Aktienpaket von Friede Springer Döpfners Milliardengeschenk wohl weitgehend steuerfrei

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner ist auf dem Papier bald Milliardär. Der Weg dahin ist sehr wahrscheinlich zum größten Teil steuerfrei.
"Axel Springer ist mein Leben. Ich wollte immer den unruhigen Schlaf des Unternehmers und nie nur Manager sein" – Neu-Milliardär Mathias Döpfner.

"Axel Springer ist mein Leben. Ich wollte immer den unruhigen Schlaf des Unternehmers und nie nur Manager sein" – Neu-Milliardär Mathias Döpfner.

Foto: Marijan Murat/ dpa

Es war ein ungewöhnlicher Vorgang, über den die Axel Springer SE am Donnerstag die Öffentlichkeit informierte. Unternehmenschef Mathias Döpfner (57), hieß es dort, kaufe 4,1 Prozent der Unternehmensanteile von Friede Springer (78). 15 Prozent der Aktien werde er von der Witwe des Verlagsgründers Axel Cäsar Springer zusätzlich "als Schenkung" erhalten.

Ein äußerst großzügiges Geschenk. Laut Unternehmen werde der Transfer in den nächsten Tagen vollzogen. Legt man den Preis zugrunde, mit dem die Springer-Aktie zuletzt gehandelt wurde, wird Döpfners Präsent über eine Milliarde Euro Wert sein. Selbst in den USA, wo Topmanager wie Ex-T-Mobile-Boss John Legere (62) über 60 Millionen US-Dollar im Jahr verdienen, wäre eine solche Summe extrem.

Noch attraktiver wird das Geschäft für Döpfner, weil er das Aktienpaket wohl auch noch weitestgehend steuerfrei einstreichen darf. Grundsätzlich würden für ein Geschenk in dieser Größenordnung außerhalb der Familie 50 Prozent Schenkungsteuer anfallen - der höchstmögliche Satz. Nur einen kleinen Freibetrag in Höhe von 20.000 Euro könnte Döpfner geltend machen. Ausnahmeregeln für Betriebsvermögen gelten in seinem Fall eigentlich nicht, da es um weniger als 25 Prozent des Unternehmens geht.

"Das kann man aber durch sogenannte Pool-Verträge umgehen", sagt Helge Schubert (43), Steuerberater und Fachanwalt für Steuerrecht bei der Hamburger Kanzlei Rose und Partner. Das dürfte laut Schubert auch auf Döpfners Fall zutreffen, denn Springer hat ihm zusätzlich zur Schenkung die gemeinsamen Stimmrechte an ihrem verbliebenen Aktienpaket eingeräumt (rund 22 Prozent). Er kontrolliert künftig also - direkt oder mittelbar - gut 44 Prozent der Anteile. Nur falls eine sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung ergibt, dass Döpfner über genügend freie Mittel verfügt, um die Steuer aufzubringen, könnte er eventuell doch zur Kasse gebeten werden. Experten wie Schubert gehen jedoch nicht davon aus - allenfalls eine anteilige Belastung sei realistisch. Dem Springer-Boss bleibt ein weiterer Kredit über gut 500 Millionen Euro also aller Voraussicht nach erspart.

Der Springer-Konzern und Döpfner wollen sich dazu auf Anfrage nicht konkret äußern. Ein Sprecher teilt lediglich mit, dass die Schenkung "selbstverständlich nach den Regelungen des geltenden Steuerrechts ordnungsgemäß versteuert" werde. Es sei bei dem gewählten Konstrukt nicht um Steuervermeidung gegangen.

Für die Springer-Belegschaft hat der Deal indes einen beruhigenden Nebeneffekt: Döpfner könnte eine mögliche Steuervergünstigung nur behalten, sofern er in den kommenden fünf Jahren keine wesentlichen Unternehmensteile verkauft oder im großen Stil Personal abbaut. Sonst würde es rückwirkend doch noch teuer werden.

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