Freitag, 24. Mai 2019

Unternehmensteuer Irland - 12,5 Prozent und 30 Grad

Haben Sie inzwischen Ihre Einstellung zum Kapitalismus nachjustieren lassen? Dann können Sie ja mal wieder darüber nachdenken, wo Sie in Zukunft als Unternehmer investieren wollen. Der Hamburger Anwalt Justus Fischer-Zernin berichtet im Wochentakt über 15 Länder mit anderen Steuersitten.

 Irland, Nummer eins in Europa: Die Geschichte vom irischen Steuerwunder ist schnell erzählt
Irland, Nummer eins in Europa: Die Geschichte vom irischen Steuerwunder ist schnell erzählt

Mögen Sie Geschäftspartner, die öffentlich verkünden, dass sie sich nicht an Verträge halten, wenn ihnen danach ist? Nein? Dann sollten Sie Ihre Geschäftsbeziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland überdenken.

Die bricht laufend Verträge mit anderen Staaten, nämlich Doppelbesteuerungsabkommen (DBA). Und seit dem Herbst 2004 bekennt sie sich sogar öffentlich dazu.

Falls es Ihnen egal sein sollte, dass Deutschland Verträge mit anderen Staaten bricht - denn schließlich sind SIE kein Staat - sollten Sie sich die Sache trotzdem etwas näher anschauen. Es kann gut sein, dass Sie als deutscher Steuerzahler in Mitleidenschaft geraten; man hat es möglicherweise gerade auf SIE abgesehen.

Die Einkommen und die Abkommen

Auch wenn in der öffentlichen Diskussion bisweilen ein anderer Eindruck entsteht, ist das grundlegende Problem der internationalen Besteuerung nicht, dass Personen und Unternehmen sich der Besteuerung entziehen. Vielmehr wird es als äußerst misslich empfunden, wenn auf dieselben Einkünfte von zwei oder gar mehr Staaten Steuern erhoben werden, wobei Steuersätze von mehr als 100 Prozent der Einkünfte auf die Uhr kommen können: die so genannte Doppelbesteuerung.

Justus Fischer-Zernin ist Rechts- und Fachanwalt der Sozietät Hanselaw Hammerstein und Partner in Hamburg. Er ist aus diversen Fachveröffentlichungen zum Thema Wirtschaftsrecht und Steuern unter anderem bei manager-magazin.de bekannt.
Damit das nicht - oder zumindest nicht zu oft - vorkommt, schließen Staaten untereinander Verträge, "Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung" (DBA). Die Bundesrepublik hat mit 91 anderen Staaten solche Vereinbarungen. Dort ist geregelt, bei welchen Einkunftsarten welcher Staat besteuern oder nicht besteuern darf.

Manchmal bleibt eine doppelte Besteuerung zulässig, dann bestimmen die Abkommen, dass die Steuern, die in dem einen Staat gezahlt wurden, auf die Steuern, die der andere Staat auf dieselben Einkünfte erhebt, angerechnet werden. Soweit keine speziellen Ausnahmen vereinbart sind, gilt die Regel, dass Gewinne die ein in einem der beiden Vertragsstaaten ansässiges Unternehmen zu Hause oder sonstwo erwirtschaftet, im anderen Staat nicht besteuert werden dürfen.

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