Montag, 17. Juni 2019

Private Equity Das Who is Who der Firmenjäger

KKR, Permira, Blackstone, Cerberus – die Branche der Firmenjäger ist reich an schillernden Namen. Genug Geld haben sie alle, doch ihre Strategien unterscheiden sich deutlich. manager-magazin.de stellt die in Deutschland aktiven Spieler vor.

Mit der Attacke auf den Nahrungsmittelriesen Nabisco machte der US-Investor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) 1988 Schlagzeilen und brachte seine Branche gründlich in Verruf. Die Unternehmensgründer Henry Kravis, Jerry Kohlberg und George Roberts wollten bei der Übernahmeschlacht um Nabisco eigentlich im Hintergrund bleiben. Der Deal kostete sie aber nicht nur ihre Anonymität, sondern am Ende auch mehr als 25 Milliarden Dollar.

KKR-Beteiligung MTU: Zum Großteil auf Kredit gekauft
Ein Profit ließ sich nur noch erzielen, indem Nabisco zerhackt und mehrere tausend Mitarbeiter auf die Straße gesetzt wurden: Das von KKR praktizierte "Bootstrapping" wurde in dem Buch "Barbarians at the Gate" von zwei Reportern des "Wall Street Journal" detailliert beschrieben.

Auf Kohlberg, Kravis und Roberts geht auch die Methode des "Leveraged Buy-out" zurück. Sie kauften Unternehmen größtenteils mit Fremdkapital. Ihre Verbindlichkeiten bei den Gläubigerbanken zahlte KKR anschließend aus den Barmitteln des übernommenen Unternehmens - die Betroffenen fühlten sich nicht ganz zu Unrecht "ausgesaugt". Für die Käufer hingegen war es meist ein glänzendes Geschäft: Fährt das übernommene Unternehmen höhere Gewinne ein, als der Investor jährlich an Zins- und Tilgungslasten zahlen muss, finanziert sich die Übernahme praktisch von selbst.

Auch beim Turbinenhersteller MTU, den KKR von DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen zum Preis von 1,5 Milliarden Euro kaufte, setzte das Unternehmen auf den Leveraged Buy-out. Die Zahl der Mitarbeiter, bereits auf 8000 gesunken, soll noch einmal deutlich reduziert werden. Mit dem Geld, das KKR auf diese Weise einspart, kann der Investor seine Schulden bei den Gläubigerbanken rasch bedienen. Gelingt in zwei bis drei Jahren der Börsengang des Turbinenherstellers, dürfte zusätzlich eine hübsche Summe für den Investor übrig bleiben.

Doch selbst die als "Raider" titulierten Firmenjäger aus den USA haben in Deutschland sanfte Erfolgsgeschichten vorzuweisen. Vor fünf Jahren hatte KKR das Geldautomatengeschäft von Siemens Börsen-Chart zeigen übernommen. Inzwischen hat die Wincor Nixdorf genannte Firma ein erfolgreiches Börsendebüt hingelegt und beschäftigt sogar mehr Mitarbeiter als vor fünf Jahren. KKR zeigt sich zudem geduldiger als in den wilden 80er Jahren: Im Schnitt wird eine Beteiligung jetzt sieben Jahre lang gehalten. Mit dem Börsengang von Auto-Teile-Unger, die man kürzlich von der britischen Doughty Hanson übernommen hat, will sich KKR denn auch gebührend Zeit lassen.

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