Samstag, 20. April 2019

Unternehmensteuer Das Hochsteuer-Paradies

4. Teil: Die Folgen des Steuerwettbewerbs

Steuerwettbewerb zwingt zu niedrigeren Sätzen

Der real existierende Steuerwettbewerb innerhalb der EU wird sich noch verschärfen. Nicht nur Irland, Litauen, Lettland und Ungarn werben mit niedrigen Steuersätzen - auch Österreich lockt verstärkt deutsche Investoren. So lange Deutschland mit einem Steuersatz von 36 Prozent für Unternehmen nominell als Hochsteuerland gilt, hat es Wettbewerbsnachteile - unabhängig davon, wie hoch die reale Steuerlast in Deutschland tatsächlich ist.

 Mittelstand in der Klemme: Weniger "Gestaltungsspielraum" bei den Steuern
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Mittelstand in der Klemme: Weniger "Gestaltungsspielraum" bei den Steuern
Entlastung brauchen vor allem mittelständische Unternehmen, die ihr Geschäft auf Deutschland konzentrieren und nicht mittels ausländischer Tochtergesellschaften Steuern sparen können. Wegen des Steuerwettbewerbs in Europa sei es schlicht notwendig, die Unternehmen in Deutschland bei der Körperschaftsteuer zu entlasten, fordern die Wirtschaftsprofessoren Bert Rürup, Wolfgang Wiegard und Christoph Spengel in einer gemeinsamen Stellungnahme.

"Diskussion um Schlupflöcher führt nicht weiter"

Spengel, Professor für betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Universität Gießen und Unternehmensteuerexperte beim ZEW, hält die Diskussion um die berühmten Steuerschlupflöcher für wenig produktiv. "Deutschland hat im internationalen Vergleich eine der höchsten Steuerbelastungen, das belegen verschiedene Rechenmodelle", betont Spengel gegenüber manager magazin.de.

Obwohl die Steuersätze in Deutschland im europäischen Vergleich hoch sind, sinkt das Steueraufkommen in Deutschland: "Dieses Problem wird man nicht dadurch lösen, dass man die viel zitierten Steuerschlupflöcher schließt", sagt Spengel. "Wer so argumentiert, vertauscht Ursache und Wirkung."

"Steuersätze müssen runter"

Nach Ansicht des Steuerexperten nutzen internationale Konzerne ihre Möglichkeiten zur Steuergestaltung vor allem deshalb, weil die Steuersätze in Deutschland deutlich höher liegen als in den europäischen Nachbarländern. Ein Verbot von Verlustverrechnungen oder Abzugsverbote für Aufwendungen wie etwa Refinanzierungskosten im Zusammenhang mit Auslandsbeteiligungen änderten nichts an den unterschiedlichen Sätzen und würde die Fluchtbewegung aus Deutschland wahrscheinlich verstärken.

"Daher müssen die Steuersätze für Unternehmen in Deutschland gesenkt werden - unabhängig davon, was mit den vermeintlichen Steuergestaltungsmodellen geschieht", so Spengel. Allein durch niedrigere Steuersätze in Deutschland nehme man den Unternehmen den Anreiz, über komplizierte Gestaltungsmodelle Gewinne in Deutschland zu drücken. Der ZEW-Experte verweist auf das Beispiel Skandinavien: Dort sei das reale Steueraufkommen leicht gestiegen, nachdem die Unternehmensteuersätze deutlich auf jeweils rund 30 Prozent gesenkt wurden.

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