Jim Ratcliffe Reichster Mann Großbritanniens will Manchester United kaufen

Nachdem Jim Ratcliffe damit gescheitert war, den FC Chelsea zu übernehmen, versucht er es nun bei Manchester United. Es wäre der dritte Fußballklub im Sortiment des umstrittenen Selfmade-Milliardärs.
Sir Jim Ratcliffe ist studierter Chemieingenieur und gründete 1998 den Chemiekonzern Ineos. Mittlerweile ist er der reichste Mann Großbritanniens.

Sir Jim Ratcliffe ist studierter Chemieingenieur und gründete 1998 den Chemiekonzern Ineos. Mittlerweile ist er der reichste Mann Großbritanniens.

Foto: Steven Paston / dpa

Der britische Selfmade-Milliardär Jim Ratcliffe (69) will bei dem kriselnden Premier-League-Klub Manchester United einsteigen. "Sollte der Klub zum Verkauf stehen, wäre Jim definitiv ein potenzieller Käufer", sagte ein Sprecher des von Ratcliffe angeführten Chemiekonzerns Ineos am Mittwoch der Zeitung "The Times ". Damit reagierte Ineos auf einen Bloomberg-Bericht , wonach Uniteds Inhaberfamilie Glazer einen kleinen Anteil am Verein verkaufen wolle. Laut der "Times" würde Ratcliffe aber nur in United investieren wollen, wenn er auf lange Sicht die volle Kontrolle über den Klub von Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo (37) übernehmen könne.

Nach zwei Niederlagen zum Saisonstart steht United derzeit am Tabellenende. Wegen einer verfehlten Kaderplanung in den vergangenen Jahren ist die Glazer-Familie bei Teilen der Fans zuletzt stark in die Kritik geraten. Ratcliffe ist United-Fan und hatte bereits vor einigen Monaten angedeutet, dass er Interesse an der Übernahme eines Premier-League-Clubs hat.

Der Milliardär besitzt bereits ein Radsportteam (Team Ineos) und zwei Fußballklubs. Im Jahr 2017 kaufte er den Schweizer Zweitligisten FC Lausanne-Sport. Ineos hatte 2008 seinen Hauptsitz in die Schweiz verlegt, um Steuern zu sparen. Zwei Jahre später übernahm Ratcliffe den französischen Erstligisten OGC Nizza.

Ratcliffe ist Teilzeit-Patriot

Das US-Magazin "Forbes " schätzt das Vermögen von Ratcliffe auf 16,3 Milliarden Dollar. Er ist der reichste Brite und bekannt als Abenteurer. Laut Forbes besuchte er schon den Nord- und Südpol und tourte 2015 monatelang mit dem Motorrad durch Südafrika. Gleichzeitig sorgte er immer wieder öffentlich für Aufsehen. So warb er für den Brexit, zog aber 2019 nach Monaco, um in Großbritannien weniger Steuern zahlen zu müssen.

Nachdem die Briten mehrheitlich für den Austritt aus der EU gestimmt hatten, versprach Ratcliffe den britischen Kult-Geländewagen Defender wieder aufleben zu lassen. Stolz kündigte er an, eine Defender-Produktion auf der Insel einrichten zu wollen und beschwor britische Ideale wie Höflichkeit und Charme. Später änderte er seine Meinung. Die Produktion wurde im französischen Hambach eröffnet.

In der Nacht zum Mittwoch hatte bereits Tech-Milliardär Elon Musk getwittert, dass er Manchester United kaufen wolle. Später machte er allerdings klar, dass er nur gescherzt habe.

Im Mai hatte Ratcliffe versucht den Londoner Klub Chelsea zu kaufen, scheiterte aber. Der traditionsreiche Verein ging an den US-amerikanischen Milliardär Todd Boehly (48) und die Investmentgesellschaft Clearlake Capital. Die Käufer zahlten 3,2 Milliarden Dollar. Zuvor hatte Chelsea dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch (55) gehört, der von der britischen Regierung sanktioniert ist, da er den Überfall Russlands auf die Ukraine unterstützt.

fw/dpa-AFX, Reuters
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