Finanzplatz Deutschland Mittelstandspläne von Ackermann und Eichel

Wachsen soll sie, die deutsche Konjunktur. Helfen sollen Initiativen für den Mittelstand und neue Impulse für die Altersvorsorge. Diese Ideen präsentierten der Deutsche-Bank-Chef, der Bundesfinanzminister und der Bundesbankpräsident beim IFD-Treffen.

Frankfurt - Die Finanzwirtschaft will zusammen mit der Bundesregierung neue Wachstumsimpulse für Deutschland geben. Die Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) stellte am Dienstag in Frankfurt gleich ein ganzes Bündel an entsprechenden Maßnahmen vor.

Unter anderem soll der Mittelstand künftig einfacher an Kredite kommen. Zudem präsentierten Deutsche Bank -Chef Josef Ackermann, Bundesbankpräsident Ernst Welteke und Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) ein Konzept für die private Altersvorsorge.

Zur Förderung der privaten Altersvorsorge gibt es nach Auffassung der Vertreter von Banken und Sparkassen, Versicherungen, der Deutschen Börse, der Bundesbank und des Finanzministeriums keine Alternative. Daher will die IFD durch attraktive neue Produkte die private Spartätigkeit in diese Richtung lenken. Mit einem speziellen Eigenvorsorge-Konto soll der Kunde sein Vermögen je nach Lebenssituation umschichten können.

Mangelnde Rechtssicherheit, komplizierte Förderwege

Beim Thema Altersvorsorge ist nach Ansicht der Banken der Staat gefragt. Die Finanzbranche bemängelt insbesondere, dass mangelnde Rechtssicherheit und zu komplizierte Förderwege bisher viele potenzielle Sparer von der privaten Altersvorsorge abhalten. Damit werde ein großer Markt gar nicht erst erschlossen, das sei ein Grund für den starken Arbeitsplatzabbau in der Branche.

In der vergangenen Woche hatte etwa die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS berichtet, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Riester-Verträge in den ersten zehn Monaten 2003 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 90 Prozent eingebrochen sei. Mit Spannung wird erwartet, welche Verbesserungen Bundesfinanzminister Eichel heute in Aussicht stellt.

Bei der Mittelstandsfinanzierung soll nach den Vorschlägen der IFD in erster Linie das Eigenkapital der Unternehmen gestärkt werden. Ein spezieller Fonds für kleine Firmen und neue Finanzierungsinstrumente sind in Vorbereitung. Zur Erleichterung der Kreditvergabe wollen die beteiligten Institute den Vergabeprozess einfacher und transparenter gestalten. Unter anderem sollen die bankinternen Beurteilungen (Ratings) standardisiert und den betroffenen Mittelständlern offen gelegt werden.

Deutsche Börse denkt über Mittelstandssegment nach

Auch Finanzierungsinstrumente in Verbindung mit Förderprogrammen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) werden vorbereitet. Schließlich soll mittelständischen Unternehmen der Gang an die Börse erleichtert werden, wobei auch nach einer Börsennotierung eine Begleitung durch einen Mentor vorgesehen ist. Dazu will die Deutsche Börse im Falle einer ausreichenden Nachfrage ein spezielles Segment anbieten.

Da die Rechtsgrundlagen für Finanzdienstleistungen überwiegend auf europäischer Ebene entschieden werden, will die deutsche Finanzindustrie in Brüssel mit einer Stimme auftreten. Darauf hätten sich alle Verbände der Branche im Rahmen der Initiative geeinigt, teilte Deutsche-Bank-Chef Ackermann mit.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) begrüßte die Initiative. Die von sieben Arbeitsgruppen der Finanzbranche erarbeiteten Vorschläge seien mehr als "nur ein Forderungskatalog an die Politik".

Die IFD war im Frühjahr von den privaten Großbanken ins Leben gerufen worden, um den krisengeschüttelten Finanzplatz Deutschland voranzubringen und gleichzeitig die schlechte eigene Ertragslage zu bekämpfen.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.