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INTERVIEW: FRIEDRICH KARL FLICK "Mein Geld ist in Wien"

Flick über die Verwaltung seines Vermögens
aus manager magazin 8/1998

Friedrich Karl Flick ist Erbe des größten deutschen Privatimperiums. Der 71jährige, dessen Vermögen auf mehr als fünf Milliarden Mark geschätzt wird, lebt seit 1994 mit seiner 33 Jahre jüngeren dritten Ehefrau Ingrid in Österreich.

Anfang der 80er Jahre schrieb Flick deutsche Geschichte: Im Zuge der Parteispendenaffäre, die seinen Namen trägt, verloren der damalige Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und Hans Friderichs, seiner Zeit Vorstandssprecher der Dresdner Bank, ihren Job. 1985 verkaufte Flick seine Industriebeteili- gungen und übersiedelte neun Jahre später nach Österreich, dessen Staatsbürgerschaft er bereits 40 Jahre besitzt.

Erstmals seit seinem Abschied als Unternehmer gab der reichste Mann Österreichs jetzt ein Interview. Antje Berlin, Redakteurin des österreichischen Wirtschaftsmagazins "trend", traf Flick in seinem 1000-Quadrat- meterbüro in Wien. mm bringt Auszüge aus dem Gespräch.

*

Wieso sind Sie nach Österreich gezogen und nicht etwa in die Schweiz, wo Sie ja auch ein Landhaus haben?

Flick: Die Schweiz stand nie zur Debatte. Für mich kam immer nur Österreich in Frage, auch wenn das hier kein Steuerparadies ist. Aber es bietet im Gegensatz zu Deutschland immerhin Rahmenbedingungen, die eine Erhaltung des Vermögens möglich machen. Das reicht mir.

Warum so bescheiden?

Flick: Ich verbringe seit Jahren viel Zeit in Österreich. Die Verlegung meines Wohnsitzes hierher war nur die logische Konsequenz.

Wie investieren Sie Ihr Geld?

Flick: Weniger als 10 Prozent ist in Immobilien angelegt, dabei achte ich auf Faktoren wie Vermietbarkeit und Wertsteigerungspotential. Der große Rest des Vermögens besteht je zur Hälfte aus Aktien und Anlei- hen. Konten, die auch zur Ausgabendeckung herangezogen werden, haben einen höheren Anteil an Bonds.

Wer hilft Ihnen bei der Verwaltung Ihres Kapitals?

Flick: Zu meinen engsten Beratern zählen mein Düsseldorfer Anwalt und Testamentsvollstrecker Klaus Böhlhoff, der Münchner Kunstexperte Rudolf Neumeister und Eberhard von Brauchitsch.

Wer assistiert noch bei Ihren Entscheidungen?

Flick: Ich habe in Wien eine Art Geschäftsleitung, der vier Leute angehören. Die kümmern sich für mich um das Tagesgeschäft mit den Ban- ken und bereiten Entscheidungen vor, die ich mit meinen Freunden diskutiere. Im Ausland stehe ich in Verbindung mit circa 40 Spezialisten, auf die ich in Anlagefragen zurückgreifen kann.

Wo liegt Ihr Vermögen?

Flick: Mein Geld ist fast zur Gänze in Wien. Ich bin bei mehr als einem Dutzend Fonds engagiert. Dabei handelt es sich um Publikumsfonds von österreichischen Großbanken, die auch für andere Investoren offenstehen.

Welche Rolle spielen dann Ihre Berater im Ausland?

Flick: Sie sind Berater der österreichischen Kapitalanlagegesellschaften. So gibt es zum Beispiel für amerikanische Wertpapiere eine Reihe von US-Fachleuten in New York.

Wieviel investieren Sie in amerikanische Papiere?

Flick: 45 Prozent meiner Aktien sind in Nordamerika plaziert, 50 Prozent in Europa und nur 5 Prozent in Fernost.

Ist der Schweizer Franken für Sie als Fluchtwährung interessant?

Flick: Die Schweiz wird sicher auch in Zukunft vor politischen Unruhen geschützt sein. Dennoch ist der Schweizer Franken eine relativ kleine Währung mit international geringer Bedeutung. Außerdem bin ich als konservativer Anleger der Meinung, daß man in der Währung anlegen sollte, in der die Ausgaben anfallen und die Steuern zu bezahlen sind.

Das heißt also, Sie bevorzugen eher ein Investment in Euro als in Dollar?

Flick: Meine Ausgaben in Dollar sind relativ gering. Ich denke, es bringt nichts, Dollar zu besitzen, wenn man in Euro zahlen muß.

Welche Rendite streben Sie bei der Veranlagung Ihres Vermögens an?

Flick: Ich versuche, nach Steuern und Inflation eine Rendite von 4 Prozent zu erzielen. Klingt wenig, oder?

Mit Bundesanleihen erreichen Sie das jedenfalls nicht.

Flick: Richtig. Abzüglich Kapitalertragsteuer und Inflationsrate würden da nur knapp 2 Prozent bleiben. Für 4 Prozent Rendite muß man sich schon mehr einfallen lassen. Insbesondere, wenn auch die laufenden Ausgaben voll gedeckt werden müssen.

Rechnen Sie uns das bitte einmal vor?

Flick: Eine österreichische Bundes- anleihe bringt zur Zeit 4,8 Prozent Zinsen. Davon gehen 25 Prozent Kapital- ertragsteuer ab, so daß 3,6 Prozent nach Steuern bleiben. Abzüglich der Inflationsrate von 1,7 Prozent kommen wir auf 1,9 Prozent.

Wie schaut die Kalkulation für Deutschland aus?

Flick: Trotz der geringeren Inflationsrate ist wegen des hohen Spit- zensteuersatzes von 60 Prozent dort nur ein vergleichsweise mageres halbes Prozent Realverzinsung zu erzielen.

Wissen Sie immer genau Bescheid, wie es um Ihre Finanzen steht?

Flick: Ich bekomme täglich einen Pressespiegel mit Informationen über Währungen, Branchen und Märkte. Jeden Donnerstag gibt es eine Zusammenfassung der wichtigsten Wirtschaftsdaten. Einmal im Monat erhalte ich einen 100 Seiten starken Bericht über die Vermögensentwicklung.

Wie halten Sie Kontakt mit Ihren Mit- arbeitern und Beratern?

Flick: Sechsmal im Jahr treffe ich mich mit meinen drei engsten Vertrauten, darüber hinaus laufend mit meiner Geschäftsleitung. Jedes Quartal setze ich mich mit den ausländischen Experten zusammen. Viele Besprechungen finden in Wien statt, andere Treffen in New York.

Warum beschäftigen Sie sich persönlich mit Ihrem Vermögen? Sie könnten die Verantwortung delegieren.

Flick: Ich versuche, das Vermögen möglichst ungeschmälert an die nächste Generation, also an meine Töchter weiterzugeben. Alexandra, die ältere, hat ja letztes Jahr geheiratet. Sie interessiert sich bereits sehr für das Kaufmännische und die Jagd.

Ihre Tochter Elisabeth lebt in Paris.

Flick: Sie studiert amerikanische Literatur. Wirtschaft ist nicht ihr Lieblingsfach. Ihre Neigungen liegen eher bei den Sprachen, die sie auf ihren Reisen auch gut verwenden kann.

Wie sehen Sie den Zusammenschluß von Daimler-Benz und Chrysler? Immerhin haben Ihnen fast 40 Prozent des Automobilkonzerns gehört.

Flick: Da gibt es keine persönlichen Bindungen mehr. Prinzipiell ist es für einen Konzern sicher kein Fehler, sich aus dem deutschen Raum hinauszubewegen. Die unterschiedlichen Kulturen der Arbeitnehmervertretungen könnten jedoch zu Reibungen beim Zusammenschluß der insgesamt 400 000 Mitarbeiter führen.

Würde es Sie reizen, Ihre Kontakte noch einmal spielen zu lassen?

Flick: Ich bewundere, wie mein väterlicher Freund Berthold Beitz bei der Fusion von Krupp und Thyssen entscheidend mitgewirkt hat. Aber für eine kapitalmäßige Beteiligung übersteigen die Dimensionen heute doch die Möglichkeiten eines privaten Investors.

Sie müssen ja nicht gleich mit eigenem Geld einsteigen.

Flick: Ich habe genug damit zu tun, mich um meine Anlagepolitik zu kümmern. Außerdem setze ich nicht zuviel auf eine Karte, sondern streue mein Geld lieber weltweit auf verschiedene Branchen und Märkte.

Fürs Golfspielen soll auch noch Zeit bleiben.

Flick: Meine Frau und ich spielen im Winter sehr gern in Kalifornien. Seit ich nicht mehr Ski fahre, ist das ein schöner Ausgleichssport geworden.

Was ist Ihr Handicap?

Flick: Ich bin vor einiger Zeit gestürzt. Seither ist meine Schulter ein wenig lädiert. Das ist mein Handicap. n

Antje Berlin
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