Wirecard-Skandal Marsalek-Vertrauter in Singapur festgenommen

Ermittler in Singapur haben den Briten James O'Sullivan festgenommen. Er gilt als Schlüsselfigur im Wirecard-Skandal und Vertrauter des flüchtigen Ex-Vorstands Jan Marsalek.
Tatort Singapur: In dem Stadtstaat soll die Wirtschaftsprüfungsfirma Citadelle eine maßgebliche Rolle im mutmaßlichen Milliardenbetrug von Wirecard gespielt haben

Tatort Singapur: In dem Stadtstaat soll die Wirtschaftsprüfungsfirma Citadelle eine maßgebliche Rolle im mutmaßlichen Milliardenbetrug von Wirecard gespielt haben

Foto: © STR New / Reuters

Die Staatsanwaltschaft München fahndet schon lange nach ihm: James Henry O'Sullivan (46) gilt als enger Vertrauter des untergetauchten Ex-Wirecard-Vorstands Jan Marsalek (41). Auch der Brite war untergetaucht, jetzt ist er Ermittlern in Singapur ins Netz gegangen und sitzt in Untersuchungshaft, berichtet die Tageszeitung "The Straits Times" . Die Polizei hatte den Mann am Montag festgenommen, er wurde wegen Beihilfe zur Dokumentenfälschung angeklagt, heißt es in dem Bericht.

Dem Bericht zufolge soll O'Sullivan die in dem Stadtstaat ansässige Wirtschaftsprüfungsfirma Citadelle angestiftet haben, in einem Brief an eine Wirecard-Tochtergesellschaft die Existenz eines Treuhandkontos mit einem Vermögen von rund 87 Millionen Euro vorzutäuschen. Die Münchner Staatsanwaltschaft sucht O'Sullivan nach verschiedenen Medienberichten wegen Beihilfe zur Veruntreuung von Wirecard-Vermögen. Ob sie einen Auslieferungsantrag stellen wird, ist bislang nicht bekannt.

Der Anwalt des angeklagten Briten verlangt laut "Straits Times" die Freilassung seines Mandanten gegen Kaution, da er die Ermittler unterstütze. Fluchtgefahr bestünde nicht, zumal seine Frau und zwei Kinder in Singapur lebten und studierten. Dem Antrag kam das Gericht dem Bericht zufolge nicht nach, O'Sullivan bleibe bis zur nächsten offiziellen Anhörung am 8. September weiter in Untersuchungshaft.

Ex-Citadelle-Chef ebenfalls in Singapur angeklagt

Laut "The Straits Times" muss sich zugleich der ehemalige Citadelle-Chef namens Rajaratnam Shanmugaratnam (55) in Singapur in 14 Fällen vor Gericht verantworten. Er soll dazu beigetragen haben, Vermögen in Milliardenhöhe auf Treuhandkonten vorzutäuschen. Mitte/Ende September soll das Gerichtsverfahren beginnen.

Wirecard hatte im Juni vergangenen Jahres in Deutschland Insolvenz angemeldet, nachdem der ehemalige Dax-Konzern einräumen musste, dass auf Treuhandkonten in Asien rund 1,9 Milliarden Euro nicht auffindbar seien. Der Zahlungsdienstleister soll über Jahre seine Bilanzen gefälscht haben und gilt als einer der größten Wirtschaftsskandale in Deutschland. Aktionäre haben rund 20 Milliarden Euro verloren, bei Banken und Großinvestoren sollen sich die Verluste auf drei Milliarden Euro belaufen.

Der ehemalige Wirecard-Chef Markus Braun (52) und zwei weitere Vorstände waren im Juli vergangenen Jahres festgenommen worden, während Marsalek sich zuvor absetzen und untertauchen konnte. Braun streitet bislang alle Vorwürfe ab.

rei
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