfel" verkündete Absenkung der deutschen Körperschaftsteuer von 25 auf 19 Prozent orientierte sich an den 19 Prozent der Slowakei, wobei es aber mehr um ein psychologisches Signal ging, wie es die deutsche Steuerpolitik so liebt.

Bei uns kommt nämlich immer noch die Gewerbesteuer obendrauf, mit der wir - wenn die vereinbarte Senkung der Körperschaftsteuer vielleicht einmal Wirklichkeit wird - dann wieder bei 35 Prozent landen. Selbst wer meint, dass die Magie der Zahl 19 ausreichen könnte, um unser Steuersystem attraktiv zu machen, sollte noch ein paar Blicke riskieren.

Es geht nämlich noch platter: Rumänien hat eine Flat Tax von 16 Prozent, Serbien 14 Prozent, Ukraine 13 Prozent, Georgien 12 Prozent; für Tschechien sind ab 2007 15 Prozent und für Polen ab 2008 16 Prozent Flat Tax geplant. Ganz schön sexy, die Steuern im Osten. Und was ist mit der erotischen Strahlkraft unseres Steuersystems? Beim Wörtchen "flat" einfach den zweiten Buchstaben streichen!

Nächste Woche: Großbritannien - Gentleman bitten zur Kasse

Ratgeber: Das kleine 1x1 der Steuern bei Auslandsinvestitionen

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