Herausforderung China Kennen Sie Huawei?

Kürzlich kaufte eine chinesische Firma namens Lenovo die Computersparte von IBM, der Autohersteller Shanghai Automotive verhandelt über einen Einstieg bei Fiat. Das sind klare Signale: Chinesische Konzerne drängen auf den Weltmarkt – wie einst die Japaner und Koreaner.

Vor rund 50 Jahren haben wir noch die Nase gerümpft: Fernseher aus Japan? Wir haben doch Grundig, Nordmende und Saba. Autos aus Japan? Die können doch nur Deutsche, Amerikaner, Briten, Franzosen und Italiener - also wir im fortschrittlichen Westen - bauen.

Damals, in den 50er und beginnenden 60er Jahren, amüsierten sich die westlichen Konsumenten noch selbstherrlich über die Exoten aus dem Fernen Osten. Als die ersten Sony-Fernseher in deutschen Wohnstuben liefen und die ersten Toyotas auf unseren Autobahnen fuhren, nahm man das milde lächelnd zur Kenntnis.

Vor rund 20 Jahren wiederholte sich dann das Schauspiel. Diesmal lächelte man über die Koreaner, die plötzlich Videorekorder und Autos auf dem Weltmarkt anboten. Ihre Markennamen klangen reichlich exotisch; Hyundai, Lucky Goldstar oder das unaussprechliche Daewoo. Auch die Koreaner nahm anfangs keiner ernst im Westen, weder die Konzerne noch die Konsumenten.

Heute sind wir alle klüger: Die japanischen und koreanischen Nobodys von einst sind in vielen Industrien weltweit dominierend. Einige von ihnen haben sogar ganze Branchen im Westen ausgelöscht. Kameras und Geräte der Unterhaltungselektronik werden - abgesehen von ein paar kleinen Nischenanbietern - im Westen überhaupt nicht mehr hergestellt.

Fast alles in diesen Industrien kommt inzwischen aus Korea und Japan. Marken wie Toshiba, Panasonic, JVC, Sony und Samsung beherrschen die Märkte. Außerdem sind Japaner wie Koreaner wichtige Mitspieler auf dem globalen Automarkt geworden.

Und nun schickt sich China an, denselben Weg zu gehen wie Korea und Japan. Aber wir im Westen scheinen zum dritten Male den gleichen Fehler zu machen - weil wir nicht glauben wollen, dass demnächst chinesische Konzerne mit ihren eigenen Produkten und eigenen Marken auf den Weltmärkten auftauchen werden.

Ignoranz auf westlichen Chefetagen

Wie damals vor 50 Jahren bei den Japanern, wie vor 20 Jahren bei den Koreanern, herrschen auch jetzt wieder Arroganz und Ignoranz auf westlichen Chefetagen: "Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass Führungskräften multinationaler Konzerne der Aufstieg der neuen chinesischen Unternehmensklasse, die einige ausländische Märkte bereits mit Erfolg erobert haben, vollkommen entgangen ist", sagen die Berater und Professoren Ming Zeng und Peter Williamson, die am renommierten Insead in Singapur und französischen Fontainebleau lehren.

Die ersten chinesischen Multis tummeln sich schon auf den Weltmärkten. Sie fangen klein an und machen ihre ersten Auslandserfahrungen auf den umliegenden asiatischen Märkten. Doch Schritt für Schritt nähern sie sich den reifen Märkten des Westens. Markt für Markt, Branche für Branche werden sie erobern. Ihre zum Teil schwer auszusprechenden Namen kennen derzeit nur Insider. Wer hat schon jemals von Haier, Huawei, Lenovo, Ningbo Bird oder TCL gehört?

Diese, aber auch einige andere Namen sollte man sich merken, denn sie sind die Samsungs und Sonys von morgen. Bald werden sie in der "Fortune 500"-Liste auftauchen, der globalen Eliteliga der Konzerne. Sie werden den etablierten Multis General Electric, Siemens und wie sie alle heißen kräftig Konkurrenz machen. Und sie werden bald auch das eine oder andere große Unternehmen im Westen aufkaufen.

Wer sind die Samsungs, die Sonys von morgen? Wer aus dem fernen China wird in nicht allzu ferner Zukunft Siemens und Bayer, Vodafone und Nokia, Cisco und ThyssenKrupp attackieren?

Es ist eine illustre Schar von chinesischen Unternehmen, die das Zeug zum Global Player haben. Darunter sind High- und Lowtech-Firmen, noch kleine und schon große Konzerne. Sie kommen aus alten und aus neuen Industrien, sie haben ihren Sitz in den Metropolen, aber auch in der Provinz.

Ihre Gemeinsamkeit: Sie haben meist charismatische Chefs an ihrer Spitze, die häufig auch Gründer des Unternehmens waren. Und sie haben alle eine Vision: Sie wollen auch außerhalb des Riesenreiches eine wichtige Rolle spielen.

Neue Rivalen - vom Handy bis zum Öl

Im Folgenden eine subjektive, aber bei weitem nicht willkürliche Auswahl elf potenzieller chinesischer Multis, die in den nächsten Jahren zu ernsthaften Rivalen auf den Weltmärkten heranwachsen könnten:

China Mobile: Der größte Mobilfunk-Betreiber der Welt. Unvorstellbar: 170 Millionen Kunden! Weit mehr als Vodafone, die Nummer zwei der Welt. Jeden Monat kommen vier Millionen neue Kunden dazu. Sehr profitabel: 4,3 Milliarden Dollar Gewinn bei 19 Milliarden Dollar Umsatz.

Ningbo Bird: Handy-Hersteller Nummer eins in China. Hat alle ausländischen Konkurrenten überholt. Kometenhafter Aufstieg: Verkaufte 1992 das erste Handy, heute werden 20 Millionen Stück im Jahr produziert. Kooperiert bereits mit Siemens. Es darf spekuliert werden, wann Bird die Handy-Sparte von Siemens kauft.

Alibaba.com: E-Commerce-Unternehmen. Erst nur B2B (Business to Business) nun auch B2C (Business to Customer). Will Ebay Konkurrenz machen, erst in China, dann im Rest der Welt. 1998 von dem ehemaligen Englisch-Lehrer Jack Ma gegründet. Größen-Vorteil: China hat schon heute mit knapp 90 Millionen Menschen die größte Internet-Gemeinde nach den USA.

Wanxiang Group: Privates Unternehmen aus der Kapitalisten-Provinz Zhejiang, gleich neben Shanghai. Gegründet von Lu Guanqiu, Chinas fünftreichstem Mann (geschätztes Vermögen: 670 Millionen Dollar). Ist Chinas größter Autozulieferer und hat schon eine erste Fabrik in den USA gebaut.

SAIC: Chinas größter Autokonzern mit Sitz in Shanghai. Hat zwei große Joint-Ventures, eines mit Volkswagen, das andere mit General Motors. Steigt sukzessive in den koreanischen Automarkt ein: Hat sich zuerst mit 10 Prozent an Daewoo beteiligt, kürzlich übernahm SAIC sogar den viertgrößten Hersteller Ssangyong. Der Einstieg bei MG Rover in Großbritannien wurde hingegen Anfang April abgesagt.

CITIC: Voller Name: China International Trust & Investment Corporation. Traditionsreiches Konglomerat, Ende der 70er Jahre entstanden. Stand unter starkem Einfluss der Regierung, inzwischen ist ein Teil an der Börse gelistet. Stark auf dem Finanzsektor, hat aber auch Investments in den Bereichen Bau, Energie und Telekommunikation.

Sinopec: Einer der drei Ölgiganten Chinas. Jetzt schon Asiens größter Raffinerie- und Petrochemiekonzern. Bereits an den Börsen in London und New York notiert. Kauft sich zunehmend wie BP oder Shell in Öl- und Gasfelder im Ausland ein, vor allem im Nahen Osten. Hatte mal 1,3 Millionen Beschäftigte, jetzt - nach einer Schlankheitskur - sind es nur noch rund 400.000.

Weitere Rivalen - von Textil bis Beton

Li Ning: Der Unternehmer Li Ning war 1984 dreifacher Olympiasieger im Turnen und ist sehr populär. Gründete deshalb 1989 als 26-Jähriger unter seinem Namen einen Sportbekleidungskonzern. Engagierte eine große ausländische Werbeagentur. Hat 450 Geschäfte in China. Verkauft seine Kleidung und Schuhe um einiges billiger als Adidas und Nike. Möchte mit seinem Unternehmen so erfolgreich werden wie einst im Turnen.

Baosteel: Lieblingskind der Regierung. 1978 in Shanghai gegründet, von den Machthabern hochgepäppelt. Bekam immer die besten Manager und die neueste Technologie aus dem Westen, ganz gleich was sie kostete. Heute Chinas größter und effizientester Stahlhersteller. 1,6 Milliarden Dollar Gewinn bei 14 Milliarden Umsatz. Selbst die Konkurrenz lobt Baosteel. "Das ist eine First-Class Company", sagt Thomas Usher, Chef von US Steel. Wird zunehmend im Ausland aktiv. Beteiligte sich bereits an Eisenerz-Minen in Australien und Stahlkochern in Brasilien.

Qingdao Brewery: Sicher Chinas globalste Marke. In fast jedem China-Restaurant der Welt wird das Bier aus Qingdao (Tsingtao) aufgetischt. 1903 von Deutschen gegründet. Deshalb nach dem Reinheitsgebot gebraut. Mit 1,2 Milliarden Dollar Umsatz die Nummer eins unter den Bierbrauern in China. Weltweit jedoch weit abgeschlagen. Tat sich deshalb mit dem amerikanischen Braukonzern Anheuser-Busch zusammen. Er will das Bier aus China durch seine weltweiten Vertriebskanäle schleusen.

China State Construction Engineering: Die größte Baufirma des Landes. Hat viel Erfahrung in Großprojekten, von Dämmen bis Flughäfen, vor allem in China, aber auch in Entwicklungsländern. Nun sollen die Industrienationen erobert werden. Der Grundstein ist bereits gelegt: Mitten in New York zieht der Konzern Büro-Hochhäuser und ein Luxus-Hotel hoch. Präsident Sun Wenjie will aber noch höher hinaus: "Wir wollen eine der zehn größten Baufirmen der Welt werden."

Während diese elf Unternehmen die Global Players von morgen sind, gibt es welche, die heute schon kräftig auf den internationalen Märkten mitmischen und bereits jetzt Konkurrenten der westlichen Konzerne sind. Zu diesem potenten Kreis zählen Legend (Computer), Haier ("Weiße Waren"), Huawei (Telekom-Ausrüstung) und TCL (Elektronik).

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