Milliardenverluste in Russland Das Desaster der Investoren

Die Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf den militärischen Einmarsch in die Ukraine betreffen Unternehmen rund um den Globus. Bei internationalen Konzernen, Banken und Investoren sind viele Milliardenprojekte gefährdet.
Schwierige Zeiten: der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock

Schwierige Zeiten: der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock

Foto: Brendan McDermid / REUTERS

Die Entwicklung in Russland könnte für viele dort investierte Unternehmen und Fonds zu einem finanziellen Fiasko werden. Laut Daten des Finanzanalysehauses Morningstar sind allein internationale Fonds mit Aktien und Anleihen im Wert von mindestens 60 Milliarden Dollar in Russland engagiert. Diese Investitionen sind nun gefährdet – und viele andere:

Aktien und Anleihen

Am stärksten betroffen sind hier US-Vermögensverwalter wie die Capital Group, BlackRock und Vanguard. Wie aus Veröffentlichungen im Zeitraum September 2021 bis Ende Februar 2022 hervorgeht, summieren sich die Engagements der 100 größten Fonds auf mehr als 60 Milliarden Dollar.

Schuldverschreibungen

Einer Analyse der US-Investmentbank JP Morgan zufolge besitzen Ausländer rund 79 Milliarden Dollar an russischen Schuldverschreibungen.

Banken

Ausländische Geldhäuser haben laut Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ein Russland-Risiko von etwa 120 Milliarden Dollar. In Europa sind italienische und französische Banken am stärksten betroffen – jeweils mit etwas über 25 Milliarden Dollar. Das Engagement von US-Banken summiert sich auf 14,7 Milliarden Dollar.

Von den Einzelinstituten ist die österreichische Raiffeisen Bank International besonders stark im Risiko – mit 22,85 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf das Geschäft mit privaten Firmenkunden. Bei der französischen Société Générale, die die russische Rosbank kontrolliert, sind es 18,6 Milliarden Euro. Die italienische UniCredit hatte Mitte 2021 ein Russland-Risiko von 14,2 Milliarden Euro. Von den US-Instituten ist die Citigroup mit fast zehn Milliarden Dollar in Russland engagiert.

Weitere Unternehmen

BP will seine Beteiligung am russischen Öl-Riesen Rosneft aufgeben. Auf Rosneft entfallen rund die Hälfte der Öl- und Gasreserven von BP und ein Drittel der Produktion. Die Veräußerung der Beteiligung von 19,75 Prozent wird nach Angaben des britischen Unternehmens zu Belastungen führen und bis zu 25 Milliarden Dollar kosten.

Exxon Mobil zieht sich aus dem russischen Öl- und Gasgeschäft zurück. Dieses wurde bislang mit mehr als vier Milliarden Dollar bewertet.

Auch Shell gibt alle Tätigkeiten in Russland auf. Die Entscheidung, russische Gemeinschaftsunternehmen zu verlassen, werde zu Abschreibungen führen. Der Ölkonzern hatte dort Ende 2021 rund drei Milliarden Dollar an Vermögenswerten.

Norwegens Staatsfonds

Der norwegische Staatsfonds – der größte der Welt – hat den Wert seiner in Russland gehaltenen Vermögenswerte in Höhe von rund drei Milliarden Dollar überwiegend abgeschrieben. Der Fonds war Ende 2021 in Russland über Aktien an 51 Unternehmen beteiligt. Die wertvollsten davon waren Gazprom, Sberbank und Lukoil.

hr/Reuters