Basel II "Im Notfall ein Volksbegehren"

Die künftigen Anforderungen an die Bonitätsprüfung bereiten so manchem Mittelständler Sorgen. Und welche Erwartungen hat die Kreditwirtschaft an Basel II? Auf einer Diskussionsveranstaltung der Bundesbank zeigten sich die geladenen Bankenchefs zufrieden, mahnten aber auch Nachbesserungen an.
Von Martin Scheele

Frankfurt am Main - Gut, dass die Bundesbank für ihre Expertenkonferenz "Basel II - Jetzt wird es konkret" die 700 Quadratmeter große "Westend Halle" des Marriotts gebucht hatte. Denn über 600 Angehörige der Finanz-Community wollten mehr Einzelheiten über die neuen Kreditrichtlinien erfahren.

Dass rege Interesse beeindruckte auch Postbank-CEO Wulf von Schimmelmann als er mit WestLB-Vormann Thomas Fischer durch die Gänge schritt, um an der abschließenden Podiumsdiskussion teilzunehmen. Gleich vier Vorstandschefs von deutschen Geldinstituten diskutierten über Basel II. Neben von Schimmelmann und Fischer waren dies Dresdner Bank-Chef Herbert Walter und Ulrich Brixner, Vorstandsvorsitzender der DZ Bank. Moderiert wurde die Diskussion von Bundesbank-Vorstand Edgar Meister.

"Wir sehen Basel II mit Gelassenheit entgegen", sagte von Schimmelmann zum Auftakt. Sein Institut brauche nach den neuen Regeln 400 Millionen Euro weniger Eigenkapital, wenn es den internen Ratingansatz anwende. Außerdem erfuhr der Zuhörer, dass die Postbank aber allein für die Vorbereitung der IT-Veränderungen einen "signifikanten zweistelligen Millionenbetrag" einkalkuliert hat. Von Schimmelmanns Kollegen äußerten sich zu der Höhe der Kostenaufwendungen nicht.

Unterm Strich ein gutes Stück profitieren

Dresdner-Bank-CEO Walter sagte, dass sein Institut von Basel II unterm Strich ein gutes Stück profitieren werde. Gleichwohl sei sein Gefühl, dass Margenverbesserungen im Kreditgeschäft so schnell wohl nicht kommen werden, wie einst gedacht. Immerhin werde die Konsolidierung auf der Kostenseite in 18 bis 24 Monaten Früchte tragen. Auf Meisters Frage, ob sämtliche Allianz-Agenturen schon auf Basel II geschult seien, erwiderte Walter: "6000 der 12.000 Agenturen nehmen derzeit an Schulungen teil."

Für Heiterkeit im Publikum sorgte WestLB-Chef Fischer. Auf die Frage von Meister, ob Basel II die Konsolidierung der Bankenbranche forcieren würde, antwortete er: "Mir ist es Wurscht, was die Konsolidierung in Schwung bringt, im Notfall kann dies auch ein Volksbegehren sein". Meister wollte vom ehemaligen Deutsch-Banker ebenfalls wissen, wie das neue Geschäftsmodell der WestLB in concreto aussieht. Bei diesem Punkt ließ sich Fischer aber nicht aus der Reserve locken. "Am Ende kommt eine Universalbank heraus."

"Es gibt kein Recht auf Kredit"

"Es gibt kein Recht auf Kredit"

Genossenschaftsbanker Brixner nannte Basel II ungemein wichtig und wertvoll für sein Haus. Nun gebe es den "Zwang zur Risikodisziplin". Er ging auch auf die Forderungen von Politikern in jüngster Zeit ein, die eine großzügigere Kreditvergabe gefordert hatten. "Diese Schelte von öffentlichen Banken wie der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Politik hilft nicht weiter", erregte sich Brixner. "Kredite werden gegeben, wenn die Bonität stimmt". Das Problem derzeit sei vielmehr, dass Investitionskredite nicht genug nachgefragt würden.

Die öffentliche Kritik an der aktuellen Kreditvergabepraxis ließen - wenig überraschend - auch die anderen Bankchefs nicht gelten. Thomas Fischer brachte es auf den Punkt: "Es gibt kein Recht auf Kredit - das muss die Politik verstehen. Wir müssen allerdings um Verständnis werben, dass Kredite zukünftig teurer werden, wenn die Bonität nicht stimmt". Große Zustimmung fand auch Fischers Äußerung, dass Basel II viel zu komplex sei. "Jede Woche bekommen wir einen fünf Zentimeter starken Papierstapel von relevanten Änderungen", klagte sein Kollege von Schimmelmann.

Schwächen im Richtlinienentwurf

Der Forderung von Bundesbanker Meister, dass die Eigenkapitalregeln auch für alle Tochterinstitute einer Bankengruppe gelten müssten, schlossen sich die vier Vorstandsvorsitzenden an. Als weitere Schwäche im Richtlinienentwurf der EU-Kommission machten die Banker die fehlende europäische Bankenaufsicht aus. Dresdner-Chef Walter: "Wir wünschen uns einen einzigen Ansprechpartner und wollen nicht von verschiedenen Aufsichtsbehörden kontrolliert werden".

Obschon also die Verhandlungen zu diesem Regelwerk seit sechs Jahren andauern und die EU-Finanzminister bis Ende des Jahres die Detailarbeit beendet haben wollen, besteht zumindest aus deutscher Sicht noch Nachbesserungsbedarf. Verbindlich soll das Werk für die Gemeinschaft ab 2007 werden. Ab Ende kommenden Jahres müssen international tätige Banken aber bereits parallel zu den noch geltenden alten Vorschriften ihren Eigenkapitalbedarf auch nach den neuen Regeln von Basel II berechnen.

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