Berater in der Krise McKinsey-Partner wählen Bob Sternfels zum neuen Chef

Nach der Absetzung von Kevin Sneader haben sich die 650 Seniorpartner von McKinsey auf einen Nachfolger geeinigt. Bob Sternfels soll die Berater aus der Krise führen.
Der Neue: Die McKinsey-Partner haben Bob Sternfels an ihre Spitze gewählt

Der Neue: Die McKinsey-Partner haben Bob Sternfels an ihre Spitze gewählt

Foto: McKinsey

Die McKinsey-Partner haben einen neuen Chef gewählt. Bob Sternfels (51) wird die Leitung der Unternehmensberatung am 1. Juli dieses Jahres übernehmen, wie das Unternehmen mitteilte . Sternfels, der Senior Partner in San Francisco ist und die globalen Kundenbeziehungen leitet, habe vor allem die digitalen und analytischen Fähigkeiten der Firma gestärkt, sich aber auch für strengere Risikokontrollen in der Kundenauswahl eingesetzt, heißt es weiter.

Er sehe keinen Gegensatz "eine schnellere oder eine sicherere Firma", betonte Sternfels in einem Antrittsinterview . Seine Berufung sei nicht als Abkehr vom bisherigen Kurs McKinseys zu werten. Der Kalifornier stellte sich als Freizeitpilot und ehemaliger Ultramarathonläufer vor. Er studierte in Stanford, wo er dem Wasserballteam der Silicon-Valley-Universität angehörte, und Oxford. Seit 1994 arbeitete er für McKinsey. Schon 2018 hatte er für den Topjob kandidiert, war aber Kevin Sneader unterlegen. Neben Sternfels stand mehreren Presseberichten zufolge zuletzt noch Sven Smit, Senior Parnter von McKinsey in Amsterdam, in der Stichwahl.

Seit Jahren hangelt sich McKinsey von Skandal zu Skandal (eine Analyse von manager magazin lesen Sie hier ). Zuletzt machte die Beratung Schlagzeilen, weil sie in den USA einem Vergleich zustimmte, 600 Millionen Dollar wegen Falschberatung im Zusammenhang mit Schmerzmitteln zu zahlen. Ende Februar verweigerten die 650 Seniorpartner der Beratung dann ihrem globalen Chef, Kevin Sneader (54), die Wiederwahl.

Intern wurde Sneader nach Informationen von manager magazin vorgeworfen, dass er es nicht geschafft hat, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass McKinsey aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Neben dem Schmerzmittelskandal war die Firma in einen Korruptionsskandal des Gupta-Clans in Südafrika verwickelt. Für beides kann Sneader nichts. Am Tag seines Amtsantritts ist er nach Südafrika geflogen, um sich zu entschuldigen. Die Ratschläge, die McKinsey Purdue und anderen Opiodproduzenten gegeben haben, fallen ebenfalls nicht in seine Zeit.

Doch Sneader hat es, so der interne Vorwurf, auch nicht geschafft, die Firma aus den Negativschlagzeilen zu bringen. Kollegen waren verärgert, dass er immer wieder von bedauerlichen Einzelfällen sprach. Auch sei es ihm nicht gelungen, den Verdacht aus der Welt zu schaffen, dass die Skandale etwas mit dem System und den inneren Werten von McKinsey zu tun haben.

Erstmals Schluss nach einer Amtszeit

Für die Consultingfirma ist es ein Einschnitt. Jeder der fünf Vorgänger Sneaders an der Spitze des Unternehmens hat es in eine zweite drei Jahre währende Amtszeit geschafft. Schon dass ein amtierender Weltchef bei einer Wiederwahl einen Gegenkandidaten vor die Nase gesetzt bekommt, ist für McKinsey-Verhältnisse ein Affront. Doch Sneader schaffte es nicht einmal in die Stichwahl der letzten beiden Kandidaten. Das gab es noch nie.

Die Aufgabe von Sternfels wird es sein, nach Außen glaubhaft zu machen, dass McKinsey verstanden hat und bereit ist sich zu ändern.

Die Wahl folgt bei McKinsey einem sehr eigenen Ritual: Jeder der 650 Seniorpartner ist wahlberechtigt – und kann gewählt werden. Alle drei Jahre bekommen die Partner einer Liste aller wählbaren Kollegen und dürfen ein Kreuz hinter ihren Wunschkandidaten machen. Kommt in dieser ersten Runde ein Partner auf 50 Prozent plus eine Stimme, ist er gewählt. Das ist allerdings noch nie vorgekommen. In der zweiten Runde geht eine Kandidatenliste mit den zehn Partnern herum, die in Runde eins die meisten Stimmen erhalten haben. Falls kein Kandidat auf mehr als 50 Prozent kommt, wird in der dritten Runde zwischen zwei Kandidaten entschieden.

ak, cr