Mittwoch, 24. April 2019

Unternehmensteuer Das Hochsteuer-Paradies

5. Teil: "Gefahr für kleine und innovative Unternehmen"

Gefahr für innovative Unternehmen

An den vergleichsweise hohen Steuersätzen in Deutschland festzuhalten und gleichzeitig die steuerlichen Abzugsmöglichkeiten einzuschränken, sei dagegen eine riskante Strategie, meint Spengel. Eine weitere Einschränkung der Verlustverrechnung sorge vielleicht kurzfristig dafür, dass international tätige deutsche Unternehmen mehr Steuern zahlen. Für den Mittelstand bringe die Veränderung jedoch gar nichts, da mittelständische Unternehmen dann weiterhin mit hohen Steuersätzen in Deutschland leben müssen.

Wachstumsbranche Biotech: "Typischerweise Anlaufverluste"
Zweitens verhindere ein solches Abzugsverbot innovative, risikofreudige Investitionen in den Wachstumsbranchen, auf die Deutschland dringend angewiesen sei, die aber typischerweise Anlaufverluste aufweisen. Drittens würden ausländische Kapitalgeber dann noch seltener in Deutschland investieren - von einer Rückzugsbewegung der stärker zur Kasse gebetenen Konzerne ganz zu schweigen.

Europäischer Gerichtshof kippt Abzugsverbot

Die Verrechnungsmöglichkeiten von Kosten im Zusammenhang mit Auslandsinvestitionen einzuschränken, hat nach Einschätzung von Spengel auch rechtlich kaum Chancen. Der Europäische Gerichtshof habe bereits vor Monaten der Klage eines holländischen Unternehmens Recht gegeben und ein Abzugsverbot gekippt. "Um die Gleichbehandlung sicherzustellen, dürften dann auch die im Inland ausgewiesenen Kosten nicht mehr abzugsfähig sein - das aber können wir uns nicht leisten."

Stattdessen gehe es darum, die Steuersätze innerhalb der EU stärker einander anzunähern. "Die Diskussion um Mindeststeuersätze wird dabei eine immer wichtigere Rolle spielen", so Spengel. Wenn ein deutscher Konzern wie Siemens Börsen-Chart zeigen, Infineon Börsen-Chart zeigen oder Volkswagen Börsen-Chart zeigen seine Produktion zum Beispiel nach Polen verlagere, um Steuern zu sparen, fallen in Deutschland nicht nur Steuereinnahmen, sondern vor allem Arbeitsplätze weg.

Eine Produktionsverlagerung allein aus Steuergründen sei nicht nur bitter für die Mitarbeiter, die in Deutschland entlassen werden, sondern auch wirtschaftlich nicht effektiv. "Ressourcen wie gut ausgebildete Fachkräfte werden dann aus Steuergründen nicht genutzt - das kann nicht Ziel europäischer Wirtschaftspolitik sein."

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