Berater in der Krise McKinsey-Chef Kevin Sneader verliert seinen Job

Zuletzt häuften sich die Probleme bei der Consultingfirma. Nun verweigerten die 650 Senior-Partner dem globalen Chef Kevin Sneader eine zweite Amtszeit - er muss gehen.
Keine zweite Amtszeit: McKinsey-Chef Kevin Sneader muss gehen

Keine zweite Amtszeit: McKinsey-Chef Kevin Sneader muss gehen

Foto: McKinsey

Seit Jahren hangelt sich McKinsey von Skandal zu Skandal (eine Analyse von manager magazin lesen Sie hier ). Zuletzt machte die Beratung Schlagzeilen, weil sie in den USA einem Vergleich zustimmte, 600 Millionen Dollar wegen Falschberatung im Zusammenhang mit Schmerzmitteln zu zahlen. Nun verweigerten die 650 Senior-Partner der Beratung ihrem globalen Chef die Wiederwahl: Kevin Sneader (54) muss nach Informationen des manager magazins gehen. Zuvor hatte die "Financial Times " über die Personalie berichtet.

Intern wurde Sneader nach Informationen des manager magazins vorgeworfen, dass er es nicht geschafft hat, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass McKinsey aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Neben dem Schmerzmittelskandal war die Firma in einen Korruptionsskandal des Gupta-Clans in Südafrika verwickelt. Für beides kann Sneader nichts. Am Tag seines Amtsantritts ist er nach Südafrika geflogen, um sich zu entschuldigen. Die Ratschläge, die McKinsey Purdue und anderen Opiodproduzenten gegeben haben, fallen ebenfalls nicht in seine Zeit.

Doch Sneader hat es, so der interne Vorwurf, auch nicht geschafft, die Firma aus den Negativschlagzeilen zu bringen. Kollegen waren verärgert, dass er immer wieder von bedauerlichen Einzelfällen sprach. Auch sei es ihm nicht gelungen, den Verdacht aus der Welt zu schaffen, dass die Skandale etwas mit dem System und den inneren Werten von McKinsey zu tun haben.

Für die Consultingfirma ist es ein Einschnitt. Jeder der fünf Vorgänger Sneaders an der Spitze des Unternehmens hat es in eine zweite drei Jahre währende Amtszeit geschafft. Schon dass ein amtierender Weltchef bei einer Wiederwahl einen Gegenkandidaten vor die Nase gesetzt bekommt, ist für McKinsey-Verhältnisse ein Affront. Doch Sneader schaffte es nicht einmal in die Stichwahl der letzten beiden Kandidaten. Das gab es noch nie.

In der Endauswahl sind stattdessen laut "Financial Times" nun Bob Sternfels, der die McKinsey-Niederlassung in San Francisco leitet, sowie Sven Smit, Kopf von McKinsey in Amsterdam. Die Aufgabe der neuen Spitze wird es sein, nach Außen glaubhaft zu machen, dass McKinsey verstanden hat und bereit ist sich zu ändern.

Die Wahl folgt bei McKinsey einem sehr eigenen Ritual: Jeder der 650 Senior-Partner ist wahlberechtigt – und kann gewählt werden. Alle drei Jahre bekommen die Partner einer Liste aller wählbaren Kollegen und dürfen ein Kreuz hinter ihren Wunschkandidaten machen. Kommt in dieser ersten Runde ein Partner auf 50 Prozent plus eine Stimme, ist er gewählt. Das ist allerdings noch nie vorgekommen. In der zweiten Runde geht eine Kandidatenliste mit den zehn Partnern herum, die in Runde eins die meisten Stimmen erhalten haben. Falls kein Kandidat auf mehr als 50 Prozent kommt, wird in der dritten Runde zwischen zwei Kandidaten entschieden.

cr
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