Sonntag, 21. Juli 2019

Die 50 Mächtigsten Der ewige Ex-Präsident

Auf die Frage nach dem aktuellen BDI-Präsidenten würden wahrscheinlich viele immer noch mit dem Namen Hans-Olaf Henkel antworten. Daran, dass sich das so schnell nicht ändert, arbeitet der jetzige Wissenschaftslobbyist kräftig selbst mit.

"Außer dass ich heute zwei Stationen mit der U-Bahn ins Büro fahre, statt vom Fahrer abgeholt zu werden, hat sich nicht viel geändert", versucht Hans-Olaf Henkel gleich zu Beginn des Gesprächs mit manager-magazin.de jeden Eindruck zu vermeiden, auch nur eine Minute mehr Zeit zu haben als während seiner Amtszeit als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) in den Jahren 1995 bis 2000 oder als Topmanager bei IBM Börsen-Chart zeigen, wo er es bis zum Europa-Chef brachte.

Hans-Olaf Henkel: "Leute, die mich früher einen Extremisten nannten, schreiben heute Bücher mit meinen Vorschlägen von damals"
Auch für seine Segelyacht am Bodensee falle nicht mehr Zeit ab, versichert der 64-Jährige. Denn auch wenn er als Präsident der Leibniz-Gemeinschaft wie bereits beim BDI einen "One-Dollar-Job" (Henkel: "Und nicht mal den bekomme ich.") mache, sei sein Terminkalender dicht gefüllt.

Neben seinen Aufsichtsmandaten bei den Dax-Konzernen Bayer Börsen-Chart zeigen und Continental Börsen-Chart zeigen, wo Henkel regelmäßig mit Paul Achleitner (Allianz Börsen-Chart zeigen), Josef Ackermann (Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen), Diethart Breipohl (Allianz), Michael Frenzel (Tui Börsen-Chart zeigen), Heinrich von Pierer (Siemens Börsen-Chart zeigen), Hubertus Schmoldt (IG BCE), Manfred Schneider (Bayer) und Jürgen Weber (Lufthansa) zusammentrifft, pflegt er nach wie vor beste Kontakte zur politischen Kaste.

Erst vor ein paar Tagen sei er bei CDU-Chefin Angela Merkel gewesen, um mit ihr über die Wirtschaftspolitik für Ostdeutschland zu sprechen. Dritter im Bunde bei diesem Treffen sei der ehemalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) gewesen, mit dem Henkel auch im von Roman Herzog initiierten "Konvent für Deutschland" zusammenarbeitet. Mit den jüngsten Dohnanyi-Vorschlägen "identifiziere" er sich, so Henkel. Von der Diagnose her sei aber nichts Neues in die Diskussion gekommen. Viele Punkte hätten bereits im von ihm und Roland Berger im Mai 2002 erarbeiteten Ostdeutschland-Teil des Wahlprogramms für Edmund Stoiber (CSU) gestanden.

Das "Tarifkartell" als Feindbild

Beim Thema Ostdeutschland kommt Henkel so richtig in Fahrt und beginnt, in seinem aus zahlreichen Talkshow-Auftritten bekannten Stil alte Feindschaften zu pflegen. Das "Tarifkartell" müsse abgeschafft werden, da in Ostdeutschland nur noch ein Viertel der Arbeitgeber überhaupt im Arbeitgeberverband organisiert sei. "Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) schützt aus reinem Eigeninteresse die Macht der Gewerkschaften", so der Vorwurf Henkels, der 1996 die Wahl des damaligen BDA-Präsidenten Klaus Murmann zum Chef des europäischen Industrieverbandes verhinderte und damit schon einst für erhebliche Verstimmung im Arbeitgeberlager sorgte.

Kein Grund für Henkel, sich acht Jahre später zurückzuhalten. "BDA-Hauptgeschäftsführer Reinhard Göhner ist, ebenso wie DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer, die Personifizierung des unseligen Tarifkartells und der andauernden Kungelei zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften". Außerdem sitze Göhner gleichzeitig zu seiner Funktionärstätigkeit auf CDU-Ticket im Bundestag. Ludolf von Wartenberg - Göhner-Pendant beim BDI - habe im Gegensatz dazu nach dem Wechsel ins Verbandswesen sein Mandat abgegeben.

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