Donnerstag, 27. Februar 2020

Private Equity Das Who is Who der Firmenjäger

5. Teil: Cerberus - der Höllenhund sucht Beute

Cerberus - der Höllenhund sucht Beute

Der Cerberus ist ein wahres Monster: Ein dreiköpfiger Hund, der nach der griechischen Sage den Eingang zum Hades bewacht, wo die Toten wohnen. Dass sich eine Private-Equity-Gesellschaft dieses Höllentier als Namenspatron aussucht, spricht für ein gesundes Selbstbewusstsein.

Cerberus-Beteiligung Air Canada: Immer bereit zur Übernahmeschlacht
Eben jene Investmentgruppe zählt mit einem verwalteten Fondsvermögen von 13 Milliarden Dollar zu den großen Spielern am Markt. Das Geld stammt vorwiegend von US-Pensionsfonds und wohlhabenden Einzelpersonen. Cerberus legt die Summen in Immobilien und bei der Finanzierung von Unternehmensübernahmen an. In der Regel geht es um langfristige Engagements. Zudem hat sich der US-Investor auf Kauf und Verwertung von faulen Krediten spezialisiert.

Seit 2003 ist die Gesellschaft mit einem eigenen Büro in Frankfurt vertreten. Deutschland soll nach den USA und Japan dritter zentraler Markt werden. Insgesamt vier Milliarden Dollar wollen die Amerikaner hier zu Lande investieren.

Als ob der Name Programm wäre, ist Cerberus stets bereit für eine Übernahmeschlacht. So bot der Fonds mit um die britische Werbe- und PR-Gruppe Cordiant. Allerdings ohne Erfolg. Am Ende machte Reklamegigant WPP das Rennen. Besser lief es bei der insolventen Air Canada. Hier obsiegte Cerberus nach langem Kampf jüngst gegen den Hongkong-Chinesen Victor Li. Auch der italienische Sportartikelhersteller Fila gehört zum Portfolio.

In Deutschland entfaltet Cerberus seit Etablierung der Frankfurter Dependance bemerkenswerte Aktivitäten. Der erste große Deal war die Übernahme der Deutsche Städte Marketing als Finanzpartner der Ströer AG.

Derzeit liegt der Schwerpunkt wie beim Konkurrenten Fortress im Immobilienbereich. So bot auch Cerberus für die WCM-Tochter IVG. Der chronisch knappen Stadt Berlin kaufte Cerberus für zwei Milliarden Euro die Baugesellschaft GSW mit 66.000 Wohnungen ab. Erfolglos verlief hingegen das Wettbieten um die zur BfA gehörende Gagfah. Dort hatte Konkurrent Fortress den längeren Atem.

Die Bundeshauptstadt hat es dem Fonds offenbar angetan. "Die Amerikaner glauben an das Potenzial Berlins", sagt ein Sprecher. Daher sind weitere Zukäufe in der dortigen Immobilienbranche wahrscheinlich.

Interesse an einem deutschen Finanzinstitut wird Cerberus ebenfalls nachgesagt, laut Presseberichten war die ING-BHF-Bank ein möglicher Kandidat. "Eine eigene Bank ist für einen Private-Equity-Fonds immer spannend", heißt es in Branchenkreisen. In Japan kontrollieren die Amerikaner bereits die Aozora-Bank.

Zuletzt war zu lesen, Cerberus verhandele mit Bayer Börsen-Chart zeigen über den Kauf des Blutplasmageschäfts. Auch mit dem Kauf der Tui-Aktien Börsen-Chart zeigen der WestLB wird der Fonds in Zusammenhang gebracht. Cerberus kommentiert die Gerüchte nicht. Dennoch: Gerade bei Tui liegt der Einstieg nahe, kennt doch WestLB-Chef Thomas Fischer die US-Investoren gut. Zwischenzeitlich war er für das Unternehmen als Berater aktiv.

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