Samstag, 18. Januar 2020

Indien vs. China Der Ganges lockt

3. Teil: "Indien ist kommende Industrienation"

mm.de: Heißt die Alternative Indien?

Weiler: Indien ist das aufsteigende Industrieland der kommenden Jahre. Ich selbst habe es zunächst für eine Alternative gehalten, was sich aber - zumindest für unsere Bedürfnisse - als Fehleinschätzung herausgestellt hat. Nachdem das Joint Venture in China Erfolg versprechend angelaufen war, suchte ich nach einem zweiten Standbein, um nicht auf ein einzelnes Land angewiesen zu sein. Ich bin schließlich nach Indien gekommen, habe aber feststellen müssen, dass die Qualitäten der beiden Standorte grundverschieden sind.


"Mittelstand goes to India"

Geplant ist eine auf Führungskräfte der mittelständischen Industrie zugeschnittene Informationsreise nach Indien. Diese soll vom 5. bis 13. Februar 2005 stattfinden. Anmeldung und Rückfragen an: management@digisound.de oder duesseldorf@indo-german.com.

Im German-Indian Round Table (GIRT) referieren regelmäßig Experten für alle Belange indischer Geschäftsmöglichkeiten. Den für Sie nächst gelegenen Stammtisch finden Sie unter www.girt.de.
mm.de: Welche Vorzüge hat China? Was hatten Sie sich erhofft?

Weiler: China ist überall da besonders gut, wo es um die Produktion großer Stückzahlen bei gleich bleibend hoher Qualität geht. In Indien kosten die gleichen Prozesse etwa das Doppelte - bei größeren Qualitätsschwankungen. Als wir diese Erfahrung machten, bauten wir die Massenfertigung in China weiter aus.

Unsere indischen Standorte haben wir inzwischen auf Hightech umgestellt. Das Erlernen neuer Tätigkeiten beherrschen die Inder sehr gut, ebenso Präzisionsarbeiten. Ganz abgesehen von der großen Zahl hoch qualifizierter Intellektueller. Die Frage, wohin wir ausweichen, wenn uns China mal den Stuhl vor die Tür setzen sollte, haben wir jedoch bis heute nicht beantwortet.

mm.de: Ihre Erfahrungen mit Indien teilen Sie auf eigens dafür eingerichteten Stammtischen.

Weiler: Ja, auf die Idee brachte mich der frühere indische Botschafter, weil er wollte, dass sich die deutsche Geschäftswelt nicht ausschließlich um das Boom-Land China kümmert. Wir entschlossen uns, zum Erfahrungsaustausch und zu Vorträgen einzuladen. Für Tagungen haben die meisten Unternehmer keine Zeit. Deswegen haben wir die Form des Stammtisches gewählt, der in sieben deutschen Städten alle zwei Monate jeweils 20 bis 100 Interessierte anzieht.

Wir sind kein Verein. Neben vorgegebenen Themen - heute Abend zum Beispiel die Vorbereitung von Gesprächen im Ausland - kann jeder Teilnehmer mit seinen Fragen kommen.

mm.de: Da würden sich auch Informationsreisen anbieten.

Weiler: Genau so etwas bereiten wir im Augenblick vor, mit der Reise "Mittelstand goes to India", die im Februar 2005 stattfindet. Bis zu hundert Teilnehmer werden sich, unterteilt in Branchengruppen, ein eigenes Bild machen und Kontakte knüpfen - nicht als Staffage für einen Staatsbesuch. Wenn alle Vorbereitungen getroffen sind, drehen wir den Spieß übrigens um: Dann bieten wir der Politik an, bei unserer Wirtschaftsdelegation mitzufliegen.

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