Impfstoffhersteller Biontech "Mehr Geld würde bei der Impfstoffherstellung helfen"

Dem Mainzer Hersteller Biontech würde nach eigenen Angaben mehr staatliches Geld nützen, um die Produktionskapazitäten für den Corona-Impfstoff auszubauen. Die Bundesregierung hat die Chance, nach dem Impfdesaster nun nachzubessern.
Biontech: Deutschland und die EU haben den Impfstart verschlafen. Nun soll nachgebessert werden - mit mehr Geld für die Hersteller

Biontech: Deutschland und die EU haben den Impfstart verschlafen. Nun soll nachgebessert werden - mit mehr Geld für die Hersteller

Foto: Dado Ruvic/ REUTERS

"Im vergangenen Jahr hätte uns mehr Geld nicht geholfen, weil wir den Produktionsprozess im großen Maßstab erst sicher aufstellen mussten", sagte Finanzvorstand Sierk Poetting dem SPIEGEL. "Jetzt aber würde Geld helfen. Erst recht, wenn wir für nächstes Jahr eine Kapazität von drei Milliarden Dosen antizipieren sollen, wie es diese Woche bereits angefragt wurde."

In Deutschland sind sechs Wochen nach Beginn der "Impfkampagne" auch viele Seniorenheimbewohner noch immer nicht geimpft. Menschen im Alter von über 80 Jahren, die als erste geimpft werden sollen, haben zum Teil einen Termin für ihre Erstimpfung für Anfang April zugewiesen bekommen - wenn sie denn überhaupt einen Termin ergattert haben und nicht in endlosen Telefon-Warteschleifen gescheitert sind. In Großbritannien dagegen haben bereits knapp 9 Millionen Menschen eine Impfung erhalten - viele davon den in Deutschland entwickelten Impfstoff von Biontech und Pfizer.

"Am Geld wird die schnellere Beschaffung von Impfstoff nicht scheitern"

"Biontech hat auf dem Impfgipfel einen möglichen Finanzbedarf von bis zu 400 Millionen Euro für die Reservierung von Kapazitäten und Rohstoffen bis in das nächste Jahr hinein dargelegt. Wir sind im Austausch mit dem Unternehmen, um dies weiter zu konkretisieren", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Darüber spreche man auch mit anderen Herstellern von Impfstoff. "Wir wollen für den Fall problematischer Mutationen oder notwendiger Auffrisch-Impfungen auch für 2022 ausreichend Kapazität für Deutschland, Europa und die Welt sichern." Finanzminister Olaf Scholz (SPD) äußerte sich im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag) ähnlich: "Am Geld wird die schnellere Beschaffung von Impfstoff jedenfalls nicht scheitern." Das war nicht immer so: Die Europäische Union (EU) hat den Impfstart in Europa auch deshalb verpatzt, weil man monatelang mit den Herstellern über Mengen und Preise verhandelte, statt wie Israel oder Großbritannien zügig Impfstoff zu bestellen. Die Folgekosten sind nun deutlich höher.

Biontech-Vorstand Poetting geht davon aus, dass der Bedarf an Impfstoff weiter steigen wird. "Es gibt unterversorgte Länder, es könnte eine dritte Impfdosis gegen mutierte Varianten des Virus notwendig werden, oder es könnten sich ganz neue Mutationen entwickeln. Deswegen arbeiten wir daran, weitere Standorte auszubauen und neue Partner in unser Netzwerk zu nehmen", sagte er.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die wegen des europäischen Impfdesasters stark unter Druck steht, hatte angesichts der Lieferengpässe bei Corona-Impfstoffen für die Bereitstellung weiterer EU-Mittel geworben. Als Beispiel wurden zusätzliche Investitionen in den Ausbau oder die Umwidmung von Produktionsstätten genannt. Poetting sagte dem SPIEGEL dazu: "Den Vorschlag müsste man prüfen. Er könnte idealerweise dazu führen, dass mittelfristig Kapazitäten erhöht werden könnten."

la/dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.