Samstag, 17. August 2019

Baustelle Deutschland Rosskur für die neuen Länder

Ostdeutschland bleibt eine Problemzone. Jedes Jahr überweist der Westen mehr als vier Prozent seines Sozialprodukts an die neuen Länder. Die ökonomischen Kosten dieser Transfers sind enorm, weil sie private Initiative ersticken – in Ost wie West. Es gibt nur eine Lösung: mehr Föderalismus wagen.

 Henrik Müller , Redakteur bei manager magazin, schreibt über wirtschaftspolitische Themen. Dieser Essay ist eine stark gekürzte Fassung eines Kapitels aus seinem neuen Buch "Wirtschaftsirrtümer. Richtigstellungen von Arbeitszeitverkürzung bis Zinspolitik".
Manfred Witt
Henrik Müller, Redakteur bei manager magazin, schreibt über wirtschaftspolitische Themen. Dieser Essay ist eine stark gekürzte Fassung eines Kapitels aus seinem neuen Buch "Wirtschaftsirrtümer. Richtigstellungen von Arbeitszeitverkürzung bis Zinspolitik".

1990 arbeitete ich ein halbes Jahr als Reporter in Rostock. Unmittelbar nach der deutsch-deutschen Währungsunion traf ich dort im Juli ein. Aus nächster Nähe erlebte ich den Beginn der ökonomischen Katastrophe mit, besuchte die großen Werften an der Küste, in Rostock, Stralsund und Wolgast, recherchierte im heruntergekommenen Greifswalder Kernkraftwerk, sprach mit den Kombinatschefs, allesamt SED-Kader, die damals noch im Amt waren, besuchte landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPGs), redete mit Bürgerrechtlern, Neupolitikern und Existenzgründern.

Niemand wusste damals, wie es weiter gehen sollte. Was sollte aus einer Region werden, in der es keine großen Städte gab und die von Landwirtschaft und Schiffbau geprägt war, beides Branchen, die in allen wohlhabenden Ländern des Westens zu den Sorgenkindern der Ökonomie gehören?

Diese Frage stellte ich damals Alfred Gomolka (CDU), dem ersten Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern. Wir saßen bei ihm zuhause in der Küche im Greifswalder Vorort Eldena und tranken Kaffee. Gomolka ist ein bedächtiger Mann mit leiser Stimme, der nicht eben zu Euphorie neigt.

Er zog an seiner Pfeife. In den kommenden zehn Jahren, also bis zum Jahr 2000, so glaubte er damals, werde sich sein Land zu einer Mischung aus Hightech- und Tourismus-Region entwickeln. Wohlhabend, natürlich, integriert in die Märkte des Ostseeraums.

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