Einstieg ins Outdoor-Geschäft Warum Miele den Grillhersteller Otto Wilde übernimmt

Der Traditionshersteller Miele übernimmt das Düsseldorfer Grill-Start-up Otto Wilde, das mit seinem Oberhitzegrill O.F.B dem US-Hersteller Weber kräftig Konkurrenz macht. Miele war bislang nicht auf dem Outdoor-Markt aktiv - was steckt hinter dem Deal?
Essen fassen: Miele hat bei Otto Wilde zugegriffen

Essen fassen: Miele hat bei Otto Wilde zugegriffen

Foto: Otto Wilde Grillers

Der Name Miele steht eigentlich für Waschmaschinen, Geschirrspüler und andere Geräte, die die Arbeit im Haushalt leichter machen. Mit Betonung auf: im Haushalt. Für den Grillabend auf Terrasse oder Balkon hatte Miele bislang nichts im Angebot. Doch das ändert sich nun: Wie am Dienstag bekannt wurde, übernimmt Miele eine Mehrheit von 75,1 Prozent an Otto Wilde Grillers, einem Start-up aus Düsseldorf, das sich auf Gas- und Elektrogrills spezialisiert hat. Darüber hinaus - und da wird es für Miele eigentlich interessant - will Otto Wilde künftig komplette Outdoor-Küchen im Modular-System anbieten. Für diese Expansion benötigen die Düsseldorfer Kapital, und das kommt nun zum Großteil von Miele.

Bislang ist Otto Wilde ein Familienunternehmen, wie es im Buche steht. 2015 tat sich der Düsseldorfer Bergbau-Ingenieur und Ex-CEO einer Maschinenfabrik Ulrich Otto Wilde mit einem Sohn Nils, Schwiegertochter Julia und Alexander Luik zusammen, um das Start-up zu gründen. Luik hat mit Nils Wilde zusammen studiert und ist Firmenangaben zufolge ein langjähriger Freund der Familie. "Wir alle lieben gutes Essen und vor allem lieben wir Grillen", schreiben die vier, die auch künftig die verbleibenden 24,9 Prozent der Firmenanteile halten werden, auf der Firmenwebsite. "Deshalb haben wir nach einem Weg gesucht, um das perfekte Steak auch zu Hause zu grillen."

Herausgekommen ist zunächst der Oberhitzegrill O.F.B, das Flaggschiff des Unternehmens, mit der Möglichkeit zur stufenlosen Hitzeregelung auf bis zu 900 Grad Celsius. Das Gerät, das auf der Wilde-Website für 800 bis 900 Euro bestellt werden kann, wurde zum Erfolg: Allein 2020 habe Otto Wilde Bestellungen im Wert eines zweistelligen Millionenbetrags erhalten, wird Mitgründer Luik in Medien zitiert. Der Umsatz, zu dem das Unternehmen selbst keine Angaben macht, liegt Berichten zufolge im achtstelligen Bereich.

Dabei kommt das Geld bereits aus aller Welt in die Firmenkasse. Nachdem Europa weitgehend abgedeckt war, lieferte Otto Wilde eigenen Angaben zufolge schon Mitte 2017 erstmals einen Grill in die USA. Kurz darauf erfolgte der Markteintritt in Australien. Seit 2016 seien mehr als 15.000 Produkte in mehr als 30 Länder ausgeliefert worden, schrieb das Unternehmen im vergangenen Jahr im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Kickstarter.

Apropos Crowdfunding: Otto Wilde nutzte diesen Weg zur Finanzierung seines Wachstums via Kickstarter bereits zweimal, zuerst 2016 und zuletzt 2020. Während beim ersten Mal Firmenangaben zufolge 330.000 Euro zusammenkamen, waren es im vergangenen Jahr bereits 4,5 Millionen Euro. Allein innerhalb eines Tages unterstützten treue Fans das Start-up, das inzwischen 30 Mitarbeiter beschäftigt, dabei Berichten zufolge mit 1,5 Millionen Euro.

Gedacht ist das Geld aus der zweiten Sammlung für den Ausbau des Geschäfts mit modularen Outdoor-Küchen. Ein Bereich, in dem auch Miele großes Wachstumspotenzial sieht - weshalb die Traditionsfirma beim Jungunternehmen aus Düsseldorf nun zugriff.

Miele schätze das weltweite Marktvolumen bei Barbecue-Grillgeräten auf mehr als fünf Milliarden Euro, berichtet das "Handelsblatt ". Rund ein Fünftel davon entfalle auf den deutschen Markt. Dabei sei eine Sättigung des Marktes wohl noch lange nicht erreicht: "Aktuell wirkt hier Corona wie ein zweifacher Katalysator", so Geschäftsführer Markus Miele zu der Zeitung. "Die Menschen bleiben viel mehr zu Hause, und wenn man sich mit Familie und Freunden trifft, dann ja am besten an der frischen Luft."

Otto Wilde passt ohnehin in Mieles Beteiligungsstrategie. Das Unternehmen sucht seit einiger Zeit nach aussichtsreichen Wachstumsfeldern außerhalb des Stammgeschäfts mit Waschmaschinen, Küchenherden und Geschirrspülern. Zu den neuen Aktivitäten gehört etwa der Gourmet-Lieferservice MChef, der Vertical-Farming-Spezialist Agrilution und die Rezepte-App KptnCook. Und neuerdings nun auch ein Grillhersteller aus Düsseldorf.

cr

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