Batteriezellen für E-Autos Fabrikpläne von Mercedes-Partner Farasis in Bitterfeld geplatzt

Mercedes setzt bei der Versorgung mit Batteriezellen für seine Elektroautooffensive auf die Partnerschaft mit Farasis aus China. Die News aus Sachsen-Anhalt dürfte daher ein Rückschlag für die Stuttgarter sein: Aus einer geplanten Farasis-Fabrik in Bitterfeld wird vorerst nichts.
"Vertrag gekündigt": Farasis baut vorerst keine Fabrik in Bitterfeld

"Vertrag gekündigt": Farasis baut vorerst keine Fabrik in Bitterfeld

Foto: Sebastian Kahnert / dpa-Zentralbild

Diese Meldung aus Sachsen-Anhalt dürfte in Stuttgart für einige Aufmerksamkeit sorgen: Die Pläne des chinesischen Batteriezellherstellers Farasis, ein Werk in Bitterfeld zu errichten, sind offenbar vom Tisch. Die Stadt Bitterfeld-Wolfen habe den städtebaulichen Vertrag mit der Farasis Energy Europe beendet und damit "für eine klare Aktenlage" gesorgt, berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung" . So stehe es in den Beschlussunterlagen des Stadtrates. Das Aus wurde der Zeitung demnach von Farasis bestätigt. Das einst wegen der geplanten Errichtung einer Batteriefabrik mit hunderten Mitarbeitern hochgelobte Unternehmen habe eine Nachfrage der "MZ" mit den Worten beantwortet, dass "der Vertrag im gegenseitigen Einvernehmen gekündigt" wurde.

Die Entwicklung dürfte einen Rückschlag für die Elektropläne des Autoherstellers Mercedes bedeuten. Das Unternehmen hatte 2019/2020 – seinerzeit noch als Daimler-Konzern – beschlossen, bei der Batteriezellversorgung für seine Elektroautopläne auf eine Partnerschaft mit Farasis zu setzen. Im Zuge des Börsengangs der Chinesen beteiligte sich Daimler damals für einen Millionenbetrag mit 3 Prozent an seinem neuen Partner.

Daimler, so das Ziel, wollte sich eine sichere Basis für die Zellversorgung aufbauen. Auf mittlere Frist sollte der Konzern aus China etwa die Hälfte der von Mercedes in Europa benötigten Zellen produzieren. Unter Beobachtern sorgte die Partnerschaft allerdings von Beginn an für Verwunderung, nicht zuletzt, weil sich Farasis bis dahin in der Branche noch keinen Namen gemacht hatte. Das Unternehmen, 2002 in Kalifornien gegründet und heute im chinesischen Gan Zhou ansässig, liefert erst seit 2016 Pkw-Zellen. Auf dem Weltmarkt spielt Farasis bislang eher eine Nebenrolle.

Völlig überraschend kommt das Aus für Farasis in Bitterfeld zudem nicht. Ab 2022 wollten die Chinesen dort ursprünglich Batteriezellen bauen, so der Plan. Doch das Unternehmen verzögerte sein Vorgehen in Sachsen-Anhalt immer wieder. Zuletzt war von einem möglichen Produktionsbeginn im Jahr 2024  die Rede.

Eine Baugenehmigung gab es jedoch auch Anfang 2021 noch nicht. Bereits zu jener Zeit berichtete manager magazin stattdessen über "erhebliche Probleme" in der Partnerschaft  zwischen dem Autokonzern und seinem Zelllieferanten. Wie es unter Daimler-Managern hieß, schien seinerzeit sogar ein komplettes Scheitern der Kooperation nicht ausgeschlossen. Das gefährde die Elektrooffensive von Konzernchef Ola Källenius (52).

Der Darstellung widersprach Farasis seinerzeit entschieden. Nun scheint sie sich zu bestätigen. Mercedes teilte dazu auf Anfrage mit, Farasis sei ein strategischer Partner des Unternehmens für Batteriezellen, daran ändere sich nichts. Die Versorgung der Mercedes-EQ-Offensive sei sichergestellt, dafür habe Mercedes-Benz "ein gut funktionierendes und sehr stabiles Lieferantenset aufgebaut".

Auch ein Daimler-Manager sagte zu manager magazin, die Entwicklung in Bitterfeld sei für die Versorgung des Konzerns "kein Problem".

cr