Donnerstag, 23. Januar 2020

Indien vs. China Der Ganges lockt

2. Teil: "Chinas Wirtschaft droht Überhitzung"

mm.de: Was war so brutal?

Weiler: Wir mussten den Chinesen viel beibringen, im technischen Bereich, bei der Abwicklung und bei der Qualität. Da machen sich viele kulturelle Unterschiede bemerkbar.

 Rudolf Weiler: "Zunehmend wird aus China-Geschäften ein Vabanquespiel. "
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Rudolf Weiler: "Zunehmend wird aus China-Geschäften ein Vabanquespiel. "
mm.de: Heute sieht es im Fernsehen vergleichsweise leicht aus, ein Joint Venture in China zu vereinbaren: Die Wirtschaftsvertreter steigen beim Bundeskanzler mit in die Maschine, an der chinesischen Gangway warten schon die Gesprächspartner. Wie haben Sie damals die richtigen Leute gefunden?

Weiler: Was man im Fernsehen sieht, ist ja nur das Ende eines langen Verhandlungsprozesses. Die Partnersuche, die man in der Regel bei der Handelskammer oder darauf spezialisierten Organisationen beginnt, ist heute kaum leichter als vor Jahren für uns. Im Gegenteil: Ich denke, dass wir damals wesentlich individueller verhandeln konnten, als es heute noch üblich ist.

mm.de: Warum? Hat sich kapitalistische Routine eingeschlichen?

Weiler: Heute kommt man in China in eine Geschäftswelt, die abgeschottet und durchtrieben ist, die nur noch den eigenen Vorteil und das schnelle Geld kennt. Ein Mittelständler sollte sich überlegen, ob China heute überhaupt noch der richtige Standort für ihn ist.

mm.de: In China arbeiten knapp 900 Mitarbeiter für Digisound, ein weiteres Werk wird gerade gebaut. Warum raten gerade Sie vom Reich der Mitte ab?

Weiler: Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe keine Probleme in China und bin sehr zufrieden mit unserer Zusammenarbeit dort. Aber die chinesische Wirtschaft ist dabei, allmählich zu überhitzen - auch wenn es noch ein paar Jahre weiter gut gehen mag.

Hinzu kommt übersteigertes Selbstbewusstsein bei vielen chinesischen Geschäftsleuten, was die Situation nicht gerade leichter macht. Selbstverständlich bleibt China vorerst ein attraktiver Markt und Standort. Das gilt aber vor allem für die Unternehmen, die schon dort sind. Zunehmend wird aus China-Geschäften ein Vabanquespiel.

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