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Mannätscher Magazin

Frauenfrage: Warum sind in mm immer nur graue Männer? Weil - fast - keine blonden Frauen managen.
aus manager magazin 9/2001

Es heißt in der allerersten Konzeption von mm: "Unsere Zielgruppe ist fast ausschließlich männlich." So wurde mm in den Gründerjahren eigentlich ein mannätscher magazin: Männer schrieben für Männer.

Frauen tauchten im Heft lediglich als Schreibkraft - pardon: Sekretärin (Titel 10/ 1979) - auf oder als fürsorgende Ehepartnerin, die dem gestressten Manager morgens die gebügelten Hemden herauslegt.

Ein weiblicher Manager - das war exotisch. Jede Frau, die den Sprung ins Topmanagement schaffte, wurde deshalb von mm euphorisch begrüßt und als vorbildlich vorgestellt.

Gabriele Fischer, lange Jahre Karrierefrau bei mm und erstes weibliches Mitglied der Chefredaktion, schrieb mehrere Geschichten, wie es Frauen schaffen können. Auf dem Titel 5/1993 musste die Missionarin leider konstatieren, dass die Männer tricksen: "Wie Manager ihre Kolleginnen von der Macht fernhalten".

Die Herren in Grau und Blau dominieren weiterhin das Management - und die Titelbilder.

Erst nach zehn Jahren, in Heft 12/1981, tauchte die erste Unternehmerin auf dem Titel auf: die Cartier-Chefin Nathalie Hocq. Sechs weitere Frauen schafften es noch aufs Titelbild, doch fünf davon waren eher Schmuckstücke: Gloria Gayner (Sängerin), Michèle Mouton (Rennfahrerin), Gudrun Landgrebe (Schauspielerin), Annemarie Ast (BMW-Verkäuferin) und Fürstin Gloria (Erbin). Nur eine Selfmadewoman zierte in 30 Jahren mm das Titelbild (1/1983): die ewig junge Modezarin Jil Sander.

Ach, wären die Unternehmen doch so emanzipatorisch wie mm. In den besten Zeiten bestand die Redaktion zu fast 40 Prozent aus Frauen. Heute beträgt die Frauenquote immerhin noch nahezu ein Viertel.

So schreiben bei mm inzwischen Frauen für Männer - immerhin ein kleiner Fortschritt.

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