Exklusiv-Studie Perspektive Mittelstand

Wie geht der deutsche Mittelstand mit der Krise um? Eine exklusive Studie im Auftrag von manager magazin gibt detailliert Aufschluss und kommt zu überraschenden, teils alarmierenden Ergebnissen.

Hamburg - Mittelständische Unternehmer schätzen die wirtschaftliche Lage in Deutschland düster ein. 69 Prozent halten die Situation ihrer eigenen Firma für nicht gut. Dies ist das alarmierende Ergebnis der Studie "Perspektive Mittelstand" die manager magazin gemeinsam mit dem Stromanbieter Watt Deutschland  erstellt hat.

Noch schlechter schätzen die Unternehmer die wirtschaftliche Lage Deutschlands insgesamt ein: Sie sei "eher schlecht" oder "sehr schlecht", sagen zwei Drittel der Befragten; nur drei Prozent halten die Lage für gut.

Die Unternehmer machen zu 61 Prozent die deutsche Politik für die unbefriedigende Situation ihrer Firmen verantwortlich. Ärgernisse sind insbesondere die Steuergesetze, zu viel Bürokratie und eine mangelnde Förderung des Mittelstands.

Der Mittelstand in der Defensive

Anders als es die aktuelle politische Debatte nahe legt, scheint das restriktive Tarif- und Arbeitsrecht für die meisten Mittelständler dagegen kein Problem zu sein. Nur 30 Prozent sind der Meinung, dies habe maßgebliche Mitschuld an der Lage ihrer Firma. Entsprechend planen nur neun Prozent, aus dem Flächentarif auszusteigen; selbst von den Unternehmen in schlechter Lage wollen nur elf Prozent diesen Schritt tun.

Die Unternehmer reagieren auf die Situation überwiegend defensiv, indem sie ihre Kapazitäten einfrieren. Viele sparen bei ihren Beschäftigten: Sie haben einen Einstellungsstopp verhängt (39 Prozent), stellen verstärkt befristet Beschäftigte (28 Prozent) und Leiharbeitskräfte (13 Prozent) ein, bauen Personal ab (25 Prozent) beziehungsweise senken das Lohnniveau (zehn Prozent). Nur eine Minderheit ist dabei, zu expandieren (19 Prozent) oder neue Geschäftsfelder zu erschließen (24 Prozent).

Über 500 Entscheider befragt

Trotz der häufig schlechten Lage wollen die meisten Unternehmer, dass die Firmen in der Hand der Familie bleiben. Nur acht Prozent geben an, sie wollten sich für externe Anteilseigner öffnen; sechs Prozent planen, Entscheidungsfunktionen an angestellte Manager zu übergeben. An einen Verkauf denken lediglich drei Prozent.

Für die repräsentative Erhebung "Perspektive Mittelstand. Die deutsche Wirtschaft im Umbruch" wurden Firmen aller Branchen in allen Regionen der Bundesrepublik interviewt. Im Auftrag von manager magazin und Watt Deutschland  hat das Frankfurter Institut Media Markt Analysen (MMA) 512 Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und angestellte Geschäftsführer von Unternehmen mittlerer Größe (mindestens eine Million Euro Jahresumsatz, maximal 500 Beschäftigte) im Herbst 2003 befragt.

Perspektive Mittelstand: Die Ergebnisse der Studie Ab durch die Mitte: Das Spezial für den Mittelstand

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