Kreditvergabe Durchbruch bei Basel II

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat sich auf die seit Jahren verhandelten neuen internationalen Eigenkapitalregeln für Banken geeinigt. Die Institute sollen die Richtlinien zur Absicherung von Kreditrisiken nach einem gestaffelten Zeitplan anwenden.

Basel - Damit könne das so genannte Basel-II-Abkommen wie geplant Ende 2006 in Kraft treten, teilte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) am Dienstag mit. Die größten internationalen Kreditinstitute könnten mit der Anwendung des komplexen Regelwerks bis Ende 2007 warten, während für andere die Vorschriften wie bisher geplant bereits ab Ende 2006 gelten sollen.

Der spätere Termin kommt vor allem den amerikanischen Banken und ihren Aufsehern entgegen, die im Vorfeld den frühen Termin in Frage gestellt hatten. Endgültig verabschiedet und beschlossen werden soll das Regelwerk Ende Juni.

Bei den Verhandlungen, deren Abschluss zunächst erst für Mittwoch erwartet worden waren, wurden noch offene Fragen geklärt. Die komplexesten Verfahren der Risikoeinschätzung müssten aber noch ein weiteres Jahr untersucht werden und sollten deshalb erst Ende 2007 eingeführt werden, hieß es.

Der Termin für das Inkrafttreten von Basel II war bereits drei Mal verschoben worden. Zuletzt war der Zeitplan im Herbst 2003 in Gefahr geraten, als die US-Banken und -Aufseher sehr spät neue Bedenken gegen das Regelwerk vorbrachten.

Viele Banken in Europa bereiten sich dagegen schon seit Jahren auf Basel II vor und haben bereits Millionen in den Aufbau neuer Ratingsysteme zur Bewertung der Bonität ihrer Kunden investiert. Das Entgegenkommen für die US-Banken verzerrt nach Befürchtung von Experten daher den Wettbewerb und stellt die neuen Vorschriften in Frage.

"Ein Problem ist, wie endgültig das alles ist", sagte Simon Gleeson, Rechtsexperte für Basel II von der Kanzlei Allen and Overy LLP in London. Womöglich würden die Regeln in Washington und Brüssel nun verändert und keiner werde sie mehr einhalten. Auch Karen Shaw Petrou von Federal Financial Analytics in Washington kritisierte, nun gebe es nationale Eigenwege und kein international einheitlichen Herangehen mehr.

Verständliches Risikomanagement

Die neuen Eigenkapitalregeln sollen das geltende Abkommen, den Baseler Akkord aus dem Jahr 1988, ersetzen, das als nicht mehr zeitgemäß gilt. Basel II führe für das Risikomanagement einen weitaus verständlicheren Handlungsrahmen als bislang ein, erklärte Jaime Caruana, Chef der spanischen Zentralbank und Vorsitzender des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht.

Die internationalen Bankenaufseher von Aufsichtsbehörden und Zentralbanken arbeiten in dem Gremium der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich seit mehr als fünf Jahren an dem neuen Regelwerk. Ziel ist es, für größere Stabilität der weltweit verflochtenen Finanzwirtschaft zu sorgen.

Die Banken sollen dazu die Absicherung von Krediten mit Eigenkapital künftig stärker an den individuellen Ausfallrisiken ihrer Kunden orientieren statt wie bisher alle Ausleihungen pauschal mit acht Prozent Eigenkapital zu unterlegen. Kunden mit geringerer Kreditwürdigkeit müssen damit höhere Zinsen zahlen als solche mit hoher Bonität.

Basel II gilt für die Kreditwirtschaft in nahezu allen Ländern der Erde. Die Richtlinien müssen nun in nationale Regelungen umgesetzt werden. Dabei wird auch entschieden, ob die Regeln auf alle Banken oder nur auf die größten - wie in den USA - angewandt werden. Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte, die Behörde werde einen ersten Entwurf für die EU-Gesetzgebung im Juli vorlegen.

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